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Vor 570 Jahren – Soester Fehde

von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

Im Jahre 1447 zogen die Soester vor die Burg Waterlappe, machten zwei Gefangene und raubten 18 Schweine. Inmitten dieser Kämpfe wurden mancherlei - im Ganzen vierzehn - Sühneversuche (Versuche, einen Rechtsstreit gütlich beizulegen) in verschiedenen Städten unternommen, die alle ohne Ergebnis blieben. Einmal auch erbot sich Erzbischof Dietrich, er wolle sich allein mit dem Junker von Kleve schlagen, im offenen Feld oder in einer Stube, ohne Rüstung oder gewappnet, was Junker Johann freudig annahm, »obgleich ihm die Sache an einem Priester fremd dünkte«. Nun aber entzog sich der Erzbischof wieder seinem Wort.

Er hatte unterdes andere Mittel, Soest zu demütigen, gefunden: Nicht allein die Bischöfe von Minden, Hildesheim und Münster und die Kurfürsten von der Pfalz und von Sachsen, Herzog Wilhelm von Sachsen, Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg, Herzog Wilhelm von Braunschweig und zahlreiche andere mächtige Herren standen jetzt auf seiner Seite, selbst die freie Stadt Dortmund, die samt und sonders Soest die Fehde ansagten, hatte er für seine Sache gewonnen. Auch noch ein Heer hussitischer Söldner aus Böhmen hatte er an sich gezogen, die Herzog Wilhelm von Sachsen angeworben und die, als dieser ihrer Dienste in seinem Land nicht mehr bedurfte, sich nicht hatten heimsenden lassen wollen, sodass Herzog Wilhelm, um ihrer entledigt zu sein, sie dem Bischof von Köln wider seine Ungehorsamen anbot.

Der Bischof nahm bereitwillig ihren Dienst an, und so führte Herzog Wilhelm von Sachsen am 2. Juni 1447 rund 9.000 Böhmen zu Pferde mit ihren Trabanten (Mitläufern) und 10.000 zu Fuß, zusammen über 30.000 Mann, bei Höxter und Holzminden über die Weser, sein Heerzug hinterließ weithin grauenhafte Zerstörung.

Aber auch der Junker von Kleve verstärkte sein Heer: Er hatte an Burgund einen Helfer gefunden, außerdem standen ihm märkische Städte bei. So kam es, dass des Erzbischofs Macht sich an den Mauern von Lippstadt und Soest brach. Nachdem dieser einen großen Teil Westfalens, das Lippische und das linke Weserufer hatte verheeren lassen, stürmte er zwölf Tage lang vergeblich das vom Junker von Kleve verteidigte Lippstadt, zog dann auf Peter-Pauls-Tag 1447 (29. Juni) vor Soest und hub an, die Mauern zu beschießen und Sturmleitern von mächtiger Größe zu fertigen.

Am 30. Juni, abends 8 Uhr, entdeckte der Turmwächter das heranrückende Heer bei Lohne und läutete die Glocken. Ermutigt durch den Lippstädter Widerstand, und um das weidende Vieh zu retten, zogen die Bürger am anderen Morgen in geschlossenem Haufen aus Osthofen- und Thomaetor dem Feinde entgegen. Sie begannen aus ihren Steinbüchsen zu schießen, als die Böhmen ihre Flügel umgingen und schnurstracks gegen die Tore rückten. Die Soester liefen, was sie konnten. Die Steinbüchsen blieben stehen. Mit Geschrei drängte alles in die Tore. Im Anlauf stürmte der Feind das Walburgisstift und erschlug die Besatzung. Als Letzter floh der Jungherzog in die Stadt. Der Feind bezog auf der großen Wiese im Osten sein Lager.
  Am 3. Juli machte er von dem Stift aus den ersten Sturm, es war um Soest geschehen, wenn nicht der heilige Patroklus die eingeschüchterte Bürgerschaft aufgerichtet hätte. Geistlichkeit und Schüler trugen den Schrein um die Wälle, durch den Geschosshagel, an vier Stellen wurden die Evangelien verlesen, im Dom wurde vor dem Grabe Patrokli gebetet, als eine Stimme ertönte:
»Ich helfe euch in der Not.
Des weren die borger wolgemoet,
se worden desto fueriger allgemein
und achteden ere viende gar klein.«

(Ich helfe euch in der Not,
Da wurden die Bürger wohlgemut,
sie wurden desto feuriger allgemein
und achteten ihre Feinde gering.)
 
Anderen Tages versuchten sie, das Walburgisstift zurückzuerobern, aber die böhmischen Bogenschützen, nackt im Korn verborgen, jagten sie zurück. Not und Angst waren am höchsten, die altersschwachen Mauern zerschossen, als Dietrich am 19. Juli allgemeinen Sturm befahl.

Drinnen aber, wo der junge Herzog mit 800 Reisigen angekommen, trug man St. Patroklus‘ Gebein umher und las an den vier Enden der Stadt ein Stück der vier Evangelisten ab. Dann begann das Stürmen: Zu Hunderten klimmte das wilde Volk des Bischofs die Leitern hinan, aber die Bürger wichen nicht. Die Weiber traten in ihre Reihen, und »was schwirrende Bolzen und Tarass- und Hackenbüchsen verschonten, das stürzte der Weiber glühender Brei und brodelndes Wasser in die Gräben« hinunter.

Auf drei Seiten stürmte das Heer, am Brüdertor der Bischof selbst voran. Helm und Schild, Geschenke des französischen Königs, wurden von drei Pfeilen getroffen, aber die Stürmenden erreichten nichts, die Leitern waren zu kurz. Am Abend lagen fünfzig Tote und an tausend Verwundete in den Gräben, viele von den Flüssigkeiten versengt, die die Weiber herabgegossen hatten. In der Nacht machten die Böhmen einen Aufruhr wegen des Soldes und zogen ab.

Der Kleinkrieg aber ging weiter. Im Jahr 1448 ritten Hovestädter in die Soester Feldmark und raubten einige Ackerpferde, worauf die Soester zu Himmelpforten Pferde, Kühe, Schweine und Schafe raubten. So ging die Fehde ohne rechte Entscheidung weiter. Am Dienstag nach dem 6. Sonntag nach Ostern (Exaudi, Dienstag vor Pfingsten), es war in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai, versuchten die Soester die Stadt Belecke, das »Raben-Nestchen«, im Sturm zu erobern. Die Verteidiger wehrten sich entschieden und warfen u.a. Bienenkörbe von der Mauer herab. Der Bürgermeister Wilken ergriff eine Soester Fahne, die bereits auf die Mauer gepflanzt worden war, und fiel mit ihr tot in die Stadt zurück. (Diese Fahne wurde erst 1805 beim Brand des Rathauses ein Opfer der Flammen.) Noch heute begeht man in Belecke am Mittwoch vor Pfingsten den »Sturmtag«.

Im Jahre 1449 wurden die Stadt Soest und ihr Gebiet dem märkischen Teil von Kleve einverleibt, behielt aber eine der Reichsunmittelbarkeit gleiche Stellung, ist also endlich »von got dem heren eerstlik, darna dorch ere dapfere manheit von der tyrannischen bischopfe gewalt und pfaffen regiment erloset«. (»Erstens von Gott dem Herren, darnach durch ihre tapfere Mannschaft von der tyrannischen Gewalt des Erzbischofs und dem Regiment der Pfaffen erlöst.«)

So kam es, dass alle Anstrengungen der Belagerer, die man, wohl übertrieben, mit 80.000 angibt, nichts ausrichteten, auch nachdem sie das vor der Stadt liegende Walburgisstift erstürmt hatten. Des Bischofs ganze Heerrüstung blieb fruchtlos, sein Volk löste sich nach vier Wochen getümmelvoll auf; die Böhmen fanden keinen Unterhalt mehr, erhielten vom Bischof keinen Sold. Dieser ergriff sogar vor ihnen selbst die Flucht und rettete sich nach Geseke. Nun begann der kleine Krieg wieder, bis man sich 1449 zum Frieden einigte.
 
Adolf, sein Vater, wie die Gesandten von Soest kamen dazu nach Köln. Papst Nikolaus V. sandte den Kardinal Johannes Sancti Angeli zur Verhandlung, und dieser wusste es dahin zu bringen, dass man dem Papst die Entscheidung der Frage anheimstellte, wessen von nun an Soest sein sollte. Dieser entschied, sie bleibe für immer in der Schirmherrschaft des Herzogs Johann und seiner Nachkommen. Das bestätigte auch Kaiser Friedrich III., und so hatte Dietrich von Moers umsonst sich »arm gemacht und geworben an ungeheuren Rüstungen«. Die Soester aber hatten ihr Recht gewahrt und ihren Kopf durchgesetzt, keine unnützen Schreibereien in ihrem Gebiet dulden zu wollen.

Als Resümee kann man festhalten: Die Soester und ihre Verbündeten verbrannten und zerstörten u. a. Erwitte, Anröchte, Westernkotten, Salzkotten, Geseke, Werl, Menden, Wickede, Herzfeld, Neheim, Hüsten, Herdringen Müschede, Eimer, Büderich, Kallenhardt, weitere kleinere Dörfer und Einzelhöfe. Die festen Häuser Bruchhausen, Varnhagen, Welschenbeck. Die Landsbergischen Häuser in Erwitte und viele andere wurden dem Erdboden gleichgemacht. Mehr als 950 Gefangene wurden genommen, von denen acht aufgehängt wurden, 618 Pferde, 2022 Kühe, 655 Schweine, 1650 Schafe, 250 Ziegen, 350 Ackerpferde, 452 Wagen und 1615 Wagen mit Bau- und Brennholz wurden erbeutet. Die Verluste beliefen sich auf 148 im Kampf Gefallene, 345 wurden gefangen genommen, und 359 Pferde gingen verloren.

Die Bilanz der kölnischen Seite sah ähnlich aus: Verbrannt waren Neuengeseke, Ampen, Sassendorf, Einecke, Weslarn, Schwefe, Lohne, Ostönnen, weitere Dörfer und Einzelhöfe bis hin ins Lipperland, ins Ravensbergische und entlang der Ruhr bis nach Wetter. Sie nahmen 345 Mann gefangen, von denen sie vier ermordeten und 15 aufhängten, weiterhin 332 Frauen und Mädchen, die sie schwer misshandelten. Sie erbeuteten weiterhin 175 Kriegspferde, 403 Kühe, 132 Schweine, 500 Schafe, 17 Wagen. Verluste: 2.675 Mann fielen im Kampf, 445 wurden gefangen genommen, auch 1.134 Pferde gingen verloren usw. Natürlich wird die Gesamtzahl der Opfer wesentlich höher gewesen sein. Die gesamte Gegend war verwüstet.

Nach dem Abzug der Feinde zerstörten die Soester das Walburgisstift. Es wurde in die Stadt verlegt und 1454-80 neu gebaut. Der Chor der Kirche wurde 1509 geweiht; sie war einschiffig. 1879 wurde sie abgebrochen. –

Nachdem die alte Inschrift, die sich ehemals am Walburger Tor befunden hatte, fast unleserlich geworden, am Rathaus eingemauert worden war, setzte man eine neue daneben mit gleicher modernisierter Inschrift:

»Im Jahre unsers Herrn 1447
des Freitags nach St. Peters und Pauls
Tage zog Herr Diedrich von Moers Erz-
bischof von Cöln mit den Bischö-
fen von Münster, Hildesheim und Min-
den, dem Herzoge von Sachsen, Mark-
grafen von Meissen, dem Herzoge von
Braunschweig, den Böhmen, dem
Grafen Sternbrock, Nassau, Katzenel-
lenbogen, Sayn, Wittgenstein Waldeck,
Hanau, Spiegelbrock, Retberg, Pyr-
mont und vielen anderen Herren vor
Soest und Stürmten die Stadt auf den
Mittwoch an St. Arsenius des Heil. Tages,
die von dem hochgeborenen Fürsten,
Herrn Johann Herzog von Cleve, und
von Bürgern von Soest wurden von da
getrieben. Des Gott gelobet
sei ewiglich.«

... veröffentlicht, Ausgabe 138 / Herbst 2014, Seiten 10 und 11
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