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Über die Kapellenglocke von St. Anna und die Tradition des Totenläutens in Niederense
weiße Linie 460
von Alois Franz, Ense-Niederense











Über 110 Jahre läutete morgens, mittags und abends die kleine Glocke am Niederenser Spritzenhaus auf dem „Kirchhof“, dem heutigen Berkenkopfplatz, wenn im Dorf jemand gestorben war. Ab 1871 ist das Glöckchen der alten St. Anna Kapelle hier als Gemeindeglocke verwendet worden.
 
Die Niederenser St. Anna Kapelle von 1778/87 war die letzte in einer Bauphase zwischen dem Ende des 17. und 18. Jahrhunderts, als rund um die kath. Pfarrkirche St. Lambertus im Kirchspiel Bremen die Gläubigen Kapellenneubauten vorwiegend in Eigenregie errichteten. Es waren sichtbare Zeichen aktiver Frömmigkeit. Es waren aber auch soziale Aspekte, welche die Bevölkerung motivierten, die religiöse Praxis im eigenen Dorf ausüben zu können.
So entstanden die Kapellen St. Maria 1669/93 in Waltringen, St. Rochus 1729 in Oberense und St. Josef 1750 in Höingen. Nicht zu dieser Epoche gehören die Kapellenbauten, die in Regie einzelner Familien entstanden. Sie hatten eher privaten Charakter, wie z. B. die Urbanus Kapelle in Bilme (Ersterwähnung 1229), die Kapelle St. Philippus und Jacobus auf dem Fürstenberg (im Stil des Barocks 1665 wieder errichtet), die bäuerliche Kapelle St. Laurentius, Luzia und Hubertus auf Gut Radberg (1744) sowie die adelige Kapelle St. Michael im Haus Füchten (1724).
Die erste Niederenser Kapelle zu Ehren der heiligen
 
Anna stand in der Dorfmitte am „Kirchhof“ (heute Berkenkopfplatz) unweit des Gemeindehauses, das zurzeit als Feuerwehrgerätehaus genutzt wird. Das kleine Gotteshaus St. Anna bekam erst ein Jahr nach der Benediktion (Einweihung) sein Glöckchen, welches der Guardian vom Kapuziner Kloster Werl am 21. November 1788 im Auftrag des Kölner Erzbischofs weihte. Die kleine Glocke hat fortan zum Gottesdienst, zum Engel des Herrn, zur Totenpause und bei Feueralarm geläutet. Diesen Dienst versah das Glöckchen über 80 Jahre bis die Kapelle wegen Baufälligkeit mit Genehmigung des Paderborner Generalvikariats 1870 auf Abbruch für 40 Thaler verkauft wurde. Der Abriss geschah im März 1871, nachdem das Inventar mitsamt dem Altar in der Filialkirche Himmelpforten (ehem. Klosterkirche) untergebracht worden war. Die kleine Kapellenglocke verblieb dagegen in der Dorfmitte und erhielt unter dem Schutzdach des benachbarten Gemeindehauses (Bauhof und Spritzenhaus) zum Zweck der weiteren Nutzung als Gemeindeglocke einen neuen Platz.
 
  Wie die Geschichte dieser Gemeindeglocke eigentlich weiter verläuft, ist unklar. In der neuen St. Anna Kapelle „Auf der Veva“ (heute Bernhardusplatz) kam sie nicht zum Einsatz. Die Kapelle bekam eine neue, die von den „Eingesessenen zu Niederense“ angeschafft war (Brief des Generalvikariats vom 24. August 1889 an den Bremer Pfarrer Wilhelm Grümer). Das neue Glöckchen weihte der Landdechant Mönnig von Westönnen am 5. September 1889.

Unter einem Schutzdach am Schlauchturm des ehemaligen Spritzenhauses befand sich zuletzt eine Stahlglocke, die der Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation im Jahr 1900 gegossen hat. Heute ist der hölzerne Glockenstuhl im Dachreiter der St. Anna Kapelle aus Gründen der Statik leer und als Zeitzeugin berichtete Sieglinde Hubfeld (ab 1977 im Presbyterium), dass dieser Leerstand schon seit etwa 1949 bestand.

Bis zur Einweihung der neuen Niederenser Pfarrkirche St. Bernhard Ostern 1949 hat die Gemeindeglocke am Bauhof und Feuerwehrhaus dreimal täglich zum Engel des Herrn, bei Feueralarm und zur Totenpause geläutet. Die Tradition des Totenläutens blieb der Stahlglocke bis zu ihrer Abnahme im Jahr 1981 erhalten. Starb jemand im Dorf Niederense, „kleppte“ (Mundart für Läuten einer kleinen Glocke) ungeachtet der Religionszugehörigkeit morgens 6:50 Uhr, mittags 11:50 Uhr und abends 18:50 Uhr die Gemeindeglocke. Letzte Glöcknerin war Auguste Schiermeister (*1908, †1986). Sie hatte diese Ehrenaufgabe von 1943 bis 1955 im Wechsel mit Josefine Schulte (*1908, †2008) übernommen und bis 1981 allein ausgeübt.
In einem Zeitungsinterview vom 20. August 1976 sagte Auguste Schiermeister: „Ich läute nur noch zu einem Sterbefall. Bei einem Kind wird die Glocke vor dem Läuten einmal angeschlagen, bei einer Frau zweimal und bei einem Mann dreimal.“ Beide Frauen sind am 1. April 1986 für besondere Verdienste um die Gemeinde Ense vom Bürgermeister Clemens Tillmann und Gemeindedirektor Wolfgang Fahle mit einer Urkundennachbildung der „Ritter von Ense“ aus dem Jahr 1298 geehrt worden.
Bei der kompletten Umgestaltung des Gebäudes 1981 durch den Architekten Bernhard Lutter zum Feuerwehrgerätehaus der Löschgruppe Niederense ist die Stahlglocke abgenommen worden. Sie befand sich kurze Zeit in der Sakristei der Pfarrkirche St. Bernhard und ist heute im Niederenser Heimatmuseum zu besichtigen. Die Aufgaben haben die Glocken der Pfarrkirche St. Bernhard übernommen und bei Feueralarm ertönt die Katastrophensirene oberhalb des Dorfes in der Nähe der Kreuzung Bahnhofstraße / Haarweg.

Doch eine Aufgabe ist der Gemeindeglocke geblieben: Sie läutet zum Gedenken an die Möhnekatastrophe im Kriegsjahr 1943 jährlich zum 17. Mai am Mahnmal Klosterkirche Himmelpforten. Vom Heimatverein Niederense wird die Glocke zu diesem Gedenktag dort hin gebracht. Hier wird sie um 22.00 Uhr geläutet und ruft zum ökumenischen Nachtgebet ins Möhnetal und sonntags darauf um 10.00 Uhr zum Gottesdienst. Fällt der 17. Mai auf einen Sonntag wird das Nachtgebet auf den Freitag vorverlegt.


Quellen: „Glocken und Läuten in Ense“ von Gerhard Best und Theo Halekotte, Herausgeber: Heimatverein Bremen 12/1986, Seiten 61, 64, 73 sowie 78 und „Vom Kirchspiel Bremen zur Großgemeinde Ense“ von Bärbel Cöppicus-Wex, Herausgeber: Gemeinde Ense 12/2008, Seiten 8, 11, 60, 70 sowie 71.


Veröffentlicht in der Osterausgabe-Nr.: 116 am 3. April 2009 auf den Seiten 8 und 9 am 3. April 2009
ense-press by haase-druck
Peter Haase
Rauschenberg 82
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