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Der Kurfürst und Erzbischof von Köln Ernst von Bayern stirbt 1612 im Schloss zu Arnsberg
von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense-Niederense
Als nachgeborener Sohn des Herzogs Albrecht V. von Bayern und seiner Gemahlin Anna von Österreich, einer Tochter des Kaisers Ferdinand I., war Ernst (*17.12.1554) früh für den geistlichen Stand vorgesehen, während sein älterer Bruder Herzog Wilhelm V. das Erbe in Bayern antrat. Ernst wurde von den Jesuiten in Ingolstadt, der wichtigsten Bildungsstätte des Katholizismus, an der die bedeutendsten katholischen Theologen in der Zeit unterrichteten, und auch in Rom ausgebildet.

Sein Vater bemühte sich um möglichst viele Pfründe für seinen Sohn, so wurde er bereits im Alter von 11 Jahren kurz vor Weihnachten 1565 Domherr in Köln, bereits ein Jahr später wurde er als 12-jähriger Bischof von Freising. Das durch die Reformation stark verkleinerte Bistum von Hildesheim erhielt er 1573, obwohl diese Art von Ämterhäufung dem Kirchenrecht widersprach. Um die erforderliche Weihe zum Subdiakon empfangen zu können, schickte sein Vater ihn 1574/1575 nach Rom. Es sollte die einzige kirchliche Weihe bleiben, die Ernst je erhalten hatte, er war nie zum Priester geweiht worden.

Bereits 1567 war Friedrich von Wied als Erzbischof von Köln zurückgetreten, weil er das nach dem Konzil von Trient erforderliche Glaubensbekenntnis nicht leisten wollte. Im Wettbewerb um die Nachfolge war Ernst als 13-jähriger nicht offiziell angetreten, denn die Kandidatur erschien nicht nur wegen der Jugend des Bewerbers aussichtslos, sondern auch wegen der hohen Verschuldung des Erzstifts. Salentin von Isenburg wurde zum Kurfürsten und Erzbischof von Köln gewählt und 1574 ebenfalls zum Bischof von Paderborn. Salentin ließ auch 1575 das Arnsberger Schloss renovieren. Als sein letzter überlebender Bruder kinderlos gestorben war, verzichtete Salentin im September 1577 auf die geistlichen Fürstentümer und trat zurück. Das war möglich, da er keine priesterlichen Weihen empfangen hatte, und heiratete, damit seine Familie nicht ausstarb.

 
Der zweite Anlauf für Ernst, das Amt eines Kurfürsten und Erzbischofs von Köln zu erlangen, ergab sich bei der Wahl nach dem Rücktritt. Obwohl er von Kaiser und Papst bevorzugt wurde, blieb am Nikolausabend 1577 Gebhard Truchsess von Waldburg mit 12 : 10 Stimmen Sieger. Ernst wurde danach 1581 zum Fürstbischof von Lüttich gewählt und kurz darauf auch Administrator der Reichsabtei Stablo – Malmedy im heutigen Belgien.

Der erwählte Gebhard ließ sich zwar zum Priester weihen, heiratete aber am 2. Februar 1583 die Gräfin Agnes von Mansfeld, die als Stiftsdame in Gerresheim bei Düsseldorf lebte, und versuchte das Erzstift in ein weltliches Fürstentum zu verwandeln. Aus dieser Zeit stammen die Spottverse auf die Gemahlin des Erzbischofs: »Ego Dei Gratia / Colonie episcopa«, was auf Deutsch übersetzt, heißt: »Von Gottes Gnad ich bin / von Köln die Bischöfin.«

Gebhard wurde von Papst und Kaiser abgesetzt, und so wurde Ernst im dritten Anlauf am 23. Mai 1583 einstimmig zum Kurfürsten und Erzbischof von Köln gewählt, als solcher dann auch Herzog von Westfalen und Engern und Graf von Arnsberg. Damit begründete er die 168 Jahre währende Herrschaft bayerischer Prinzen als Erzbischöfe und Kurfürsten von Köln.
 
Aber Gebhard Truchsess gab so schnell nicht auf, mit Hilfe von bayerischen und spanischen Truppen – die Niederlande waren zu dem Zeitpunkt unter spanischer Herrschaft – musste er im sog. »Kölnischen Krieg« oder auch »Truchsessische Wirren« genannt, die in gewisser Weise ein Vorgeplänkel des nachfolgenden 30-jährigen Krieges darstellten, mit Waffengewalt vertrieben werden. Diese Auseinandersetzungen zogen sich über insgesamt acht Jahre hin.

Obwohl der neue Kurfürst Ernst am 5. Juni 1584 von Edlen, Bürgern und Landleuten des Herzogtums Westfalen am Birkenbaume, der historischen und sagenumwobenen Grenze zwischen der Grafschaft Mark und dem kurkölnischen Anteil Westfalens westlich von Büderich, feierlich empfangen wurde, waren die Wirren damit nicht zu Ende; denn zwei Jahre später erschien der berüchtigte niederländische Parteigänger des Truchsess’, Schenk von Nideggen, im kölnischen Westfalen, um auf eigene Faust für den abgesetzten Truchsess zu kämpfen. Es gelang ihm, mit einem Überfall die Stadt Werl, allerdings nicht das stark befestigte Schloss, in seine Gewalt zu bringen. Bei der Schlacht auf der Haar bei Ense-Bremen am 2. März 1586 wurde er durch eine Gewehrkugel, den sogenannten Arnsberger Meisterschuss, am Gesäß verwundet. Mehr als 280 Gefallene blieben auf kölnischer Seite auf der Haar, insgesamt hat dieser Kampf vielleicht 1.000 Menschenleben gefordert, denn viele ertranken auch auf der planlosen Flucht in der Ruhr.

Ernst von Bayern gelang es außerdem, seinen Einfluss zu erweitern, weil er im Jahre 1584 auch noch zum Bischof von Münster gewählt wurde. Ernst war nun Bischof von Freising, Hildesheim, Lüttich, Münster und Erzbischof von Köln, und damit eine nicht zu unterschätzende Macht für den Katholizismus. Allerdings konnte er die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen, so stellte man ihm 1595 seinen erst 18-jährigen Neffen Ferdinand von Bayern (1577–1650), der sein Nachfolger werden sollte, obwohl auch dieser nie eine Priesterweihe erhalten hatte, als Koadjutor zur Seite. Insbesondere hatte er sich mit seinem Bruder Wilhelm V. von Bayern (1548–1626) überworfen, sodass dieser die von Bayern für die Erlangung der Ämter und für den Kampf gegen Gebhard Truchsess aufgewendeten riesigen Summen auf einen Schlag zurückverlangte. Um eine Regelung zu erzielen, die es Ernst erlaubte, sein Gesicht zu wahren, und andererseits den Einfluss Wilhelms zu sichern, war man auf die Regelung verfallen, den Sohn Wilhelms, Ferdinand, dem Onkel Ernst als Koadjutor, d. h.. als faktischen Regenten des Kurfürstentums, zur Seite zu stellen.

Ernst zog sich nach Arnsberg zurück, wo er mit seiner Konkubine Gertrud von Plettenberg lebte, und sich neben seiner ausgeprägten Spiel- und Trunksucht den Wissenschaften, vor allem der Astronomie und der Jagd zu widmen. Gertrud von Plettenberg, ihr genaues Geburtsdatum ist unbekannt, stammte aus dem in Serkenrode ansässigen Zweig der weitverbreiteten Familie von Plettenberg. Sie stand im Dienste des Kölner Kurfürsten als „Beschließerin“ (Verwalterin) der Schlösser Arnsberg, Hirschberg und Höllinghofen. Sie hatte mit Ernst von Bayern zwei Kinder: Wilhelm von Bayern, Reichsfreiherr von Höllinghofen, und Katharina von Bayern (Geburtsdaten sind unbekannt), die er beide legitimierte.
 
Als 1601 das Rittergut Höllinghofen als Lehen an den Kurfürsten heimgefallen war, verlieh Ernst den Besitz an seinen Sohn Wilhelm, der dort später als Landdrost des Herzogtums Westfalen von 1618 bis 1624 amtierte. Nachdem er 1636 Koadjutor der seit ihrer Gründung in Personalunion regierten Abteien geworden war, wurde er 1650 auch Fürstabt der beiden Klöster von Stablo und Malmedy im heutigen Belgien, wofür er sich sogar im Alter von ca. 60 Jahren noch zum Priester weihen ließ; er starb am 10. Februar 1657 auf Schloss Höllinghofen und wurde in der Abteikirche von Stablo begraben.

Ernst von Bayern schenkte seiner Geliebten, mit der er seit 1605 auch heimlich verheiratet war, das im gleichen Jahr neu gebaute Palais in Arnsberg, das heute unter dem Namen »Landsberger Hof« das Sauerland-Museum beherbergt. Dieses Gebäude erbte die Tochter Katharina, später ging es nach verschiedenen Besitzern in das Eigentum der Grafen von Landsberg über, daher der heutige Name.

Gertrud von Plettenberg starb am 26. Oktober 1608 in Arnsberg. Am 17. Februar 1612 starb auch Ernst in dem Arnsberger Schloss, er wurde mit großem Pomp vor der Dreikönigenkapelle im Inneren des Kölner Doms beigesetzt, seit 2000 befindet sich sein Grab in der neu gestalteten Wittelsbachergruft unter der Achskapelle im Chorumgang. Am Ende seines Lebens war er immer mehr zum Eigenbrötler geworden, das hatte er mit Kaiser Rudolf II. (*18. Juli 1552 in Wien; † 20. Januar 1612 in Prag) gemeinsam, den er mehrfach auf der Prager Burg, das letzte Mal kurz vor seinem Tod, besucht hatte. Sie starben kurz nacheinander am Jahresanfang 1612, Rudolf am 20. Januar und Ernst am 17. Februar.

Sein Nachfolger wurde sein Neffe Ferdinand, der bereits als Koadjutor im Kurfürstentum Köln seit 1595 tätig war, dessen Wahl am 12. März 1612 war faktisch eine reine Formsache. Im Gegensatz zu seinem Onkel und Vorgänger lebte er streng nach den Grundsätzen des Tridentinischen Konzils, obwohl er nie eine Weihe erhalten hatte. Der einheimische Adel war schon vom Kurfürsten Ernst nicht sehr erbaut gewesen, weil er eine große Anzahl von Bediensteten aus Bayern mitbrachte, - einige bayerisch klingende Familiennamen in unserer Gegend stammen aus dieser Zeit – und den heimischen Adligen hinsichtlich der Ämter wenig Möglichkeiten einräumte.

In Ferdinands Regierungszeit erreichten dann die Hexenprozesse, die um 1590 in unserer Gegend begonnen hatten, ihren Höhepunkt, so wurde z. B. im Amt Balve jeder zwanzigste Einwohner (insgesamt fast 300) wegen Hexerei hingerichtet. Das mag als Exempel für den Wahn dienen, denn es sind nicht alle Akten für alle Gebiete erhalten. Ferdinand setzte auch die Grundsätze der Gegenreformation, zu der die Ehelosigkeit der Priester gehörte, rigoros durch, in einer Zeit, in der viele katholische Geistliche verheiratet waren.

Dr. Bernd Kirschbaum, Ense-Niederense


veröffentlicht im Heft 128 / Frühjahr 2012,
Seiten 10 und 11
weiße Linie 280
 
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ense-press by haase-druck
Peter Haase
Rauschenberg 82
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