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Kutsche bei goldener Hochzeit 1948 in Niederense verunglückt
Kutsche bei der goldener Hochzeit der Familie Langesberg 1948 in Niederense verunglückt
nach einer Erzählung von Lisel Layendecker, geb. Nierhoff
Es gibt den Bibelspruch: »Ein Mann soll ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und einen Sohn zeugen«. Dieses Zitat hat der Niederenser Bernhard Langesberg (*8.12.1867) vor mehr als 110 Jahren wohl sehr ernst genommen: Als er nämlich das Wohnhaus Nr. 76, heute Bruchstraße 5, im Jahr 1898 fertiggestellt hatte, heiratete er am 24. November 1898 Maria Wilmes (*20.03.1876) aus dem Nachbardorf Günne-Brüningsen. Zuvor hatte sie bereits tatkräftig bei der Errichtung des Hauses mitgewirkt und alle Anstreicherarbeiten erledigt. Ihr gemeinsamer Sohn Adolf erblickte am 18. Dezember 1899 das Licht der Welt.

Nach ereignisreichen 50 Ehejahren gab es zur Erinnerung an die Goldhochzeit unter einem Obstbaum im eigenen Garten 1948 ein Erinnerungsfoto. Ob nun dieser Baum am eigentlichen Hochzeitstag 1898 auch gepflanzt worden ist, kann heute leider niemand mehr sagen.

Bernhard Langesberg und seine Frau Maria gehörten zum Urgestein von Niederense.
Bernhard war bis zur Heirat Knecht auf dem Schultenhof beim unverheiratet gebliebenen Besitzer Heinrich Sörries (*1857 in Niederense) und später Streckenwärter bei der 1898 gebauten Ruhr-Lippe-Eisenbahn (RLE). Die Kleinbahn verband bis zur Einstellung des Fahrbetriebs 1954 Niederense mit Neheim sowie mit Werl, Hamm und Soest.
Maria Langesberg war in der Zeit von 1905 bis 1948 als Bezirkshebamme für Bilme, Bittingen, Höingen, Niederense, Oberense und Volbringen tätig. Ihre Ausbildung hatte sie 1904 an einem Institut des kath. Generalvikariats in Paderborn nach zehn Monaten mit gutem Erfolg abgeschlossen.
Trotz der vielen Aufgaben und Verpflichtungen als Hausfrau, Mutter und Hebamme schenkte sie in 20 Jahren sieben Söhnen und vier Töchtern das Leben. Von den elf Kindern lebten zur goldenen Hochzeit am 24. November 1948 noch sechs, wobei sich Sohn Bernhard zu diesem Zeitpunkt in russischer Kriegsgefangenschaft befand.
Die goldene Hochzeit ist wohl einer der feierlichsten Momente im Leben eines Paares. 50 Jahre Ehe stehen für ein gemeinsames Leben voller Höhen und Tiefen, Freud und Leid, für die Bereitschaft zu teilen, Kompromisse zu schließen und aufeinander zu zugehen. Bernhard und Maria Langesberg lebten in der Zeit von zwei Weltkriegen (1914-18 sowie 1939-45) und überstanden zwei Geldentwertungen (1923 und 1948). Sie erlebten rasante Entwicklungen der Technik, die u. a. in der Luftfahrt vom Zepelin über moderne Düsenjets bis hin ins Zeitalter der Raumfahrt führten.
Die Familie hatte dem goldenen Jubelpaar kurz nach der Währungsreform an ihrem Ehrentag am 24. November 1948 ein außergewöhnliches Geschenk auserkoren: Sie durften, wie zum eigentlichen Hochzeitstag, morgens mit der Kutsche zur Kirche fahren. Die ehemalige Klosterkirche Himmelpforten, in der sie sich das Ja-Wort gegeben hatten, gab es nicht mehr. Sie ist durch Kriegseinwirkungen im Mai 1943 zerstört worden. Also ging es mit dem Einspänner zur Ersatzkirche, zur St.-Anna-Kapelle ‹Auf der Veva› in deren unmittelbarer Nähe die neue kath. St. Bernhard Pfarrkirche (Ostern 1949 eingeweiht) fast fertiggestellt war. Zur Equipage gehörten die Kutsche vom Hof Söbbeler und das Fahrpferd vom Hof Sörries Schulte. Auf dem Kutschbock saß Sohn Fritz vom Landwirt Heinrich Sörries (*1892 in Fretter, ab 1921 in Niederense).
1. und 2. das Goldhochzeitspaar: Bernhard Langesberg, Niederense, gest. und Maria, geb. Wilmes, gest., 3. Theresia Nierhoff, geb., Langesberg, Fröndenberg, gest., 4. Elisabeth Wilmes, Niederense, gest., 5. Elisabeth Holin, geb. Langesberg, Niederense, gest., 6. Paul Langesberg, Sen., Niederense, gest., 7. Maria Heimann, geb. Plattfaut, Mawicke, 8. Maria Peters, geb. Langesberg, Hüsten, gest., 9. Heinrich Nierhoff, Fröndenberg, gest., 10. Toni Rademacher, geb. Langesberg, Niederense, 11. Anton Peters, Hüsten, gest., 12. Margaret Runge, geb. Nierhoff, Fröndenberg, gest., 13. Resi Mackowski, geb. Nierhoff, Fröndenberg, 14. Ilse Bittis, geb., Holin, Günne, 15. Brunhilde Schulte, geb. Holin, Oberense, 16. Gisela Schulte, geb. Holin, Westönnen, 17. Wilhelm Holin, Niederense, gest., 18. Lisel Layendecker, geb. Nierhoff, Treis-Karden, 19. Paul Holin, Niederense, 20 Adolf Nierhoff, Adenau, gest., 21. Paul Langesberg, jun., Niederense, 22. Maria Theis, geb. Holin, Neheim, 23. Ursula Dülberg, geb. Langesberg, Gerlingen, 24. Mechtild Krengel, geb. Langesberg, Niederense, 25. Inge Vielhaber, geb. Peters, Hüsten, 26. Marieta Schreder, geb. Peters, Hüsten, 27. Theo Plattfaut, Westönnen
Die Sonne schien und es war ein angenehmer warmer Novembertag. Nachdem das Eheversprechen mit kirchlichem Segen erneuert worden war, hatte das Goldpaar einen zusätzlichen Wunsch: »Zuerst fahren alle Enkelkinder mit der Kutsche nach Hause und dann die Erwachsenen.« Kaum gesagt saßen alle zehn Kinder im Kutschwagen.
Die Älteren hatten die kleineren auf dem Schoß und der Kutscher ließ die Peitsche fröhliche knallen, das Pferd trabte an und im leichten Galopp ging`s vergnüglich zum elterlichen Haus. Dort angekommen ließ Fritz Sörries das Pferd mit der Kutsche eine Kehrtwende machen. Doch, oh Schreck, geriet das rechte Vorderrad auf weichem Untergrund in den
Seitengraben der Straße. Die Kutsche kippte und mit ihr alle Insassen. Kutscher und Kinder lagen plötzlich kopfüber im Straßengraben.

Durch den Umsturz brach der Zapfen des Drehkranzes. Das Pferd erhielt einen gehörigen Hieb mit der Deichsel. Angstscheu machte es einen Satz nach vorn und raste in einer Panikattacke mit komplettem Geschirr und anhängenden Vorderrädern quer durchs Dorf heimwärts über die Post- und Bahnhofstraße an der St. Anna Kapelle und an der hier wartenden Festgesellschaft vorbei. Auf dem Hof Sörries Schulte lief das Pferd noch unkontrollierte Angstrunden um das alte Backhaus, bis es schließlich vorm Stallgebäude schweißnass stehen blieb.
  Unterwegs und beim Einbiegen von der Bahnhofstraße auf das Hofgelände hatte das Gespann mit den hin und her schleudernden Rädern Milchkannenrampen umgerissen. Abgesehen von einigen Blessuren an den Hinterbeinen des Pferdes waren Gott sei Dank keine größeren Schäden zu beklagen.
Das Entsetzen der wartenden Festgesellschaft war groß: »Ein Unglück, ein Unglück muss passiert sein!« Mit einem gehörigen Schreck in den Gliedern eilte das Jubelpaar und seine Gäste so schnell es ging nach Hause: »Da ist etwas Schlimmes geschehen!«
Doch Glück im Unglück: Nur Vetter Friedel von der Familie Plattfaut aus Westönnen war etwas mehr verletzt als die anderen. Er hatte tiefe Prellungen und Schürfungen, die seine Tante Sofia Langesberg, geb. Daum, im Rahmen der Ersten Hilfe verarzten konnte. Seine Mutter Hedwig Antonia Plattfaut war der Familienfeier fern geblieben. Sie lag mit Tochter Cilli im Wochenbett.
Auch Cousine Lisel von der Familie Nierhoff aus Fröndenberg klagte zwar nicht über Verletzungen, sondern über ihre ramponierte Kleidung. Das gegen ein Paar Schuhe erst kürzlich getauschte schöne Festtagskleid war hin. Auch die geliehenen Seidenstrümpfe hatten nicht mehr zu reparierende Schäden ab bekommen. Für eine junge Dame im Alter von 18 Jahren war das schon eine kleine Katastrophe, zumal sie in der erbärmlichen Nachkriegszeit nur über eine bescheidene Garderobe verfügte.
So gut es ging wurde den Kindern die Kleidungsstücke gereinigt, und nachdem man sich vom Schrecken erholt hatte, ging die Feier fröhlich weiter. Alle freuten sich, dass das Unglück so glimpflich verlaufen war.
Maria Langesberg erhält am 27. März 1957 vom Landrat Karl Blume das Bundesverdienstkreuz. Sie war von 1905 bis 1948 Bezirkshebamme: Bilme, Bittingen, Höingen, Niederense, Oberense, Volbringen.
Nachmittags gratulierten Landrat Erwin Kegel vom Kreis Soest (1948 - 1950) und der erste Bürgermeister von Niederense Theodor Heimann (1945 - 1965). Schriftlich kamen zwei Tage später sogar Segensgrüße aus Paderborn vom Erzbischof Lorenz Jäger.
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Weit über die Grenzen von Niederense war der Sohn der Familie Langesberg Paul Heinrich (*29.12.1905, †28.11.1989) als sehr guter Schuhmachermeister bekannt, der bis ins hohe Alter hinein sein Handwerk ausübte. Das Geschäft übernahm 1970 sein Sohn Paul.
Noch heute, obwohl auch schon im Rentenalter, repariert er jedes Schuhwerk. Die Schusterei Langesberg in der Niederenser Bruchstraße 5 hat schon seit über 80 Jahren für ihre Qualitätsarbeiten einen sehr guten Ruf und ist bekannt und beliebt zugleich.
Alois Franz, Niederense
Quellen: Privatarchiv Klaus Layendecker, Treis-Karden und Privatarchiv Paul Langesberg, Ense-Niederense sowie Heimatverein Niederense: Heimatzeitung 36/2009, Seite 40.

Veröffentlicht in der Sommerausgabe-Nr.: 117 am 26. Juni 2009, Seiten 8 und 9.
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