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Visitationsprotokolle von 1790 über eine entscheidende Episode
Teil 3, wie der erzbischöfliche Commissar Neesen versuchte, die verkrusteten und überkommenen Strukturen des Klosters aufzudecken.
Am Mittwochabend, dem 10. März 1790, muss es im Convent wohl der alten Ordnung halber zu der Absprache gekommen sein, das lateinische Brevier beizubehalten, denn am Donnerstag erschien erneut Magdalena Nierhof vor dem Commissar Neesen, um ihre am Vortag gemachte Äußerung, sie befürworte die Einführung des deutschen Breviers, zu widerrufen. Die erste an diesem Tag befragte Konventualin, Josepha Holtgrewe, lehnte von vornherein das deutsche Brevier ab. Und Ludgardis Huntum, ebenfalls am Donnerstag befragt, fasste den aktualisierten Standpunkt der Himmelpfortener Nonnen zusammen:

Sie hätte „mehr Andacht und Nutzen beim Latein beten, weil Gott der Herr dieses verstehe, sie wolle absolut ferner Latein beten, weil so gebräuchlich, sie auch den alten Gebrauch beibehalten wolle, auch weil sie sich bey Tag und Nacht hätte Mühe geben müssen, lateinisch lesen zu lernen”.

Ohne Umschweife gab sie zu, daß man sich untereinander vereinbart habe, das lateinische Brevier beizubehalten, worauf es dann Neesen bei den darauffolgenden Befragungen unterließ, noch einmal danach zu fragen. Außerdem erschienen schließlich noch Christina Brockhof und Bernardina Nierhof, um ebenfalls ihre Aussagen hinsichtlich der Einführung eines deutschen Breviers zu widerrufen.

Die einzige, die vorbehaltlos und ohne Widerruf dem deutschen Brevier den Vorzug gab, war Wilhelmina Iskenius. Dies geschah wohl weniger aus Oppositionsgeist ihren Mitschwestern gegenüber, sondern eher, weil sie als angebliche Urheberin der Visitation mittlerweile von den anderen vollkommen isoliert wurde und deshalb auch nicht von der getroffenen Absprache in Kenntnis gesetzt worden war.
  Das Gutshaus Himmelpforten (zur Klosterzeit die Abtei) wurde in den Jahren 1697 bis 1699 erbaut. Bild: aus „Niederense-Himmelpforten
und das Kirchspiel Bilme in alten Bildern”, Herausgeber in 1994: Verein für Geschichte und Heimatpflege Niederense-Himmelpforten e. V.
So wie die Nonnen während ihrer Befragung alles daran setzten, Wilhelmina Iskenius als Sündenbock darzustellen und sie verantwortlich zu machen für jene atmosphärischen Störungen, die sie als das Hauptproblem des Klosters erachteten, so schien auch Neesen weniger an der Person der Iskenius gelegen als an der Möglichkeit, sie als Köder zu benutzen, um die Konventualinnen dazu zu bringen, ihm die Unzulänglichkeiten des Klosters zu offenbaren. Dabei verfuhr er taktisch geschickter als die Nonnen, deren Realitätssinn durch das weltfremde Klosterleben wenn nicht verkümmert, so doch verzerrt zu sein schien. Ihm musste es darum gehen, ganz im Sinne seines reformfreudigen erzbischöflichen Herrn, die verkrusteten und überkommenen Strukturen des Klosters aufzudecken, die ihren sichtbarsten Ausdruck in den wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatten. Neesen wägte mit seinen scheinbar belanglosen Fragen, die eher auf ihr persönliches Wohlergehen als auf die Beschaffenheit der klösterlichen Verfassung abzielten, die Nonnen in Sicherheit. Er erkundigte sich nach der Qualität des Fleisches, das zum Mittagessen gereicht wurde und das wegen seiner Zähigkeit für die Nonnen ein steter Anlass zur Beschwerde war. Er fragte nach Wein- und Branntweinportionen und nach der Beschaffenheit der Mahlzeiten. Er wollte wissen, welche disziplinarischen Maßnahmen im Kloster getroffen wurden, und erhielt detailliert Auskunft über den angewandten Strafkatalog. Gerade in diesem Zusammenhang zeigte sich dann deutlich, in welch hohem Maße noch die bedingungslose Unterordnung gegenüber den Ranghöheren und die Unterwerfung unter die klösterliche Disziplin das Leben der Konventualinnen bestimmte. Die „Poenitenzen” reichten vom Ausschluss von den gemeinsamen Mahlzeiten, die die Delinquentin dann „mit der Katze” einzunehmen hatte, bis hin zur Prügelstrafe. Bestraft wurden schon kleinste Vergehen gegen die klösterliche Ordnung, am häufigsten jedoch der Verstoß gegen das Silentium, ein Indiz dafür, wie drückend das auferlegte Schweigen von den meisten Nonnen empfunden werden musste. Von einer einmal auferlegten Strafe wurde nicht mehr abgesehen, die zu Bestrafende konnte sich zwar in „Demut” zu ihrem „Vergehen” äußern, am Strafmaß aber nichts bewirken.

Neben diesen autoritären disziplinarischen Verfahrensweisen galt Neesens Augenmerk noch einer anderen alt her gebrachten Einrichtung des Klosters, nämlich der des Nachtoffiziums. Waren ursprünglich gemäß den zisterziensischen Regeln zu diesem nächtlichen Gebet zwischen 1.00 Uhr und 3.00 Uhr nachts alle Konventualinnen verpflichtet gewesen, so war es mit der Zeit gebräuchlich geworden, dass nur etwa 4 bis 6 Schwestern, die am Abend davor von der Oberin bestimmt wurden, daran teilnahmen.

Das Nachtgebet fiel allen Schwestern schwer, wie sie gegenüber Neesen bekannten. Schlafstörungen waren die Folge der nächtlichen Andacht und Erkältungskrankheiten, weil man das warme Bett verlassen musste, um sich in die kalte Kirche zu begeben. In vielen Klöstern war man deshalb dazu übergegangen, das Nachtgebet in die frühen Morgenstunden zu verlegen, in Himmelpforten aber wollte man auch in diesem Fall die alte Ordnung beibehalten. In engem kausalen Zusammenhang mit dieser nächtlichen Tortur stand übrigens der hohe Branntweinkonsum der Konventualinnen, den Neesen mokierte. Branntwein galt als probate Medizin gegen fast alle Formen der Unpässlichkeit und wurde vom Klosterarzt großzügig verschrieben. (Leidinger, S. 308)

Das widersinnige Bestehen darauf, das lateinische Brevier nutzen zu wollen, das mittelalterlich anmutende Disziplinarwesen und die Beibehaltung des Nachtchors, der von fast allen nur noch als Last empfunden wurde, das alles konnte Neesen nur in seiner Auffassung bestärken, es in Himmelpforten mit einer überkommenen Lebensform zu tun zu haben. Das mochten auch die Konventualinnen verspürt haben, denn je mehr sie sich und ihr Selbstverständnis durch den Visitator hinterfragt sahen, desto heftiger war ihr Beharren auf der alt her gebrachten Ordnung, was sich schließlich in einer gemeinsamen Stellungnahme von Äbtissin und Konvent manifestierte.

Am Montag, dem 15. März 1790, ließ die Äbtissin Clementina Todt den gesamten Konvent zusammenrufen, und gemeinsam appellierten sie an Neesen, keine Änderung anzuordnen, weder im Hinblick auf ihren Gottesdienst noch auf ihre disziplinarische oder ökonomische Verfassung. Sie versuchten sogar in völliger Verkennung der Tatsachen, Neesen unter Druck zu setzen, indem sie ihm ‘androhten‘, sich persönlich und unmittelbar an den Kurfürsten zu wenden, falls es zu Eingriffen in ihre Verfassung komme.

In diesem Zusammenhang ist auch der geradezu lächerlich anmutende Versuch zu sehen, Neesen moralisch zu diskreditieren, um auf diese Weise das Ergebnis der Visitation in Frage zu stellen. Neesen und seine Commission waren im Krankenhaus des Klosters, unmittelbar neben dem Dormitorium, einquartiert worden, weil das Gästehaus nicht beheizbar war. Dass die Männer so nah neben den Schlafräumen der Nonnen untergebracht waren, hatte zu Gerede sowohl innerhalb als auch außerhalb des Klosters geführt. Neesen, dem die Gerüchte zu Ohren gekommen waren, war darüber sehr aufgebracht und beorderte die Äbtissin zu sich, um über die Vorgänge Rechenschaft abzulegen. Er hielt ihr vor, dass sie ihm selbst vorgeschlagen habe, im Krankenrevier Quartier zu nehmen und dass auf ihre Veranlassung hin sogar die Verbindungstür zwischen Dormitorium und Krankenhaus verriegelt worden sei. Die Äbtissin bestätigte das, sie und der ebenfalls anwesende Probst beteuerten, dass das Gerede nicht im Kloster entstanden sei, und dass es sich dabei um Lügen handelte. Diese Episode verdeutlicht noch einmal, wie sehr von Seiten des Klosters die Visitation als Einmischung gegen die eigenen Belange empfunden wurde, gegen die man sich mit Händen und Füßen wehrte. Das hatte auch die Wilhelmina Iskenius verspüren müssen, die ja mit ihrem Beschwerdebrief den Stein ins Rollen gebracht hatte. Jetzt war sie zum Spielball im Konflikt zwischen Kloster und Commission geworden, zum Sündenbock gemacht von der einen Seite, als Mittel zum Zweck missbraucht von der anderen, um die Verfassung des Klosters auszuhebeln.
Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe-Nr. 97
(veröffentlicht: Ausgabe 96/2004)
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