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Visitationsprotokolle von 1790 über eine entscheidende Episode
Teil 4, über die Konventualin Wilhelmina Iskenius und wer sie war.
In diesem Zusammenhang ist auch der geradezu lächerlich anmutende Versuch zu sehen, Neesen moralisch zu diskreditieren, um auf diese Weise das Ergebnis der Visitation in Frage zu stellen. Neesen und seine Commission waren im Krankenhaus des Klosters, unmittelbar neben dem Dormitorium, einquartiert worden, weil das Gästehaus nicht beheizbar war. Dass die Männer so nah neben den Schlafräumen der Nonnen untergebracht waren, hatte zu Gerede sowohl innerhalb als auch außerhalb des Klosters geführt. Neesen, dem die Gerüchte zu Ohren gekommen waren, war darüber sehr aufgebracht und beorderte die Äbtissin zu sich, um über die Vorgänge Rechenschaft abzulegen. Er hielt ihr vor, dass sie ihm selbst vorgeschlagen habe, im Krankenrevier Quartier zu nehmen und dass auf ihre Veranlassung hin sogar die Verbindungstür zwischen Dormitorium und Krankenhaus verriegelt worden sei. Die Äbtissin bestätigte das, sie und der ebenfalls anwesende Probst beteuerten, dass das Gerede nicht im Kloster entstanden sei, und dass es sich dabei um Lügen handelte. Diese Episode verdeutlicht noch einmal, wie sehr von Seiten des Klosters die Visitation als Einmischung gegen die eigenen Belange empfunden wurde, gegen die man sich mit Händen und Füßen wehrte. Das hatte auch die Wilhelmina Iskenius verspüren müssen, die ja mit ihrem Beschwerdebrief den Stein ins Rollen gebracht hatte. Jetzt war sie zum Spielball im Konflikt zwischen Kloster und Commission geworden, zum Sündenbock gemacht von der einen Seite, als Mittel zum Zweck missbraucht von der anderen, um die Verfassung des Klosters auszuhebeln.

Wer aber war die Jungfer Iskenius, die sich heimlich in einem Brief an den Erzbischof wandte, mit der Bitte, ihre drückenden Umstände abzuändern? (zit. n. Leidinger 5. 289) 1748 als Tochter des Werler Bürgermeisters geboren, war ihr Werdegang typisch für eine Vielzahl von Frauen des gehobenen Bürgertums, für deren Familien die Klöster gern als Versorgungsinstitute für die Töchter begriffen wurden, gab es doch im 18. Jh. für Frauen hinsichtlich ihrer Lebensgestaltung kaum Alternativen zwischen Ehe oder Klosterleben. Die Töchter wurden meist noch vor oder spätestens in der Pubertät ins Kloster gegeben, verblieben dort zunächst als Schülerinnen, später als Novizinnen und legten dann Profess ab. Auch Wilhelmina Iskenius war l4jährig 1761 als Schulkind nach Himmelpforten gekommen und dort ein Jahr später eingekleidet worden. Als Sechzehnjährige legte sie 1762 Profess ab. Von der Herkunft und der Familientradition schien es der Iskenius vorherbestimmt zu sein, im Kloster ‘Karriere‘ zu machen, stammte doch ihre Mutter Anna Maria Schmittmann aus einer kölnischen Beamtenfamilie, die seit dem 17.Jh. eine Vielzahl ihrer Töchter in Himmelpforten untergebracht hatte. (Leidinger 291) Und auch die Tatsache, dass ihre Familie väterlicherseits zu den Altein- gesessenen in Werl gehörte, ließ einen schnellen Aufstieg der Iskenius in der Klosterhierarchie erwarten, galt doch Himmelpforten lange Zeit als „Werlisches Kloster”, weil die Werler Erbsälzerfamilien seit dem Beginn des 17. Jh. nicht nur die meisten Äbtissinnen, sondern auch die meisten Konventualinnen stellten. Dies änderte sich dann in der zweiten Hälfte des l8.Jh., als zunehmend landfremde und aus dem mittleren Bürgertum stammende Konventualinnen Aufnahme in Himmelpforten fanden. (Leidinger 303) Dieser Sachverhalt traf genau auf die Äbtissin Todt zu, die aus dem paderbornischen Salzkotten gebürtig war und aus einer Kaufmannsfamilie stammte. Und ihr gegenüber hatte die Iskenius doch auch ihre scheinbar bessere Herkunft hervorgehoben, worüber die Äbtissin sich dann bei Neesen beklagt hatte. 1790 aber, 27 Jahre nach ihrer Profess, war die Iskenius die einzige unter den Konventualinnen, die kein Amt bekleidete, sieht man von Theodora Wüstenberg, die erst ein Jahr zuvor Profess abgelegt hatte und der Novizin Clementina Vasbach einmal ab. Zwar war sie 1767 zur Schulmeisterin ernannt worden und 1779 zur Sängerin, aber beide Ämter gab sie wieder auf, was einen Hinweis auf ihre allgemeine Unzufriedenheit geben mag. Diese Unzufriedenheit mochte zum einen daher herrühren, dass sich ihr klösterlicher Lebensstandard dadurch zum schlechten gewendet hatte, dass ihr Vater 1773 verstarb und seine vielköpfige Familie unversorgt zurückließ. Deshalb konnte dann auch der mit dem Kloster vereinbarte Spielpfennig von 5 Rth. nicht mehr gezahlt werden, so dass die Iskenius allein auf die Zuwendungen des Klosters angewiesen blieb. Dabei nahm sie dann innerhalb des Konvents eine Sonderstellung ein, denn außer ihr war nur noch die Kellnerin Thekla Offermanns ohne Spielpfennig, die aber immerhin über ihre Einkünfte aus dem Kellneramt verfügen konnte. So ist anzunehmen, dass ein Teil ihrer Unzufriedenheit aus ihrer totalen Abhängigkeit vom Kloster resultierte, was ihrem Stolz zuwiderlief. Annehmlichkeiten wie Kaffee zum Frühstück, Extraportionen Wein oder Driburger Heilwasser, die die anderen von ihrem Spielpfennig bestritten, konnte sie nicht ohne weiteres in Anspruch nehmen. Genau darüber beklagte sie sich während der Visitation auch bei Neesen. Die Äbtissin gebe ihr zuweilen etwas Kaffee, sie müsse aber dafür in ihrer freien Zeit arbeiten. Empfand die Iskenius diesen Zustand als demütigend, so schürte er andererseits den Sozialneid bei den übrigen Konventualinnen, wie Isabella Brockhof gegenüber Neesen andeutete. Es habe die Gemeinde verdrossen, dass die Iskenius alles vom Kloster bekäme, weil sie keinen Spielpfennig habe. Und dass ausgerechnet sie, die vom Kloster Vergünstigungen bekam, für die Visitation verantwortlich sein sollte, diskreditierte sie in den Augen ihrer Mitschwestern endgültig.
  Ihre schlechte finanzielle Ausstattung, die sie den anderen Nonnen gegenüber benachteiligte, mochte vielleicht viel zu ihrer isolierten Position beigetragen haben, aber ausschlaggebend dafür war sicherlich ihre nicht einfache Persönlichkeit, die viel zu viele Kanten und Haken aufwies, als dass sie sich widerspruchslos in die klösterliche hierarchische Gemeinschaft integrieren ließ. In den Aussagen der Konventualinnen wurde sie als „unruhige” Person charakterisiert, und die ihr gemachten Vorwürfe verstärken den Eindruck, dass der Iskenius auch nach langen Jahren im Kloster die geforderte Unterordnung und Disziplin schwer fiel. Mehrmals war sie dadurch aufgefallen, dass sie die Autorität von Äbtissin und Priorin hinterfragte. So hatte sie etwa auf einen abendlichen Kontrollgang der Priorin in den Zellen der Konventualinnen mit einem Gegenbesuch bei der Priorin reagiert, wie diese empört Neesen mitteilte. Und ein anderes Mal hatte sie der Priorin während der Einteilung der Konventualinnen für die Nachtandacht den aufmüpfigen Ratschlag erteilt, die Priorin täte besser daran, ebenfalls an der „Mette” teilzunehmen.

Man kann vermuten, dass ihre Opposition aus jenem Widerspruch erwuchs, der sich für sie zwischen persönlichen Anspruch und dem, was sie über Jahre als Wirklichkeit des klösterlichen Lebens erfuhr, ergab. Zwar betonte sie in ihrem Schreiben an den Fürstbischof, dass sie aus innerer Überzeugung in das Kloster eingetreten sei, (Leidinger, 290), aber ihr Verhalten spricht eher dafür, dass sie von großen Zweifeln, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hat, geplagt wurde.

Fortsetzung in Ausgabe 98
(veröffentlicht: Ausgabe 97/2004)
ense-press by haase-druck
Peter Haase
Rauschenberg 82
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23.07.2017
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Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
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1586 die Schlacht bei Bremen
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