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ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...
Eröffnung 1833: Optische Telegraphenlinie Berlin - Koblenz
... von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense.
Die Zahl der übermittelten Depeschen war natürlich nicht sehr hoch, ca. 500-700 pro Jahr, wobei der Chef der Telegraphenlinie O’Etzel von sechs pro Tag sprach. Am 17. März 1848 brauchte z. B. eine Nachricht mit 30 Worten von Berlin nach Köln ca. 90 Minuten.

Preußen war nach dem Wiener Kongress der größte Flächenstaat in Deutschland geworden, es erstreckte sich auch auf die linke Rheinseite bis nach Trier, was von Berlin aus über Landwege mehr als 700 km bedeutet. Selbst von Koblenz, der wichtigen Festung des Deutschen Bundes an der Mündung der Mosel, sind es mehr als 600 km über Land. Wie soll man da wichtige Nachrichten transportieren? Stafettenreiter? – Zu langsam! Brieftauben, die schon 1815 nach der Schlacht bei Waterloo die Siegesnachricht der verbündeten Armeen von Preußen und England nach London an die Börse gebracht und cleveren Spekulanten einen gewaltigen Gewinn ermöglicht hatten? – Nur kurze Nachrichten waren möglich, zudem nicht unbedingt sicher! Die Elektrizität? – Steckte noch in den Kinderschuhen.

Auch gegen fast alle anderen zum Teil seit der Antike bekannten optischen Methoden der Nachrichtenübermittlungen gab es gravierende Einwände: zu teuer, zu unzuverlässig, nicht flexibel handhabbar usw. Später kam eine wichtige Erfindung hinzu, das aus den Niederlanden stammende Fernrohr, das es ermöglichte, die Distanzen zwischen den einzeln erforderlichen Stationen zu vergrößern und dennoch einwandfrei zu erkennen, was übertragen werden sollte.

Im 1. Koalitionskrieg traten Österreich und Preußen im Bündnis gegen die französische Revolutionsarmee an, der Vormarsch der Alliierten wurde durch die berühmte Kanonade von Valmy am 20. September 1792 gestoppt, aber der Krieg zog sich bis zum Frieden von Campo Formio 17. Oktober 1797 hin.
 
 
 
Inzwischen hatte man auf alliierter Seite auch das französische System »Chappe« der optischen Telegraphie und die daraus resultierenden Vorteile kennengelernt, denn aus dem geplanten »Spaziergang nach Paris« war nichts geworden. Die französische Seite konnte die Gegner zurückdrängen, weil sie koordinierter vorgehen konnte dank der optischen Telegraphie, die mithilfe eines ausgeklügelten Alphabets durch ein System von Signalarmen an senkrechten Masten (sog. Semaphoren oder Flügeltelegraphen), die in regelmäßigen Abständen (ca. 7-13 km) auf Sichtweite in exponierter Stellung im Lande aufgestellt waren, Nachrichten mit bislang unerhörter Schnelligkeit und Präzision übermitteln konnte. Ein einzelnes Zeichen durchlief damals in einer Minute eine Strecke von 135 km, d. h.: die Geschwindigkeit eines einzelnen Zeichens betrug mehr als 8000 km/h. Das System war von Claude Chappe entwickelt und nach ihm benannt worden, die erste ständige Linie war 1794 zwischen Lille und Paris eröffnet worden.

Viele Länder, so z. B. Russland, Schweden und Großbritannien hatten die optische Telegraphie eingeführt. Nach 1830 reifte im preußischen Kriegsministerium der Entschluss, eine Telegraphenlinie einzurichten. Die Leitung hatten der gelernte Apotheker und Major im Generalstab Franz August O’Etzel und der Geheime Postrat Carl Heinrich Pistor, der den preußischen Telegraphen entwickelt hatte und auch für die Ausrüstung der Stationen verantwortlich war. Am 4. Mai 1833 – vor 180 Jahren – wurde in Preußen das Gesetz zum Bau der Telegraphenlinie erlassen
 
Weil die Sicht mit dem Himmel als Hintergrund am besten war, errichtete man auf einem bestehenden oder neu gebauten Turm einen Mastbaum, an dessen oberem Ende rechts und links jeweils drei Flügel, die sog. Indikatoren, montiert waren, die man von einem sog. Observationszimmer aus mit Hilfe von über Rollen laufenden Seilzügen bewegen konnte. Die 4096 möglichen, verschiedenen Flügelstellungen ergaben ein komplexes Übermittlungssystem. Die Laufzeiten für die Nachrichten, die so von Station zu Station beobachtet und weitergegeben wurden, waren nur Bruchteile davon, was z. B. berittene Boten benötigt hätten.

Zunächst war die Nutzung des Telegraphen dem Militär vorbehalten, erst später wurde auch dem Innenministerium zugebilligt, die Einrichtung mitzubenutzen. An die telegraphische Übermittlung von privaten Depeschen dachte zunächst kaum jemand, obwohl die Übertragung von »Handelsnachrichten« schon bei der Eröffnung erwogen worden war, was gegen Ende der Telegraphenlinie auch erfolgte. Die Laufzeit eines solchen Telegramms war insgesamt recht unterschiedlich und hing von verschieden Faktoren (Helligkeit, Sichtverhältnisse usw.) ab. Eine Depesche von Paris nach Berlin brauchte über das optische Telegraphensystem in Frankreich von Paris nach Metz, dann per Eilstafette über Saarbrücken nach Koblenz und über die preußische Telegraphenlinie nach Berlin 30 Stunden.
 
 
Die Linie von Berlin nach Magdeburg (Stationen 1-14) war zunächst bis Juli 1833 errichtet worden, dann weitergeführt, verlief sie über insgesamt 61 Signalstationen bis hin zur Festung Ehrenbreitstein (Station 60, fertiggestellt am 1. Oktober 1833) auf dem rechten Ufer. Weil Probleme auftraten, die Nachrichten auf die linke Rheinseite an die Militärkommandantur auszuliefern, baute man dann endlich 1834 auf dem Schloss in Koblenz die Station 61.

Im Rheinland verlief die Telegraphenlinie aus Sicherheitsgründen auf dem rechten Ufer des Stroms, in Westfalen führte sie u.a. über die Haar, Station 39 in Anröchte-Uelde, Station 40 in Möhnesee-Echtrop auf der Bischofs Haar/ »Bischoffshard« (ehem. engl. Kaserne), Station 41 in Ense-Höingen und Station 42 in Menden-Schwitten. Im engeren Raum unserer Heimat sind also zwei Stationen von Interesse, nämlich die Höinger und die Echtroper. Leider gibt es keine Bilder der beiden Posten aus der Zeit des Betriebs der Telegraphenstrecke, aber eine Abbildung der Telegraphenstation 42 in Menden gibt einen sehr schönen Eindruck vom Aussehen einer solchen Übermittlungsstelle.

Die Einrichtung war spartanisch, denn wir sind in Preußen, da wurde sparsam gewirtschaftet und nur das Allernotwendigste gestellt. »Des Königs Rock wärmt, aber er ist sehr eng!« Die Station 40 in Echtrop mit einem zweistöckigen Turm befand sich auf einem 514qm großen Grundstück ca. 700 Meter südlich des Haarweges. 1842 wohnten dort der Obertelegraphist Jost mit seiner Ehefrau, der Untertelegraphist Zimmer mit Frau und Tochter sowie der Reservetelegraphist Schamm mit Ehefrau und fünf Kindern. Das waren schon sehr beengte Verhältnisse für zwölf Personen, weil die Telegraphenhäuser nur wenige Zimmer aufwiesen. Im Jahre 1850 wurde die Station »auf Abbruch« versteigert. Der Landwirt Caspar Schulze aus Bad Sassendorf erwarb für 50 Reichsthaler das Grundstück, das Gebäude selbst wurde an den Landwirt Clemens Mühlenschulte aus Stockum für 280 Thaler, obwohl der Schätzpreis mit 390 Thalern deutlich darüber lag, und 6 Thaler extra für den Telegraphenapparat verkauft.
 
Die Station 41 lag außerhalb der damaligen Ortsteile Ober- und Nieder-Höingen in der Feldmark auf einem 840qm großen Grundstück. Der Erwerb hatte einige Schwierigkeiten bereitet, die aber ausgeräumt werden konnten. 1842 wohnten hier wie in Echtrop ebenfalls zwölf Personen, nämlich der Obertelegraphist Wilkens mit Ehefrau, Magd, Nichte und vier Kindern, weiterhin der Untertelegraphist Härke und drei weitere Familienmitglieder. Nach Beendigung des Telegraphenbetriebs sollte das Gebäude zunächst verkauft werden, was aber nicht gelang.

Dann wurde es auf Abbruch versteigert, der Landwirt Anton Schulte aus Höingen erhielt den Zuschlag für 153 Thaler für das Gebäude unter der Bedingung, dass er die Maschine für weitere acht und das Grundstück für 50 Thaler übernahm. Nach verschiedenen Umbauten verkaufte 1964 der damalige Eigentümer das Haus an einen neuen Besitzer, der den Turm beseitigen ließ. Heute erinnern daran nur noch der Straßenname »Am Telegraf« und eine »Stationentafel«.

Das erste größere Problem mit der Telegraphenlinie in unserer Gegend trat bereits 1836 auf, als am 3. September der Telegrapheninspektor Oppmann meldete, dass die Sicht von Station 42 Menden-Schwitten zur Station 41 Ense-Höingen gestört sei, weil direkt in der Sichtachse hinter dem Telegraphen 41 jemand in Delecke ein Gebäude errichtete, das den freien Himmel verdeckte und damit die Übermittlung behinderte. Das Gebäude musste gegen Entschädigung abgebrochen und woanders errichtet werden.
 
Am 8. Oktober 1842 trat die gleiche Behinderung fast an derselben Stelle durch drei »Kornhäuser« auf, die dem Mendener Telegraphisten das Ablesen der Höinger Signale erschwerte. Die Beseitigung dieses Hindernisses erfolgte ebenfalls auf Kosten der Telegraphenkasse.

Das Ende der Telegraphenlinie kam mit der Einführung des elektromagnetischen Telegraphen im Jahre 1852, in welchem auch am 12. Oktober die optisch-mechanische Linie offiziell eingestellt wurde. Die meisten Stationen waren da bereits schon verkauft oder versteigert. In Nordrhein-Westfalen bietet die renovierte Station 50 Köln-Flittard, ausgestattet mit dem rekonstruierten Masten mit Indikatoren, als technisches Denkmal einen Eindruck von der Nachrichtenübermittlung vergangener Zeiten. Bei uns erinnert eine Ausstellung im Bismarckturm an die Telegraphen-Linie.
 
 
... veröffentlicht in derAusgabe-Nr. 132 / Frühjahrsausgabe 2013, Seiten 10 und 11
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