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Freiwillige Jäger aus dem Herzogtum Westfalen 1814

von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

Die Schlacht, die Napoleon wohl einen entscheidenden Stoß versetzte, fand am 16. - 19. Oktober 1813 in Leipzig statt. Die Großherzoglich Hessischen Truppen unter dem Kommando des Prinzen Emil, der sie schon im Russlandfeldzug befehligt hatte, nahmen auf französischer Seite unter großen Verlusten daran teil. Napoleon soll in dem dreitägigen Morden, das als »Völkerschlacht von Leipzig« in die Geschichte eingegangen ist, dem Prinzen zu gerufen haben: »En avant, roi de Prusse!« »Vorwärts, König von Preußen!« Aber das ist wahrscheinlich nur erfunden.

Am Ende der Schlacht fand sich der Prinz als Gefangener der Preußen in Berlin wieder, die ihn aber nach einiger Zeit wieder frei ließen. Als der gewaltige Kampf vorüber war und die Nachricht von der Niederlage Napoleons in Darmstadt eintraf, war guter Rat teuer, was denn zu tun sei, weil Napoleon dem Großherzog massiv gedroht hatte, wenn er von ihm abfalle. Aber der Großherzog Ludewig I., der seinen Titel und einen Teil seiner Länder dem Kaiser der Franzosen verdankte, wandte sich dennoch gegen ihn. Gleichzeitig wurde ein großherzoglicher Erlass publiziert, so auch in Arnsberg am 28. Dezember 1813, der zur Aufstellung von Einheiten »Freiwilliger Jäger« zum Kampf gegen den französischen Kaiser aufrief. Freiwillige Jäger waren in der Zeit beliebte militärische Verbände.

 
Das bekannteste Jägercorps aus Freiwilligen mit hohem Anteil an Studenten und jungen Männern aus dem Forstdienst waren die sogenannten »Lützow’schen Jäger«, deren Bekanntheitsgrad deutlich über ihren militärischen Leistungen liegt. Verantwortlich für die Aufstellung dieser Jägertruppe im Herzogtum Westfalen war der in Arnsberg residierende General Johann Georg von Schaeffer-Bernstein, der als junger Offizier auf englisch-hessischer Seite im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg in einer Jägereinheit gegen die Amerikaner gekämpft hatte.

Später hatte er für den hessischen Großherzog Ludewig I. das Herzogtum Westfalen in Besitz genommen, er residierte in Arnsberg, heiratete sogar eine Arnsbergerin und war ein ausgesprochener Kenner der Taktik der Jägereinheiten. Deren Einsatzgrundsatz war nicht die alte Lineartaktik mit ihrem endlosen Drill, das Formen von Karrees etc., sondern der Kampf der zum Teil auf sich selbst gestellten, selbstständig handelnden Einzelkämpfer, die einen Auftrag erhielten und nicht auf Kommandos warteten, wobei der Trupp von vier Soldaten wegen des ‚Lade-Rhythmus’ die Grundeinheit darstellte. Einer von den vier war immer schussbereit. Sie wurden meist als Aufklärer (besonders: Jäger zu Pferd), Scharfschützen, Plänkler und Flankensicherung, aber nicht innerhalb der regulären Schlachtordnung eingesetzt, sondern ließen durch andauerndes Feuer den Feind nicht zur Ruhe kommen. In vielen Jägereinheiten waren Hunde im Dienst erlaubt und der Gleichschritt verpönt.

Eine Besonderheit war das Personal der Jägertruppe, bei der der hohe Anteil nicht nur an Forstbeamten, sondern auch an jungen Männern aus den Bereichen der Justiz, der allgemeinen Verwaltung und der Studenten auffällt. Es handelte sich bei den Angehörigen der Einheiten meist um Freiwillige, die in einem besonderen Loyalitätsverhältnis zu dem Landesherren standen, konnten sie doch auf eine bevorzugte Behandlung im Zivilleben hoffen, Vorrang bei Einstellung etc. Die Linien-Infanterie bestand im Gegensatz dazu auch aus Wehrpflichtigen, vielen Fremden oder Gepressten, die häufig trotz schwerer Strafen versuchten davon zu laufen.
 
Die Jägertruppe mit ihrem Ursprung in der 1631 aufgestellten Jägereinheit des Landgrafen Wilhelm V. von Hessen-Kassel, hatte sich bewährt. Diese Art der leichten Infanterie ist bis heute nicht wegzudenken. Die Besonderheiten waren einerseits das Personal, es handelte sich um viele »gelernte Jäger«, d. h. um Forstleute, die den Umgang mit der Feuerwaffe bereits kannten und präzise schießen konnten. Das typische Gewehr war die Büchse mit gezogenem Lauf, im Gegensatz zu den Linientruppen, die in der Regel mit Musketen mit glatten Läufen ausgestattet waren.

Die Büchsen waren sehr treffsicher bis zu einer Entfernung von ca. 100 m, aber auch darüber hinaus. Sie waren in der Regel bis zur Mündung mit einem Schaft versehen, um den Lauf zu schonen und so die Treffsicherheit zu gewährleisten, die sonst bei Stürzen etc. sehr leicht verloren gehen konnte; häufig war der Lauf auch gekürzt, dann handelte es sich um einen sogenannten »Stutzen« mit einer Länge über alles von ca. 1,00 bis 1,20 m, was die Handhabbarkeit wesentlich vereinfachte. Man konnte zur Not auch im Knien laden, obwohl die Kugel wegen des gezogenen Laufs der Büchse »in den Lauf gehämmert« werden musste. Außerdem war so ein Stutzen leichter als ein Gewehr von herkömmlichen Maßen. Weiterhin wiesen sie einen »französischen« Stecher auf, der »deutsche« oder Doppelzüngel-Stecher war in der damaligen Bauweise für die Jagd zwar gut geeignet, aber nicht für einen möglicherweise Monate oder gar Jahre dauernden Einsatz ohne ausreichende Wartung in einem Krieg.

Als weitere Ausrüstung sind der Hirschfänger, den man in der Regel nicht auf den Gewehrlauf aufstecken konnte, und nur selten das Bajonett als Seitenwaffe zu nennen. Als Signalinstrumente dienten Jagdhörner, manchmal auch in der Form ohne Windungen, die man »Halber Mond« nannte und die heute noch als »Sauerländer Halbmond« bekannt sind. Dieses Instrument war von den Niederlanden bis nach Ostpreußen verbreitet, auch leichte Infanterie-Einheiten aus dem heutigen Belgien benutzten es. So war also das Horn keine hessische oder gar Sauerländer Besondertheit, sondern weiter verbreitet. Trommeln als Signalgeber waren bei dieser Art der leichten Infanterie völlig ungebräuchlich. Die Forstkleidung wurde zur Uniform, deshalb das Vorherrschen der grünen Farbe, ja selbst der Gruß und seine Erwiderung »Horrido« – »Joho!« wurden beibehalten.

Die Ausrüstung eines »Freiwilligen Jägers« musste in der Regel selbst beschafft werden, vermögende Leute stellten auch Ausrüstungen zur Verfügung, einige wurden außerdem von Großherzogtum ausgestattet, wenn man sich freiwillig meldete, aber nicht das erforderliche Geld besaß. Die Uniform bestand aus:

1. Parade-Uniform: Tschako mit dem
silbernen hessischen Löwen und
hessischer Kokarde, grünem Büschel
(mit Eichenlaub bei Paraden), schwarze
Halsbinde, einem grünen Frack, vorn
übereinandergeschlagen, mit zwei
Reihen weißer Knöpfe, Paspelierung,
Kragen und Aufschläge nach den
Kompaniefarben, das heißt für
Westfalen in blau; mit grünen engen
Beinkleidern, darüber kurze schwarze
Gamaschen mit roter Einfassung und
Quasten, dazu Schuhe.

2. Kommod-Uniform: Grünes nach den
Kompanien paspeliertes Kollett (Jacke)
mit einer Reihe weißer Knöpfe, grünen
paspelierten Beinkleidern, Gamaschen
darunter, Schuhen, grüne, paspelierte
Deckelmütze und grauem Mantel.

Aus dem Herzogtum Westfalen meldeten sich 116 freiwillig (z. B. aus Arnsberg 23 und aus Werl 10), die in der 4. Kompanie eingestellt wurden, 43 kamen aus anderen hessischen Landesteilen dazu, sodass sich eine Stärke von 159 Mann [7 Offiziere, 17 Oberjäger (Unteroffiziere), 3 Hornisten und 132 Jäger] ergab. Sicherlich wäre es reizvoll, die Schicksale aller Beteiligten, soweit man das noch eruieren kann, zu schildern, aber das würde den Rahmen dieser Veröffentlichung sprengen.

Hauptleute waren die Freiherren Carl von Syberg aus Sümmern, der vom Großherzog die Erlaubnis hatte, den Titel »Forstmeister« zu führen, obwohl er nicht in hessischen Diensten stand, und Maximilian von Schade (Jura-Student) aus Ahausen, der später nach den juristischen Examina erster Landrat des Kreises Lippstadt wurde. Oberleutnant war der aus Werl stammende Letzte der Erbsälzer-Familie Franz von Zelion genannt von Brandis, dessen jüngerer Bruder Joseph bereits im November 1812 als Chevauxleger-Leutnant an der Beresina auf dem Rückzug von Moskau gefallen war. Franz von Brandis blieb in hessischen Forstdiensten und starb 1870 in Darmstadt.

Aus Herdringen kam der Freiherr Clemens von Fürstenberg, der neben anderen zum Leutnant gewählt wurde. Aus Arnsberg meldete sich der Sohn des dortigen Apothekers Carl Engelbert Brisken (Oberjäger II. Klasse), der später Kreisphysikus in Elberfeld wurde, genauso wie Johann Wilhelm Bömer aus Drüggelte, der zunächst Apotheker in Arnsberg gelernt hatte. Beide studierten später in Berlin und wurden dort im Abstand einer Woche zum Dr. med. promoviert. Aus Werl kam der spätere Arzt Dr. med. Friedrich Heese, dessen Witwe ihr Vermögen einer nach ihr benannten, heute noch existierenden wohltätigen Stiftung zur Verfügung stellte und dessen medizinische Bibliothek eine kultur- und medizingeschichtliche Kostbarkeit von überregionaler Bedeutung darstellt. Aus Wickede-Wimbern (Graben) meldete sich Anton Schlünder, aber auch von den Haarhöfen Bernhard Linhof (ebenfalls Oberjäger II. Klasse). Nicht nur der spätere Förster von Körbecke, der aus Sundern stammende Michael Cramer (ebenfalls Oberjäger II. Klasse), sondern auch der Förster von Neuhaus an der Möhne, Caspar Holzapfel, nahm an dem Marsch teil, einer glücklich verlaufenden militärischen Expedition ohne jegliche militärische Auseinandersetzung.
 
 
 
Am 29. März 1814 marschierten die insgesamt 4 Kompanien des Freiwilligen Jäger-Corps (2 Kompanien aus der Provinz Starkenburg mit der Hauptstadt Darmstadt und je 1 aus Oberhessen mit der Hauptstadt Gießen und aus dem Herzogtum Westfalen mit der Hauptstadt Arnsberg) von Darmstadt unter dem Kommando »des Capitains im Garde-Füselier-Regiment« Johann/B. Lynker/Lyncker los. Am 30. März des gleichen Jahres kapitulierte Paris, da waren die Freiwilligen gerade einmal einen Tag marschiert und bis Weinheim gekommen, am 11. April dankte Napoleon in Fontainebleau ab, da hatten die Großherzoglichen hessischen freiwilligen Jäger Buggingen im Markgräflerland erreicht, das seit 1806 zum Großherzogtum Baden gehörte, und ruhten sich dort einen Tag aus, wenn man einen Ball als Rekreationsmaßnahme versteht.

Am 20. April verließ Napoleon Fontainebleau, nachdem er sich von seiner alten Garde verabschiedet hatte. An diesem Tage stand das hessische Corps einen Tagesmarsch vor Lausanne am Genfer See. Napoleon reiste über Lyon (23. April) nach Süden und erreichte bei Montelimar ca. 80km nördlich von Avignon (25. April) die alte Grenze zwischen Frankreich und der Provence, wo man sich sehr feindlich ihm gegenüber verhielt. Am 29. April ging der Korse bei Frejus an Bord der englischen Fregatte »Undaunted«, und am 3. Mai erreichte er Elba, ging aber erst am 4. nachmittags an Land, als die Hessen über die Schweiz in Lyon – ihrem Ziel – eingetroffen und einen Tagesmarsch entfernt davon untergebracht waren. Am 2. Juni begann der Rückmarsch, dieses Mal durch die Burgundische Pforte, und am 4. Juli 1814 war der Marsch der Jäger beendet.

Der aus Geseke stammende, militärisch sehr erfahrene »Kommandierende Oberjäger« Conrad Schuppmann, über dessen abenteuerliches Leben man ein eigenes Buch schreiben könnte, führte die westfälische Kompanie nach Hause zurück. Die Großherzoglich-Hessischen Freiwilligen Jäger hatten an keiner kriegerischen Handlung teilgenommen und kehrten wohl behalten zurück.

Hinweis für Familienforscher: Im Jahrgangsband 2013 des SüdWestfalenArchivs, das vom Landständearchiv der Stadt Arnsberg herausgegeben wird, ist die vollständige Liste aller Teilnehmer aus Westfalen und weiteres abgedruckt.
 
Veröffentlicht im Heft-Nr.: 136, Seiten 10 und 11, Frühjahr 2014.
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Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
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