... Impressum + Datenschutz
Ense Press - zwischen Ruhr und Möhnesee ... an der Haar ... verteilt
... Aktuelle Ausgabe
... Newsmeldungen
... Deadline Annoncen und ... > > Erscheinungstermine
... Preisliste u. Bestellschein
... Kontakt, Impressum
... Heimatgeschichte
... Künstler
... Vereine
... Regionale Wirtschaft
... Medizinische Notdienste
... ense-press by haase-druck
... Impressum + Datenschutz
... Heimatverein Ense-Bremen
... Heimatverein Möhnesee
ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...
25. Juni 1444 – Beginn der Soester Fehde

von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

Im letzten Jahr fand vom 2. bis 4. August die »3. Soester Fehde« als eine Art von Volksfest statt. Der Begriff »Fehde« stammt aus dem Mittelalter und bezeichnet die direkte, auch bewaffnete Regulierung von rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen dem »Geschädigten« und dem »Schädiger«, als es noch kein Gewaltmonopol des Staates in unserem heutigen Sinne gab. Was hat es nun historisch gesehen mit dieser Fehde auf sich? Vor 570 Jahren erklärten die Soester ihrem damaligen Landesherren und Erzbischof von Köln Dietrich Graf von Moers den Krieg. Was aber dann kam, war alles Andere, aber kein Volksfest.

Seine vielen Privilegien (Vorrechte) und Rechte ließ Soest sich von den Landesherren durch »Pacta Ducalia« (herzogliche Verträge) bestätigen und verstand es, sie unangetastet zu wahren. Das musste auch Graf Dietrich von Moers, der stolze Kurfürst-Erzbischof von Köln und Bischof von Paderborn [*um 1385; †14. Februar 1463, war als Dietrich II. von 1414 bis 1463 Kurfürst und Erzbischof von Köln und ab 1415 als Dietrich III. seit 1415 Administrator (Verwalter) von Paderborn auf Lebenszeit], im 15. Jahrhundert erfahren. Fehden mit seinen Nachbarn, der unglückliche Versuch, Paderborn für sein Stift zu annektieren, ein nutzloser Zug gegen die Hussiten (Hussiten: Anhänger des Sektenführers Johannes Hus (*um 1369; †6. Juli 1415 in Konstanz verbrannt, der sich gegen die Verdorbenheit der Kirche wandte) nach Böhmen, hatten ihn in Schulden gestürzt; diese hoffte er durch eine starke Schatzung (Steuer, Belegung mit Abgaben) seiner Lande zu decken und begann damit, alle Einwohner und alles Eigentum aufschreiben zu lassen.

Das ging in seinen andern Besitzungen ohne Zwist vor sich, die Westfalen aber wollten von der Neuerung und von des Bischofs Schreibereien und Schatzungen nichts wissen; sie waren nie so beschrieben worden und ihre Väter auch nicht – sie werden noch unwirsch, wenn man sie beschreiben will. Darum warfen sie barsch die Schreiber zum Tor hinaus. Der ehrenreichen Stadt Soest vorsichtiger Rat aber wurde gebeten, wie er schon oft getan, den Zwist der Städte mit dem Fürsten beizulegen. Deshalb und weil Soest selbst gerade am wenigsten von des Kurfürsten Schatzung hören wollte, suchte dieser heimlich die Soester zu bestechen; er schlug vor, sie sollten die Schatzung gestatten, dann solle auf ihrem Rathaus ein eiserner Kasten die gesamten Einkünfte aller Gemeinden der Landschaft aufnehmen und jeder dritte Pfennig der Stadt zufließen. Das war ein verlockendes Anerbieten, aber Soests Bürger waren zu ehrlich, des Landes Sache zu verraten. Da hetzte der Bischof Feinde gegen die Soester. Das Domkapitel von Köln (Versammlung der an einem Dom lebenden Geistlichkeit) erwies sich ohnmächtig, ihnen den Frieden zu verschaffen. Der Bischof bewog benachbarte Städte und Fürsten, in das Gebiet der Stadt einzufallen. Endlich sandte er als oberster Stuhlherr (Richter) in Westfalen drei Freischöffe nach Soest mit dem Mandat, es solle kein Recht und Gericht mehr in der Stadt sein und die Einwohner sollten wieder von allem Gut den Zehnten (Steuer, die den zehnten Teil des Einkommens beträgt) an die Geistlichkeit geben.

Das wurde den Bürgern zu viel; sie richteten einen Bund mit Münster, Osnabrück, Paderborn und Lippstadt auf, beschlossen Leib und Leben für ihr Recht zu opfern und setzten den merkwürdigen lakonischen Absagebrief an den Kurfürsten auf:

»Wettet biscop Dierich von moers, dat wy den vesten junker Johan van Cleve lever hebbet alß juwe, unde werd juwe hiemet abgesagt.«
Datum Soest, Anno Domini 1444.
(»Wisset Bischof Dietrich von Moers, dass wir den festen Junker Johann von Kleve lieber haben als euch, und hiermit wird euch abgesagt.«
Gegeben Soest im Jahre des Herrn 1444)
[25. Juni, am ... Donnerstag nach Johannis des Täufers Tage seiner Geburt, genannt Mittsommer.]


Damit begann die berühmte Soester Fehde, die Westfalen und dabei besonders die heimatliche Region aufs Schrecklichste verwüstete und alle seine Dynasten (kleine Fürsten) und Städte in die blutigsten Wirren riss. Es war eine der vier großen Episoden des erbitterten Kampfes der Fürstengewalt gegen das sich entwickelnde Bürgertum, ein Kampf, der gerade am erbittertsten um die Mitte des 15. Jahrhunderts aufloderte, als die Fürsten und der Adel, in fortschreitender Verarmung durch schlechte Wirtschaft und Fehdewesen vom reichen Bürgertum überflügelt zu werden begannen.

Soest sah sich leider von den großen Städten Westfalens, mit denen es den Bund geschlossen hatte, schmählich verlassen. Es blieben nur die Dynasten von Lippe, Hoya und Hohnstein und die Stadt Lippstadt auf ihrer Seite. Den kräftigsten Beistand erhielt es jedoch von Junker Johann von Kleve, genannt »Johannken mit den Bellen«, weil er nach burgundischer Sitte Wams, Hosen und Schnabelschuhe mit silbernen Schellen (Bellen) geziert trug. Mit ihm schlossen die Bürger Soests einen Schutzvertrag und leisteten ihm dafür die Erbhuldigung (Schwur der Unterwerfung auf Erbrecht). Es war am 20. Juni 1444, als der streitbare Mann, Johann von Blankenstein, Drost (Verwalter einer Vogtei) zu Wetter, und der Ritter Konrad Stecke mit achtzig Gewappneten in Soest einrückten. Sie verkündeten des Junkers Ankunft auf den nächstfolgenden Tag. An diesem langte der blühende Held, nicht angetastet durch die Lauerer des Erzbischofs, der bereits die Grenzbäume und Landwehren der Stadt zu zerstören begann, um Mittag vor Soest an, begleitet von 2.800 Reisigen (gerüsteten Reitern) auf Hengsten mit »Bellen« geschmückt. Ehrerbietig eingeholt, ward er folgenden Tags mit seinen Räten und Rittern aufs Rathaus geführt, wo jener Vertrag mit ausgestreckten Fingern zu Gott und allen Heiligen beschworen wurde.
 
 
 
Die Fehde begann mit Sengen, Brennen und Verheeren des gegnerischen Gebietes. Ein erster Angriff auf die Stadt, unternommen von der Stiftsmannschaft von Köln, blieb ohne Ergebnis. Trotzdem kam es zur Zerstörung friedlicher Dörfer und Höfe sowie zur Brennung und Niederreißung einzelner Burgen und Warttürme, wie der Schlösser: Heidemühl, Welschenbeck (bei Belecke) und Körtlinghausen. Und die Fehde mit wechselseitigen Überfällen, Räubereien und Brandstiftungen zog sich dahin. So ritten 1445 z. B. 140 Soester nach Bremen und raubten dort 60 Kühe, 9 Pferde, 40 Schweine, 312 Schafe und 5 Wagen. Das war wohl der gesamte Viehbestand des Dorfes. Selbst die Bestände des Soester Siechenhauses wurden nicht geschont, denn die Werler raubten dessen Kühe und Schweine. Aber die überlieferten Berichte und Schilderungen erwähnen am 4. Dezember 1445 auch wohl einen der letzten Bären, den die Soester im Arnsberger Wald gefangen hatten.
 
Am Montag, den 30. April 1446 fand das statt, was man den »Soester Mai-Umzug« nennen könnte, denn sie holten von Arnsberg »frische Birkenzweige«. Dabei steckten sie unterwegs alles in Brand. Bei Neheim gingen sie über die Ruhr, nahmen eine Warte (einen Wachtturm) ein, eroberten, plünderten und verbrannten die festen Häuser (Burgen) Bruchhausen und Varnhagen, dabei wurden auch die umliegenden Häuser und Dörfer nicht verschont: Das kleine Dorf Lütteken Bruchhausen, das auf dem rechten Ruhrufer gegenüber von Hüsten im Bereich der heutigen Wagenbergsraße lag, wurde vollständig zerstört. Hüsten, Müschede, Eimer und Obereimer wurden verbrannt. Die Beute war riesig: 160 Ackerpferde, 500 Kühe und 100 Rinder, 300 Schafe und eine Menge anderer Gegenstände; 54 Frauen wurden gefangen und mit nach Soest geführt. Die Kölnischen versuchten, ihnen die Beute wieder abzujagen, und wollten sie angreifen. Von der Stadt aus bemerkte man den Anmarsch, zog den Kölnischen mit Armbrüsten und Büchsen entgegen, versteckte sich und eröffnete das Feuer. Viele Menschen und Pferde der Kölnischen wurden getötet, sodass sie zurückwichen. Die Soester brachten ihre Beute in die Stadt, vor dem Tor ließen sie die Frauen laufen. Sie verwüsteten weiter das kölnische Land und die Kölnischen das Soester Territorium. Eine geregelte Landwirtschaft wird kaum möglich gewesen sein, wenn man sogar Knechte, die mit den Pferden pflügten, erschoss oder Frauen und Mädchen einfing, die z. B. zum Holz sammeln unterwegs waren, sie ihrer Kleider beraubte und sie teils als Gefangene betrachtete, teils schwer misshandelte, teils nackt davon jagte. Das Vieh war geraubt, ein Ackerbau nicht möglich und, wenn man tatsächlich etwas Getreide hat aussäen können, musste man damit rechnen, dass es vor der Ernte auf dem Acker verbrannt wurde.

Der Erzbischof Dietrich konnte dem Treiben keine andere Wendung geben, als er im Sommer 1446 mit seinem ganzen Kriegsaufgebot in der Börde erschien und bei Sassendorf sein Lager aufschlug. Es erfolgten nur neue Verwüstung der Flur, und elf Tage hindurch gab es kleine Scharmützel unter gewaltigem Gekrache der Bombarden und Handbüchsen, welche den Feind fern von den Mauern hielten. Der Spätherbst brachte endlich den Soestern einen entscheidenden Sieg. Der gesamte Stiftsadel von Köln und die Reisigen ihm verbündeter Städte, insgesamt 300 Gewappnete, waren am 29. Oktober 1446 auf der Haar in der Stille zusammengestoßen, um die Stadt Soest zu überrumpeln. Sie näherten sich frühmorgens unter starkem Nebel und Schneetreiben unbemerkt dem Grandweger Tore, da erkannte der wachsame Türmer die Gefahr und alarmierte die Bürgerschaft, die nun unter ihrem Anführer, dem Ritter Konrad Stecke, ihren Bürgermeistern Johann von dem Broke und Johann de Rode und den klevischen Hauptleuten mit 40 Reitern aus der Stadt hervorbrachen und die Angreifer zurück trieben.
 
Sie folgten den fliehenden Kölnischen durch Meiningsen bis auf die Haar hinter Bittingen und setzten ihnen so gewaltig zu, dass Herr Dietrich von Burtscheidt mit dem Stiftsbanner (Kriegsfahne) das Weite suchte. (»Herr Dietrich floh mit seinem Wimpel.«) Auf der Haar bei dem neuen Wartturm (Höhe 241,6 m; 1 km südwestlich von Bittingen; Kreuzung des alten Wegs von Niederense nach Soest mit dem Haarweg), wo sie einen Hinterhalt gelegt hatten, stellten sich die Kölnischen ihren Verfolgern. Die Soester Reiter hielten so lange aus, bis das Fußvolk aus Soest eingetroffen war.

Ein mörderischer Kampf entbrannte, den die Soester für sich entschieden. Sie machten 95 Gefangene, darunter 28 Edelleute unter anderen den Propst von St. Gereon in Köln, Werner von Wittgenstein, und fünf Bürgermeister; auch 130 Pferde wurden erbeutet. Auf der Walstatt (Kampfplatz) aber lagen gefallen Graf Philipp von Nassau-Beilstein und viele andere vornehme Herrn. Der Soester Bürgermeister Johann von dem Broke und fünf weitere Bürger, sowie zwei reisige Knechte (bewaffnete Reiter) aus Soest gerieten in Gefangenschaft. An Beute und später an Lösegeld brachte dieser Tag den Soestern nicht weniger als 32.000 Goldgulden und 9.000 Goldgulden für die Streitrösser und Harnische ein.

Fortsetzung in der Herbstausgabe 2014
 
... veröffentlicht im Heft 137, Seiten 10 und 11, Sommerausgabe 2014
ense-press by haase-druck
Peter Haase
Rauschenberg 82
59469 Ense-Bremen
Tel.: +49 2938 573
E-Mail: info@ense-press.de

ense-press-PDF zum Blättern,
die aktuelle Ausgabe, Heft 149:
23.06.2017
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar
Von Hexen und Ketzern
Wiedenbergkapelle
Niederenser Feldkreuz
100 Jahre Schützenhalle Bremen
Pängel Anton und Deutsches Wirtschaftswunder in Ense
Heimatgeschichte-Archiv
Alte Gewichte, Maße und Münzen
Delecke: 75 Jahre Bismarckturm
Kutsche 1948 in Niederense verunglückt
Ehemaliges Totenläuten vom Niederenser Spritzenhaus
St. Anna-Kapelle
Haus Soerries-Schulte 200 Jahre alt
Farmhouse Soerries-Schulte 200 years
25 jähr. Partnerschaften mit Ense
Klosteranl. Himmelpforten bis 1943
Ense im Mittelalter
Haarstrang 390 Mio. Jahre
Hellmichs 167 Jahre Küster
Gut Oevinghausen Teil 2
Gut Oevinghausen Teil 1
B.Soerries 1883 emigriert
B.Soerries emigrates 1883
Forsthaus Himmelpforten
Tante Emma Laden
Bericht aus 1813
Bauernhaus an der Haar
Badehaus Fürstenberg
Drüggelter Kapelle
90 Jahre Möhnetalsperre
Rittergut Oevinghausen
Kunst St. Bernhardus
Kapellchen Hünningen
Lambertus Reliquie
Kunstwerke St. Bernhard Kirche
Speichergebäude Günne
Heiligenhäuschen Gröchte
"Zum Redde" - Bremen
Vorstenburg, Ense
Emmausgang 1939
Korndiemen an der Haar
Mähdrescher und mehr ...
Berühmte Pfarrer Bremen
Schlacht bei Bremen
Prozessionen Bremen
Kapelle Fürstenberg
Kurfürstl. Kolonen 1, Günne
Kurfürstl. Kolonen 2, Günne
Kommunale Wappen
Lambertus-Skulptur, Ense
Enser Schulwesen 1
Enser Schulwesen 2
Enser Schulwesen 3
The Ruhr Dams Raid
Söbbelers Kreuz
Kloster Himmelpforten (1)
Kloster Himmelpforten (2)
Kloster Himmelpforten (3)
Kloster Himmelpforten (4)
Kloster Himmelpforten (5)
Kloster Himmelpforten (6)
Aktuelle News ense-press >>

CMS by KLEMANNdesign.biz