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19. Okt. 1812: Beginn des Rückzugs der Grande Armée aus Russland -
von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense-Niedernse
 
»Er ging mit Napoleon nach Russland, wir haben nie wieder von ihm gehört!«, Teil 2.

Moskau brennt! Die Stadt mit vierhunderttausend Einwohnern, fast vollständig aus Holz gebaut, wurde auf Befehl des Zaren von einigen Russen in Brand gesetzt. Die Flammen verzehrten alles, das Flammenmeer wütete mehrere Tage. Der Oberkommandierende des hessischen Kontingents, Prinz Emil, war gezwungen, mehrmals in der Nacht sein Quartier zu wechseln, und er musste um seine Equipage fürchten. Die geflohenen Russen, die nach Osten in Richtung Wladimir aus der Stadt gezogen waren, beobachteten tagelang den roten Himmel bei Nacht, darunter auch der aus preußischen Diensten in russische übergetretene Carl von Clausewitz.

Der Zar hatte nicht kapituliert und auch jegliche Verhandlung abgelehnt, so war der Feldzug gescheitert, mit 600 000 Mann war Napoleon aufgebrochen, nur ungefähr 110 000 Mann hatten Moskau erreicht. Es blieb nur der Rückzug. Im Kreml wurde das große Kreuz vom Turm der Kathedrale als Beute heruntergeholt, dann wurde der Kreml teilweise gesprengt. Am 19. Oktober brach Napoleon in Richtung Kaluga nach Südwesten auf. Seit dem Ausmarsch aus Wilna hatten viele Soldaten Ausrüstungsgegenstände und Bekleidung weggeworfen, weil sie lieber die notwendige Verpflegung tragen wollten. Auch die in Moskau verteilten Pelze und Schafsfelle hatten viele leichtsinnigerweise weggegeben. Graf Segur schreibt über den Beginn des Rückzugs, dass nach den noch geordnet marschierenden Truppen »... der Überrest aber auf eine höchst auffallende Weise einer Horde Tataren glich, die von einer glücklichen Invasion zurückkehren.
In einer drei- oder vierfachen, unabsehlichen Reihe waren Halbkutschen, Munitionskarren, Luxuswagen und Fuhrwerke aller Art bunt durcheinander gemischt. Hier sah man russische, türkische und persische Fahnen und jenes Riesenkreuz des Großen Iwan als Siegeszeichen: ... andere zogen oder schoben den Ertrag ihrer Beute sogar auf Schubkarren fort ...«

Der Versuch, die südlichere Straße zurück nach Westen zu nehmen, scheiterte am russischen Oberkommandierenden, dem Fürsten Kutusow, der diesen Weg mit einer uneinnehmbaren Stellung bei Malo-Jaroslawetz blockiert hatte. Ein französischer Angriff wurde erfolgreich abgeschlagen und Napoleon gezwungen, auf der Straße zurückzugehen, auf der er gekommen war, auf der aber auch gar nichts mehr zu holen war, wo die Leichen der Gefallenen zusammen mit den Kadavern der Pferde unbestattet herumlagen.

Auf dem Rückzuge erhielt Prinz Emil von Hessen am 30. Oktober 1812 in Gshat von Napoleon den Befehl, die drei großherzoglichen Infanterie-Regimenter und die Artillerie unter des Prinzen unmittelbarem Kommando zu einer Brigade zu vereinigen und der 1. Division der kaiserlichen Garde anzugliedern. Am 31. Oktober 1812 gelangte der Prinz mit dem Leibregiment, das er am 29. zwischen Mosaisk und Gshat getroffen hatte, vor Wjasma bei der 1. Division an und übernahm am 1. November in dieser Stadt auch das Kommando über die Leibgarde. Der Prinz befehligte nun etwa 1 300 Mann (in 4 Bataillonen), die von nun an auf dem gesamten Rückzug einen Teil der Kaisergarde ausmachten.

Am 8. November erreichte die großherzogliche Brigade zusammen mit der Kaisergarde die Stadt Smolensk und verblieb hier bis zum 14. November. Jeden Morgen musste sie hier von 5 bis 9 Uhr auf einer Anhöhe gegen Jelnia hin, eine halbe Stunde von der Stadt, in der grässlichen Kälte unter dem Gewehr stehen, um gegen einen Überfall der Russen Wache zu halten.

Am 15. langte die Brigade in Krasnoi an. Auf dem Marsche dahin hatte sie regimentsweise, wegen der ständigen Gefahr durch angreifende Kosaken, in »Carré formirt« unter großer Anstrengung über die tief verschneiten Felder ziehen müssen, um eben die Attacken der Kosaken abweisen zu können. Am 17. November morgens um 2 Uhr zogen die großherzoglichen Truppen mit der Kaisergarde unter Napoleons persönlicher Führung in die Schlacht von Krasnoi.
 
 
Das Leibregiment hatte besonders ein sehr heftiges Artilleriefeuer auszuhalten; acht Offiziere, viele Unteroffiziere und Soldaten wurden mit zerschmetterten Gliedern zurückgebracht. Die großherzoglichen Truppen verloren an diesem Tage hier elf Offiziere und 140 Mann an Toten und Verwundeten, die ein Opfer der Flammen wurden.

Der Rückzug wurde nun zusammen mit der Kaisergarde über Dubrowna, Orsza usw. fortgesetzt. Am 26. November nachts um 1.00 Uhr ging die Brigade von Borisow drei Stunden an der Beresina aufwärts und am 27. hier ohne Unfälle über das nach Süden fließende Gewässer. Der Katastrophe vom 26. bis 28. November bei Studianka beim Übergang über die Beresina, bei dem 25.000 Mann von den noch verbliebenen 50.000 der Grand Armée starben, waren sie entgangen. Am folgenden Tage kam die Brigade auf dem rechten Beresina-Ufer nochmals ins Gefecht, jedoch ohne Verluste. Am westlichen Ufer der Beresina erlitt dagegen das großherzogliche Garde Chevauxlegers-Regiment bedeutende Verluste; das Regiment, welches am 28. November noch 300 Pferde zählte und in gutem Zustande war, brachte nur 25 Pferde über die Beresina.

In der folgenden Zeit gingen Reste der Disziplin endgültig verloren. In Fetzen von Decken, Tuch und Tierhäuten gehüllt, wankte alles einher, der Marsch der Armee war ein langes Leichenfeld. Verzweiflung und Wahnsinn ergriffen viele - unbeschreibliche Szenen bis hin zum Kannibalismus. Boris von Uxkull, der den Feldzug auf russischer Seite mitgemacht hat, schrieb in sein Tagebuch: »An einem Wirtshaus vorbeiziehend, sah ich im Innern desselben einen Haufen von ganz nackten Leichen, die übereinandergeschichtet lagen; auf diesen saßen noch Lebende, die am Fleisch ihrer Kameraden nagten und wie die wilden Tiere brüllten.« Am 6. Dezember verließ Napoleon seine Armee und eilte nach Paris, wo er am 19. Dezember ankam. Die Temperaturen gingen immer weiter zurück bis minus 32° C (am 5. Dezember: 25°; am 6.: 30°; am 7.: 32° unter 0°!).

So kamen nur 31 Offiziere, 24 Unteroffiziere und Soldaten mit dem Prinzen am 8. Dezember in Wilna an, wo statt der erwarteten Ruhe neues Elend und neue Strapazen begannen. Wilna wurde der Schauplatz der entsetzlichsten Unordnungen und der fürchterlichsten Grausamkeiten. Die flüchtigen Scharen hatten hier auf das Ende ihrer Leiden und Strapazen gehofft, wurden aber bald von den Russen überfallen. Alles, die angesammelten unermesslichen Vorräte, die ganze Bagage, selbst der kaiserliche Schatz (10 Millionen Franken) fielen hier oder bei Ponari usw. in die Hände des Feindes. Nach offiziellen Listen des General-Gouverneurs von Wilna vom Jahr 1824, des Generals der Infanterie Rimski-Korsakow, sollen in Wilna allein 70.000 Menschen der großen Armee begraben liegen.

Am 9. Dezember stieß das provisorische leichte Infanterie-Regiment, ungefähr noch 500 Mann stark, zu des Prinzen Brigade. Als dieses Regiment am 16. November bei Danielowitsch (zwischen Glubokoe und Swentziani) zu dem 6. Armeecorps unter Wrede gestoßen war, zählte es noch 1.168 Mann und die hessische Batterie 171 Soldaten. Wrede hatte damals insgesamt noch 9.879 Mann mit 26 Kanonen und 10 Haubitzen unter Kommando. Das großherzoglich hessische Regiment zählte am Morgen des 9. Dezember nach dem Gefecht von Slowotka noch 800 Mann.

Das Regiment focht tapfer, aber die Kälte war an diesem Tage so groß, dass mehreren Schützen beim ersten Laden der Gewehre die Haut von den Händen am Eisen hängen blieb. Ebenso war es am folgenden Tage, als das Regiment dem Corps teils den Weg nach Wilna mitten durch die Feinde bahnte, teils dessen Rücken deckte und bedeutende Verluste erlitt. Sie schlugen alle Angriffe der russischen Reiterei ab und gelangten, wenn auch mit großen Verlusten, glücklich nach Wilna. Auch die Batterie von sechs Geschützen vereinigte sich zu Wilna mit der Brigade des Prinzen. Die dem Leibregiment zugeteilten zwei Geschütze hatte man schon jenseits Smolensk aus Mangel an Pferden zurücklassen müssen.

Die Batterie entkam nach dem Abmarsch von Wilna glücklich den großen Gefahren. Doch am Berge von Ponari, eineinhalb Stunden von der Stadt entfernt, blieb alles in furchtbarem Gedränge stehen, weil Glatteis selbst Fußgängern den Bergübergang unmöglich machte. Dennoch gelang es einem der sechs Geschütze über den Berg zu kommen, die anderen umgingen ihn links.

In der Nacht auf den 10. Dezember brach die Brigade von Wilna wieder auf und ging am 13. in der Frühe bei Kowno/Kaunas über den Njemen/Memel zurück. Am 16. rastete die Truppe zu Wirballen in Ostpreußen und hatte Revue vor dem Oberbefehlshaber der Armee, Joachim Murat, dem Könige von Neapel. Von der mit ungefähr 5.000 Mann ins Feld gerückten Brigade zählte man noch:
Die Truppe marschierte nach Marienburg und weiter nach Dirschau. Hier verließ der Prinz die Truppe, um dem Befehl seines Vaters nachzukommen, nach zu Darmstadt zureisen. Nach Eintreffen einiger Nachzügler und Neuorganisation ergab sich am 13. Januar 1813 in Stargard folgender Stand:
 
 
Nur etwas mehr als 500 Mann waren nach knapp einem Jahr zurückgekehrt. »Er ging mit Napoleon nach Russland, wir haben nie wieder von ihm gehört!« Auf wie viele Menschen aus unserer Heimat das zutrifft, weiß man nicht genau. Einige von ihnen hat man auf Vermisstenlisten wiedergefunden, die z. T. Jahre später aufgeschrieben worden sind. Zu ihnen gehörte auch Everd Ebel aus Höingen, Schützenkönig des Jahres 1793:
 
Veröffentlicht auf den Seiten 10 und 11 im Heft 131 / Winter 2012/13.
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