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ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...
1583 Beginn der Truchsessischen Wirren
von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense


 
In der St. Lambertus-Kirche in Bremen hängt ein gerahmtes »Verkündigungsbild« im linken Seitenschiff am Pfeiler der Nordseite (auch Schwedenbild genannt), geschaffen um 1620, unter dem folgende Erläuterung steht:

Ein Hasser Uns’rer Lieben Frauen –
Vom langen Krieg ein rauher Mann –
Hat mit dem Schwerte eingehauen –
Auf dieses Bild und schrie es an –
Gott strafte Tat und böse Worte –
Des wilden Schweden hoch zu Pferd –
Denn eh er wieder an der Pforte –
Stürzte der Frevler tot zur Erd –
Sogar das Ross ereilt die Rache –
Es hinkt hinaus in Schreck und Not –
Trank wund noch aus dem Bremer Bache –
und war dann wie sein Reiter tot.

1633 durchzogen Kriegshorden das Land um Werl. Sie zerstörten das Schloss Waterlappe bei Bremen und das Kloster Himmelpforten. Der Frevel an diesem Bild geschah wohl in jener Zeit.

‚Lasst uns Maria fromm und kindlich grüssen!‘
 
Was war geschehen?

Fast jeder verknüpft richtigerweise das Datum 1633 mit dem schrecklichen Krieg von 1618 – 1648 zwischen Katholiken auf der Seite des Kaisers und den Protestanten auf der anderen Seite. Was geschah in unserer Heimat? Das ist zunächst nicht so ohne Weiteres zu beantworten, denn es gibt keine Chronik der lokalen Ereignisse. So muss man also aus anderen Archivalien z. B. aus der Umgebung das hiesige Geschehen rekonstruieren. Wie viele andere so hatte auch dieser Krieg eine umfangreichere Vorgeschichte: Die Zeiten waren hart, Hunger aufgrund von Missernten (1529, 1525-1535, 1570, 1572-73, 1577 usw.), und Epidemien (1529, 1535, 1572 usw.) forderten Tausende als Opfer, während der Pest 1580/81 sollen allein in Werl etwa 2.200 Menschen gestorben sein.

Bauern wurden nicht erst mit dem Beginn des 30-jährigen Krieges 1618 ausgeplündert. Die konfessionell motivierten bewaffneten Auseinandersetzungen hatten eigentlich schon 1545 begonnen, als Truppen des Erzbischofs von Köln gegen Soest zogen und ringsherum raubten und plünderten, 1546 zogen kaiserliche Landknechte sengend durch die Gegend um Soest und nahmen fast alles Vieh mit. Die Fortsetzung war der Schmalkaldische Krieg (1546), und 1558 fallen die Niederländer unter Wilhelm von Oranien ein, rauben, plündern und verbrennen. Mehr als hundert Jahre bis 1648 mussten die Bauern unterschiedliche Heere oder auch durchziehende kleinere Reitertrupps versorgen. In den später sog. 30-jährigen Krieg gingen zwei oder gar drei verschiedene kriegerische Auseinandersetzungen über:

1. der Freiheitskampf der Calvinistischen Niederländer gegen die Herrschaft der katholischen Spanier,

2. die Truchsessischen Wirren, auch der Kölnische Krieg genannt und

3. der Jülich–Klevische Erbfolgekrieg um die reichen Gebiete des Herzogtums Kleve mit den Herzogtümern Jülich und Berg und den Grafschaften Mark und Ravensberg.

Die Heirat des Erzbischofs

Nachdem am 19. Dezember 1582 sich der seit 1577 regierende Erzbischof von Köln Gebhard Truchsess von Waldburg von der katholischen Kirche losgesagt und am 2. Februar 1583 in Bonn die schöne Gräfin Agnes von Mansfeld („Ego Dei gratia de Colonia episcopa“ - lat.: „Durch Gottes Gnad’ ich bin von Köln die Erzbischöfin.“) geheiratet hatte, waren die Zeiten im Herzogtum Westfalen auch politisch unruhig geworden. Spätestens als am 1. April 1583 – vor 430 Jahren – Gebhard Truchsess vom Papst Gregor XIII. exkommuniziert, als Erzbischof abgesetzt und am 23. Mai 1583 Ernst von Bayern als Nachfolger von dem Domkapitel zum Erzbischof von Köln gewählt worden war, begann der Krieg. Die Truppen des neuen Herrschers belagerten und zerstörten die Godesburg am 17. Dezember 1583. Gebhard floh nach Werl, aber auch Westfalen blieb von den Auseinandersetzungen nicht verschont. So wurden während dieser sog. Truchsessischen Wirren – auch der „Kölnische Krieg“ genannt – große Teile des Herzogtums Westfalen verheert, z. B. wurde die Einrichtung der Werler Propsteikirche St. Walburga zerstört usw. Viele Schützenbruderschaften, die zum Teil seit dem Mittelalter existierten, aber etwas vernachlässigt worden waren, wurden als Selbstschutzeinheiten reorganisiert oder auch neu gegründet (z. B.: Bremen 1525, Hirschberg 1584, Menden 1604, Neheim 1607, Körbecke 1611, Höingen 1653 usw.).
 
 
Gebhard konnte sich auch im westfälischen Teil des Erzbistums nicht halten, floh 1584 in die Niederlande und setzte den Krieg mit niederländischen Truppen unter anderem mit Martin Schenk von Nideggen als Heerführer fort. Die Stadt Werl wurde von ihm mit List eingenommen. In der Nacht vom 26. auf den 27. Februar 1586 langte Schenk mit seiner Truppe vor Werl an. Durch Brände wurden die Bewohner abgelenkt, die Tore von heimlich eingedrungenen Soldaten geöffnet und in kurzer Zeit war die Stadt, aber nicht das stark befestigte Schloss besetzt.

Am Sonntag, den 2. März 1586 kam es bei Bremen zur Schlacht (Bremer Lauf), auf der Höhe der Haar stand das Aufgebot Westfalens, wenige Reiter (ca. 60), dazu schlecht bis gar nicht ausgebildete und nur unzureichend bewaffnete Landleute, aber einige Büchsenschützen vom Arnsberger Schloss. Von Werl aus griff Schenk von Nideggen bergauf mit seinen Reitern an, die kölnische Reiterei feuerte eine Salve und wendete die Pferde um nachzuladen, wie es bei der Kavallerie der Zeit üblich war. Die kölnischen Fußtruppen aber legten das als Flucht aus, folgten dem vermeintlichen Beispiel und versuchten, so schnell wie möglich sich über die Ruhr zu retten. Die Arnsberger Schützen saßen in einem Hohlweg in Deckung und, als die Gelegenheit günstig war, feuerte einer eine Kugel ab, die den gegnerischen Anführer in das Gesäß traf. Das ist der sagenhafte Arnsberger Meisterschuss. Dennoch verloren nach verschieden Quellen bis zu ca. 1.000 Einwohner Westfalens ihr Leben. Schenk hatte zwar die Schlacht gewonnen, aber ein Heerführer der Zeit, der nicht auf einem Pferd sitzen konnte, ist eine Witzfigur. Schenk zog mit seiner Truppe am 8. März 1586 aus der Stadt Richtung Hamm unter Mitnahme von prominenten Bürgern, darunter Gerhard Kleinsorgen als kurkölnischer Rat und Johann Pape als Bürgermeister, der auf dem Weitermarsch in Dorsten starb. Alle anderen Geiseln wurden später gegen Zahlung eines hohen Lösegeldes freigelassen. Die Kämpfe zogen sich hin, aber endlich gab Gebhard 1589 den Kampf auf, siedelte nach Straßburg über und wurde auch dort 1601 als Domherr neben seinem Bruder im Münster beigesetzt. Aber das war erst ein Vorspiel, denn die aus konfessionellen Gegensätzen resultierenden Auseinandersetzungen nahmen kein Ende. Der Landesherr und Erzbischof Ernst von Bayern vergnügte sich währenddessen mit Jagden in Hirschberg. 1603 fiel im März ein so starker Regen, dass rund um Werl alle Felder weggespült wurden und das Vieh ersoff.

1604 sollen „spanische Meuteniers“ – Freischärler aus den damals zu Spanien gehörenden Niederlanden – die Rittersitze Oevinghausen, Füchten, Neu-Fürstenberg und Waterlappe, sowie den Adelssitz in Hüsten geplündert haben.

Weitere Pestepedemien (1588, 1597-1599, 1613, 1617 usw.) forderten etliche Tote und lösten weitere Ängste aus.

 
Das Elend der Hexenprozesse

Es ist auch die Zeit der Hexenprozesse, die in unserer Gegend mit dem Namen des Hexenkommissars Heinrich (von) Schultheiß (*1580 in Scharmede bei Salzkotten im Fürstbistum Paderborn - †1646 wahrscheinlich in Arnsberg) verbunden sind, der genauso fromm wie grausam war. Hexenkommissare fungierten zunächst nur als Berater der Gerichte, zogen dann aber sowohl die Funktionen des Anklägers als auch die des Richters an sich. Da war selbst für Unschuldige – und die Angeklagten waren alle unschuldig – kaum noch ein Entrinnen möglich, denn Schultheiß hat durch Suggestivfragen und durch Folter die für eine Verurteilung nötigen Geständnisse erreicht, denn ohne Geständnis war keine Verurteilung wegen Hexerei möglich. Die Folter durfte bei der Anklage wegen Hexerei eigentlich auch nur einmal angewandt werden, aber man umging diese Vorschrift, so wurde sie nicht für „beendet“, sondern nur für „unterbrochen“ erklärt. Todesfälle unter der Folter waren alltäglich: „Der Teufel hat ihm/ihr den Hals umgedreht, damit das Leiden ein Ende hatte.“ Das ist ein Satz, der sich häufig in den Akten befindet.

Heinrich Schultheiß kam um 1614 nach Arnsberg in die Verwaltung des Kurfürstentums und wurde von seinen Vorgesetzten durchaus geschätzt. Als Hexenkommissar ist er 1616 bei den Prozessen in Hirschberg, dann 1621 in Arnsberg, 1628 in Erwitte nachweisbar und zuletzt 1643 in Werl. Schultheiß erwarb Grundbesitz in und um Arnsberg, so ein Haus, das sog. „Himmelpförtner Haus“ direkt am Markt beim Rathaus, das möglicherweise seinen Namen von Kloster Himmelpforten im Möhnetal hatte. 1709 entstand dort auf den Grundstücken ein Haus, das als Gasthof „Zur Krim“ bekannt werden sollte. In den Verfahren zeigte er keinerlei Erbarmen mit den Opfern. Denunziationen waren der Anlass, dann erfolgten Verhaftung, Folter, Geständnis, Urteil und Hinrichtung, so die damals übliche Vorgehensweise.
Fortsetzung »Teil 2« folgt ...

 
... veröffentlicht in der Ausgabe-Nr. 133 / Sommer 2013, Seiten 10 und 11.
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die aktuelle Ausgabe, Heft 149:
23.08.2017
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar
Von Hexen und Ketzern
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