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Zum 100sten Todestag von Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar
Unsere historischer Bericht widmet sich heute einer Person, die vor mehr als 100 Jahren in unserer Gegend lebte und einen einzigartigen frommen Lebenswandel als »Ewiger Anbeter« führte. Eine solche Biografie ist in unserer heutigen Zeit unvorstellbar und sie war damals schon als Vorbild strittig und als unnachahmlich betrachtet worden. Gedächtnisstätten auf dem Friedhof in Ense-Bremen und dem Parkfriedhof in Werl erinnern an das außergewöhnliche Leben eines gottergebenen Gläubigen.
Kaspar Schwarze ist nach eigenen Angaben 1830 in Soest geboren und starb am 13. Mai 1911 nach dem Empfang der Sterbesakramente früh morgens im Werler Mariannenhospital einen Monat vor seinem 81. Geburtstag und wurde auf dem dortigen Parkfriedhof zunächst in schlichter Weise beigesetzt. Er war Sohn konfessionsverschiedener Eltern, erlernte das Schneiderhandwerk, nahm später Gelegenheitsarbeiten an, u. a. als Pferdeknecht beim Hofbesitzer Kaspar Schulte in Schlückingen auf der Haar. Musterungen zum Soldat stellten ihn 1851 zurück und 1853 schließlich vom Militärdienst frei, weil zu klein und deshalb untauglich. Anfangs behielt er sein Zimmer im elterlichen Haus.

Nach Abbruch des Elternhauses 1888 in Soest siedelte er nach Holtum ins Kirchspiel Büderich über. Hier lebte er still und zurückgezogen in einer Kammer als Untermieter bei Anna Katharina Rieke, genannt Annkatrin. Mied jeglichen Kontakt und wohnte extrem schlicht. So schlief er nur auf Stroh gebettet und hatte einen Ofen sowie einen Stuhl.

Den Namen »Betkaspar« erhielt er von gläubigen Mitmenschen, denn überall und zu jeder Zeit, die er für angebracht hielt, nutzte Kaspar Schwarze zu einem Gebet. So kniete er einfach nieder, egal wo er gerade war und versank in eine ehrfürchtige Selbstvergessenheit.

Sein unvergleichbares Opferleben begann 1857 nach der Einführung der Gottesdienstform der »Ewigen Anbetung« in der Paderborner Diozöse durch den Bekennerbischof Konrad Martin. Bischof Martin gab eine Ordnung heraus, die den geistlichen Impuls der Anbetung im Bistum von Tag zu Tag, von Dekanat zu Dekanat und von Kirche zu Kirche trug. Kaspar Schwarze schlief auf seiner Pilgerschaft zu diesen Kirchen dort, wo man ihm ein Ruheplätzchen anbot, und verpflegt wurde er bei wohlwollenden Menschen oder beim örtlichen Pfarrer.
 
Fast 40 Jahre hindurch besuchte Kaspar Schwarze jährlich etwa 150 Kirchen auf seiner Pilgerschaft durch das Erzbistum Paderborn, um jeweils an den »Ewigen Anbetungen« teilzunehmen und war so im ganzen Land von Paderborn bis Hamm und von Werl bis Siegen als der »Betkaspar« bekannt. Keine Witterung hielt ihn davon ab, seine Wege zu Fuß zu erwandern. Hierbei sang und betete er oft laut. An den Kirchen angekommen, begab er sich unverzüglich hinein und verweilte dort oft bis zum frühen Morgen im Gebet. So war er von etwa 1870 bis 1910 auch stets Besucher der »Ewigen Anbetung« in der St. Lambertus Pfarrkirche zu Bremen bei Werl und lernte so die hier amtierenden Pfarrer Wilhelm Grümer (1886-1899) und Franz Steinhoff (1899-1925) kennen. Doch erst ihr Nachfolger Pfarrer August Dinkloh (1925-1943) ließ ihm 1930 ein Denkmal aus alten Grabsteinen auf dem Bremer Friedhof errichten. Später kam ein Bildstock hinzu, den der Künstler und Bildhauer Josef Wäscher (*1919, † 1993) aus Werl geschaffen hat.

Schon bald nach seinem Tod im Mai 1911 wurde das Grab auf dem Werler Parkfriedhof zum Ziel vieler Pilger, die den Betkaspar noch von seinen Wanderungen zu den Orten der »Ewigen Anbetung« her in Erinnerung hatten. Sie nutzten die Marienwallfahrt, um auch Kaspar Schwarze zu gedenken. Durch zahlreiche Spenden dieser Wallfahrer bekam er ein Ehrengrab, in das man ihn am 5. Mai 1933 umgebettet hat. Diese Erinnerungsstätte ist, entsprechend der Pflege durch die Stadtverwaltung, noch heute im würdigen Zustand.
 
Das Vorhaben der Werler Franziskaner im dritten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts, Kaspar Schwarze, auch kirchliche Ehren zuteilwerden zu lassen scheiterte u. a. wohl auch am damaligen Zeitgeist der Nationalsozialisten. Ein einfacher Durchwanderer, auch wenn dieser ein frommes, gottergebenes Leben in Armut geführt hatte, war als »Seliger« der kath. Kirche allzu ungewöhnlich. Prominente vom hohen Rang verkannten damals den Betkaspar sogar als frommen, harmlosen Landstreicher. So nahm die Verehrung allmählich ab und das Gedenken geriet in Vergessenheit.

Heute ist das Denkmal des Betkaspars in Ense-Bremen, vorm Eingang des alten Friedhofs (Friedhofstraße), jedes Jahr die 1. Station der Fronleichnamsprozession der St. Lambertus Pfarrgemeinde, wie zuletzt am 23. Juni 2011.

bearbeitet: Alois Franz, Ense-Niederense

Quellen: Athanasius Bierbaum: Betkaspar. Franziskus-Druckerei, Werl 1927 und Betkaspar („der ewige Anbeter“); 2. Auflage. Franziskus-Druckerei, Werl 1933.

Gerhard Best: Neue Heiligenkulte in Westfalen. Coppenrath, Münster 1983 (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland. Heft 35)
.
Helmut Haase: Die Geschichte des Kirchspiels Bremen, 950 Jahre (Seite 191), Eigenverlag 6/2000.
 
Gedenkstätte Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar, am Eingang zum alten Friedhof in Ense-Bremen.

kleines Bild links: Bildstock, geschnitzte Darstellung des betenden Kaspar Schwarze vorm Altar, Innenwandtafel, Eiche, geschaffen 1937 vom Künstler und Bildhauer Josef Wäscher, Werl (*1919, †1993).
veröffentlicht im Heft 125 / Sommer 2011, Seiten 10 und 11
ense-press by haase-druck
Peter Haase
Rauschenberg 82
59469 Ense-Bremen
Tel.: +49 2938 573
E-Mail: info@ense-press.de

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