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Kloster Himmelpforten: Visitationsprotokolle von 1790 über eine entscheidende Episode
1. Teil: Von den Problemen wirtschaftlicher Art und denen der inneren Verfassung Ende des 18. Jh.
Mahnmal Himmelpforte
Nichts als ein paar Mauerreste und nur wenige gerettete Kunstschätze scheinen heute noch an das ehemalige Kloster Himmelpforten zu erinnern, dessen Kirche, Wohn- und Wirtschaftsgebäude von der mächtigen Flut fortgerissen worden sind, als am 17. Mai 1943 infolge eines Bombenangriffs die Staumauer der Möhnetalsperre barst. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 140 Jahre vergangen, dass die Nonnen ihr Kloster verlassen hatten, nachdem es im Zuge der Säkularisation aufgelöst und in eine Gutsdomäne umgewandelt worden war, die dann später durch Kauf in den Besitz ihres Pächters Schulte Günne überging. Und die ehemalige Klosterkirche fungierte bis zu ihrer Zerstörung als Pfarrkirche der ehemaligen Gemeinde Niederense.

Heute, 60 Jahre nach der Möhnekatastrophe und 200 Jahre nach der Auflösung des Klosters, empfinden immer noch viele Menschen der Gemeinde Ense Trauer um das, was mit der Kirche und ihren Kunstschätzen unwiederbringlich zerstört worden ist, nämlich ein sichtbares Zeichen der Erinnerung an Himmelpforten, dessen über 500jährige Geschichte eng mit der der Gemeinde Ense verbunden war. An dieser Stelle soll nicht die Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters Himmelpforten erneut wiedergegeben werden. Dies ist in ausführlicher und fundierter Form bereits von Paul Leidinger getan worden, auf dessen Arbeiten in diesem Zusammenhang verwiesen werden kann. Hier kann es nur um eine kurze, aber entscheidende Episode innerhalb der langen Himmelpfortener Ge-schichte gehen, um vor ihrem Hintergrund ein Stück Erinnerung an das Kloster und die dort lebenden Schwestern lebendig werden zu lassen. Damit soll gleichzeitig ein Beitrag zur Geschichte der Gemeinde Ense geleistet werden, deren historisches Archiv, damals im Amtshaus Niederense eingelagert, ebenfalls zum größten Teil Opfer der Möhnekatastrophe geworden ist.

Unter den wenigen Originaldokumenten, die die Gemeinde heute noch besitzt, befindet sich eine Akte aus dem Jahr 1790. Dabei handelt es sich um die Zweitausfertigung eines Visitationsprotokolls, verfasst vom erzbischöflichen Visitator Neesen und seinem Sekretär. Die Vorgeschichte dieser Visitation war die, dass die Himmelpfortener Chorjungfrau Wilhelmina Iskenius sich in einem Schreiben an den Kölner Erzbischof über ungerechte Behandlung beklagt hatte. Diese Beschwerde war dann zwar Anlass, aber nicht die eigentliche Ursache für die daraufhin vom Erzbischof angeordnete Visitation. Die nämlich ist eher in der Verschuldung des Klosters zu suchen und in seinem wirtschaftlichen Niedergang seit dem Ende des 7jährigen Krieges. Ziel der Visitation sollte es sein, die wirtschaftlichen Missstände aufzudecken, dem Kloster Wege aufzuzeigen, wie sie abgestellt werden könnten, aber darüber hinaus auch jenen Konflikten und Schwierigkeiten nachzugehen, die sich aus der inneren Verfassung des klösterlichen Miteinanders ergaben.

1790 befand sich das Kloster in einer schwierigen Situation. Dies galt zunächst in wirtschaftlicher Hinsicht, denn das Defizit im Jahresetat für das Jahr 1790, immerhin 295 Rth., (Leidinger, 329) war kein einmaliges, und hinzu kamen Schulden von fast 5.800 Rth. Höhe. Zwar hatte das Kloster seit seiner Gründung im Jahr 1246 immer wieder wirtschaftlich schlechte Zeiten durchleiden müssen, besonders in Folge der Truchsessischen Unruhen und während und nach dem 30jährigen Krieg, aber immer wieder war es ihm auch gelungen, seine Wirtschaft neu zu organisieren und erneut in Schwung zu bringen. Eine besondere Rolle nahm dabei im 17. Jh. der Bredelarer Pater Petrus Morchen ein, der in Himmelpforten als Probst fungierte und dort den umfangreichen Besitz, der aus ca. 70 abhängigen Kolonenhöfen bestand, so neuordnete, dass er eine solide wirtschaftliche Grundlage für die Klostergemeinschaft bilden konnte. In den Jahren vor 1790 jedoch schien keine kompetente Persönlichkeit vorhanden gewesen zu sein, die der klösterlichen Misswirtschaft ein Ende bereiten konnte oder die Kolonen zu eifrigerer Einhaltung ihrer Verpflichtungen gegenüber dem Kloster anzuhalten vermochte.

Die Probleme des Klosters waren aber nicht nur wirtschaftlicher Art, sondern auch seine innere Verfassung war, wenn nicht gar ins Wanken geraten, so doch durch die rationalistischen Zeitströmungen infrage gestellt. Hatte Himmelpforten in der Vergangenheit häufig Vorbildfunktion für andere Zisterzienserklöster gehabt, indem Konventualinnen von hier mit der geistlichen Reform anderer Klöster betraut worden waren, so scheint zumindest am Ende des 18. Jh. die klösterliche Lebensform nach den strengen Regeln des Zisterzienserordens nicht mehr zeitgemäß gewesen zu sein. Dies wird zum einen deutlich in der äußerst distanzierten Haltung des Kölner Erzbischofs Maximilian Franz, einem Bruder des österreichischen Kaisers Joseph II, und seinem Landdrost und späteren Hofkammerpräsidenten Franz Wilhelm von Spiegel (1752-1815) gegenüber dem Ordens- und Klosterleben. Beide waren Vertreter des aufgeklärten Katholizismus, dessen Ziel es war, mit Hilfe von Reformen die noch aus dem Mittelalter stammenden Macht- und Besitzstrukturen von Kirche und Klerus zu überwinden und sie dem Staat dienbar zu machen. Im Hinblick auf die Klöster hatte das in Kurköln und damit auch im Herzogtum Westfalen zur Folge, dass die bischöfliche Weisungsbefugnis auch auf die Klöster und die Ordenspersonen ausgedehnt wurde, die bisher von ihr ausgenommen waren. (Leidinger, S. 286)

In letzter Konsequenz führte das dann zu einer Säkularisation vor der eigentlichen Säkularisation von 1802/03, denn schon bevor die linksrheinischen Gebiete Deutschlands an Frankreich gelangten und die deutschen weltlichen Fürsten mit geistlichen Ländereien und Besitztümern dafür entschädigt wurden, gab es Tendenzen und Pläne, geistlichen Besitz zu verstaatlichen, um damit etwa die notwendige und kostspielige Bildungs- und Schulreform zu finanzieren. Von Spiegel machte kein Hehl daraus, was er vom klösterlichen Leben hielt. In einer Denkschrift aus dem Jahr 1802 fasst er zusammen: „Das Mönchthum ist eine äegyptische Pflanze, welche dort, wo sie sich jetzt noch befindet, nicht mehr die Früchte trägt, welche ihre Anpflanzer von ihr erwarteten. Der Genius der Zeit hat sie auch ohnehin unbrauchbar gemacht. Jeder Catholik, der den geläuterten Prinzipien seiner Religion folgen wollte, wünschte schon längst die Aufhebung der Kloester, aber auch zugleich, dass die Einkünfte derselben, den Bedürfnissen der Zeit nach, auf eine wohlthaetige Art verwendet würden.” (zit. nach Klueting, 5. 67)

Gegenüber den weiblichen Klöstern nahm von Spiegel eine weniger radikale Haltung ein, das aber wohl eher aus Mitleid als aus Überzeugung. So wäre die Aufhebung der Nonnenklöster „drückend für die Individuen, da diese Personen, ohne alle Bekanntschaft mit der Welt, auch allen Gefahren der Verführung und Hinterlistung ausgesetzt würden. So menschenfeindlich an und für sich ihr Institut ist, so wenig - glaub‘ ich, um größern Unfug zu verhüten - darf man diese heiligen Kerker oeffnen und die Gefangenen los geben. Ich würde also für‘s Aussterben stimmen und die Klöster eines Ordens, wo es thunlich ist, zusammensetzen.” (ebenda S. 69)

Vor diesem Hintergrund konnte die Visitation des erzbischöflichen Commissars Neesen nicht nur die Überprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse bedeuten, sondern sie hatte, indem sie die Grundprinzipien des klösterlichen Lebens hinter fragte, existentielle Bedeutung für die Himmelpfortener Nonnen. Dessen schienen sich die Konventualinnen durchaus bewusst gewesen zu sein, geradezu trotzig antworten sie auf die Fragen des Commissars, versuchen ihr Leben nach den alt her gebrachten Regeln zu rechtfertigen und damit hinüberzuretten in die neue Zeit, wie sie der Visitator Neesen verkörperte. Sie werden kleinlich und ungerecht, wenn es darum geht, die Wilhelmine Iskenius, die ihnen diese unbequeme Visitation ja ‘aufgehalst‘ hat, als Sündenbock hinzustellen.

Nicht alles aus dem Visitationsprotokoll kann und soll hier zur Sprache gebracht werden; in diesem Zusam-menhang sei nochmals auf den umfangreichen Aufsatz Leidingers verwiesen, der auf Grundlage dieses Dokuments Geschichte und Verfassung Himmelpfortens nachzeichnet. Eine Übertragung des Protokolls ist in Druckschrift in der Gemeindeverwaltung Ense vorhanden. Etwas mehr als 210 Jahre ist dieses Dokument jetzt alt, die braune Tinte verblasst allmählich, aber beim Lesen entsteht eine lebendige Szenerie, vor der Commissar und Nonnen agieren und die nun nachgestellt werden soll.
Quelle: Archiv der Gemeinde Ense
(veröffentlicht: Ausgabe 94/2003)
ense-press by haase-druck
Peter Haase
Rauschenberg 82
59469 Ense-Bremen
Tel.: +49 2938 573
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die aktuelle Ausgabe, Heft 148:
23.03.2017
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Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
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Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
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Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
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Von Hexen und Ketzern
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Ehemaliges Totenläuten vom Niederenser Spritzenhaus
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Farmhouse Soerries-Schulte 200 years
25 jähr. Partnerschaften mit Ense
Klosteranl. Himmelpforten bis 1943
Ense im Mittelalter
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Hellmichs 167 Jahre Küster
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Gut Oevinghausen Teil 1
B.Soerries 1883 emigriert
B.Soerries emigrates 1883
Forsthaus Himmelpforten
Tante Emma Laden
Bericht aus 1813
Bauernhaus an der Haar
Badehaus Fürstenberg
Drüggelter Kapelle
90 Jahre Möhnetalsperre
Rittergut Oevinghausen
Kunst St. Bernhardus
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Heiligenhäuschen Gröchte
"Zum Redde" - Bremen
Vorstenburg, Ense
Emmausgang 1939
Korndiemen an der Haar
Mähdrescher und mehr ...
Berühmte Pfarrer Bremen
Schlacht bei Bremen
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Kurfürstl. Kolonen 2, Günne
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