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Scheda – Die Gründung des Klosters
von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

Es war eine turbulente Zeit mit Königen und Gegenkönigen, Päpsten und Bischöfen, und wer sie einsetzen durfte, der Papst oder der Kaiser oder König, und die Streitigkeiten wurden mit Waffen ausgetragen, hinzukam die Idee der Kreuzzüge. Da bauten im Mittelalter die Edelherrn von Ardey in Scheda (heute Gemeinde Wickede/Ruhr) eine neue Burg nordwestlich und oberhalb des Hünenknüfers (Bentrop, heute Stadtteil von Fröndenberg), einer Turmhügelburg (sog. Motte) über der Ruhr.

In den Urkunden wird als Erster der Edelherr Voland gegen 1130 genannt, als er eine Kapelle auf dem Burghof zu Ehren des hl. Severin von Köln erbaute. Voland starb in den besten Mannesjahren und hinterließ seine Witwe Wiltrudis und drei Söhne, von denen bald zwei zum Kampfe gegen die Ungläubigen zum Kreuzzug auszogen (2. Kreuzzug unter Kaiser Konrad III. *1093 oder 1094, †15. Februar in Bamberg, Staufer, 1116/20 Herzog von Franken, 1127-1135 Gegenkönig von Lothar III., von 1138-1152 König). Da nun Jahre vergingen, ohne dass Nachricht von ihnen in die Heimat kam, nahm man schließlich an, sie seien gefallen. Auf Zureden des frommen, weithin verehrten Priesters Eckhard verwandelten die Witwe Wiltrudis und ihr Sohn Rathard das Schloss unter dem Titel der hl. Maria und des hl. Petrus um 1146 in ein Kloster für Prämonstratenser.

 
Was sind Prämonstratenser? Der Ordensgründer Norbert von Xanten (*1080/1085 in Gennep oder Xanten, †6. Juni 1134 in Magdeburg) war von 1126 bis 1134 Erzbischof von Magdeburg und eine Zeit lang auch Vertreter des Erzbischofs von Köln unter Kaiser Lothar III. Er war einer der zahlreichen Wanderprediger zu Beginn des 12. Jahrhunderts, die in der Nachfolge Christi mit zahlreichen Jüngern besitzlos umherzogen. Mit diesen Anhängern, Männern wie Frauen, gründete er 1120 im Tal von Prémontré bei Laon in Nordfrankreich (locus a Deo praemonstratus – von Gott bezeichneter Ort) einen religiösen Orden, den man später nach dem Gründungsort »Prämonstratenser« oder auch nach dem Gründer »Norbertiner« nannte.

Der selbst zog weiter predigend umher. Die erste Klostergründung dieses Ordens in Westfalen war das Kloster Cappenberg bei Lünen. Hier hatte auf dem »Kappenberg« eine hoch angesehene Adelsfamilie, die sich seit 1092 auch nach dem Berg benannte, die mit den Kaiserfamilien der Salier und Staufer verwandt war, ihren Sitz.

Im Februar des Jahres 1121 zogen die beiden Grafenbrüder Otto und Gottfried unter Führung des Herzogs von Sachsen, Lothar von Supplinburg (*vor dem 9. Juni 1075; †3. Dezember 1137 bei Breitenwang in Tirol; damals noch Herzog von Sachsen, ab 1125 König, ab 1133 Kaiser), gegen Kaiser Heinrich V. (*11. August(?) 1081 oder 1186; †23. Mai 1125 in Utrecht, Salier, ab 1106 König, ab 1125 Kaiser) nach Münster und zerstörten einen großen Teil der Stadt, darunter auch den alten Dom. Sie hatten sich damit des Landfriedensbruchs oder gar des Hochverrats schuldig gemacht, stifteten in ihrem Stammsitz ein Kloster, in das sie selbst zur Sühne ihrer Taten eintraten.

So blieben sie nach dem Brauch der Zeit straffrei. Gottfried (*1096/97 in Cappenberg; †13. Januar 1127 in Ilbenstadt bei Friedberg in Hessen) hatte 1120 die Erbtochter Ida (auch Jutta) des Grafen Friedrich des Streitbaren von Arnsberg (*um 1075; †11. Februar 1124) geheiratet, die nach seinem Tode das klösterliche Stift, in das sie eingetreten war, verließ und 1132 den niederländischen Grafen Gottfried von Cuyk (†1168) heiratete, der das jüngere Geschlecht der Grafen von Arnsberg begründete. Häufig wurden Prämonstratenser-Klöster in ehemaligen Burgen oder befestigten Höfen gegründet. In unserer Region z. B.: das Kloster Wedinghausen in Arnsberg um 1170; Oelinghausen 1174, Rumbeck 1193.

  Zurück nach Scheda: Der Umbau der Burg begann. Die hohe Umfassungsmauer und der breite Torweg blieben stehen. An der Stelle der eigentlichen Burg aber wurde das lang gestreckte Klostergebäude errichtet. Die Klosterkirche wurde im Osten aufgebaut; sie war ein stattliches Bauwerk, einschiffig, im romanischen Stil, im Westen mit zwei Türmen geziert, im Innern mit drei Altären ausgestattet.

Noch war der Umbau nicht ganz beendet, da kehrten die beiden tot geglaubten Kreuzfahrer mit zahlreichem Gefolge zurück. Überrascht sahen sie die Veränderung, und nach dem ersten Erstaunen brach bei ihnen die helle Entrüstung über die Handlungsweise der Mutter aus. Sie sollen zunächst versucht haben, das Kloster in Brand zu stecken und niederzureißen, während eine andere Sage erzählt, die Heimgekehrten seien auf Bitten der Mutter selbst Mönche geworden.

Hermannus Judaeus –Hermann, der einst ein Jude war

Scheda wurde von den Cappenbergern besiedelt. An der Spitze der Mönchskolonie schreitet der Propst Hermann, der seine Biographie selbst verfasst hat.

Es war die Zeit nach dem ersten Kreuzzug, als Hermann, der damals noch als Juda aus dem Stamme Levi, Sohn von David und Sephora, in Köln 1107 oder 1109 als Jude geboren wurde.

Als Zwanzigjähriger besuchte er eines Tages mit mancherlei Waren die Stadt Mainz, die damals noch einer der bedeutendsten Handelsplätze im Reich war (ca. Herbst 1127). Dort hatten sich die Großen des Reiches versammelt und warteten auf den Lothar von Supplinburg, der inzwischen zum König gewählt worden war, aber der Herrscher verspätete sich, und man harrte auf seine Ankunft wochenlang. Dem neu gewählten Bischof Ekbert von Münster ging das Geld aus, aber er wagte nicht abzureisen, weil der König ihn noch mit wichtigen weltlichen Rechten in der Diözese belehnen musste. In dieser Notlage lieh Juda ihm eine namhafte Summe, ohne jegliche Sicherheiten dafür zu verlangen. Vielleicht kannte er den frisch gewählten Bischof bereits aus Köln, wo Ekbert zuvor Domherr gewesen war.

Zurück in Köln machten die Eltern dem jungen Handelsherren bittere Vorwürfe über die Handlungsweise. Er solle so lange in Münster warten, bis er auf Heller und Pfennig sein Geld bekommen hat. Diese Reise sollte mehr als zwanzig Wochen dauern. Die Langeweile quälte den jungen Mann, der vorher eine sorgfältige Erziehung genossen hatte, auch hebräisch lesen und sprechen konnte. Er diskutierte mit katholischen Theologen Abende lang über Bibelstellen oder über jüdische Ritualvorschriften. Sein Lehrer Baruch, den man ihm mitgeschickt hatte, konnte nur den Kopf schütteln, denn Hermann ging allerdings auch in die Domschule, um Latein zu lernen, lieh sich Bücher aus, studierte Grammatik, paukte Vokabeln. Sein damals bekanntester Gesprächspartner war der berühmte Abt Rupert von Deutz, mit dem er sich um die wahre Lehre gestritten hat, aber keiner konnte den anderen überzeugen.

Der Aufenthalt in Münster war für Juda ausgesprochen angenehm, der Reichsbischof – ein Fürst – gestattete dem Juden einen Platz am Ende seiner Tafel, was später geradezu völlig unmöglich sein sollte. Ja, der Diözesankämmerer Richmar verzichtete eines Tages auf einen ihm zugedachten Ehrenbissen zugunsten des jungen Herrn aus Köln. Ekbert mochte keine Diskussionen bei Tisch, aber er nahm Juda mit auf eine Visitationsreise ins Prämonstratenserstift Cappenberg.

Das war für den Kölner Kaufmannssohn eine erstaunliche Angelegenheit: Die beiden Stifter waren reich gewesen, Fürsten. Und nun liefen sie umher in elender Kleidung mit Tonsur und übten sich in Askese, Fasten, Beten, Nachtwachen. Zu einer Entscheidung kam es bei ihm nicht, aber die Leute imponierten ihm.

Zurück in Münster kurz vor Ostern näherte sich der Aufenthalt in der Domstadt dem Ende. Die Abgaben der Landleute an den Bischof werden fällig, Ekbert bezahlte seine Schulden, und der junge Kaufmann kehrte nach Köln zurück, seine Eltern spürten die Veränderung, die in ihm vorgegangen ist, und verlangten, dass er endlich heiraten solle. Baruch, sein alter Lehrer und Vertrauter, starb plötzlich am Fieber und erlebte die Hochzeit seines Schützlings nicht mehr.

Aber Hermann, wie er später heißen wird, fand keine Ruhe. Er wendete sich an zwei Einsiedlerinnen, die für ihn beten wollen. Sein Entschluss stand fest, er wollte sich taufen lassen.

Er reiste auf dem Landweg nach Mainz, wo er einen Halbruder von sieben Jahren hatte, in Begleitung eines christlichen Geistlichen, Wolkwin, des Hofkaplans der Königin von Polen. Dem hatten die Kölner Juden ein hebräisch abgefasstes Schreiben an die israelitische Kultusgemeinde in Mainz mitgegeben. Was wohl in dem Briefe stehen mag? Nach langem Reden waren die Skrupel des Priesters ausgeräumt, er übergab das Schreiben. Hermann öffnete es, las und übersetzte: Er sei ein treuloser Abtrünniger, man möge in Mainz nach mosaischem Gesetz mit ihm verfahren: Das heißt Todesstrafe!

Über Worms, wo ein anderer Bruder wohnte und wo Hermann nur knapp der Verfolgung durch orthodoxe Juden entging, reiste er weiter nach Mainz. Hier entführte er seinen kleinen Halbbruder und floh über Flonheim in den Hunsrück nach Ravengiersburg in Sicherheit.
 
In der relativ toleranten Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kreuzzug zählte eine Judentaufe zu den großen Seltenheiten. Das kirchliche Zeremoniell entfaltete sich mit Gepränge. Der Dom zu Köln war dicht mit Menschen gefüllt, der Klerus der gesamten Stadt hatte sich eingefunden, Taufwasser wurde in den tonnenförmigen Steinbrunnen gefüllt, dann geweiht. Hermann legte das Glaubensbekenntnis ab. Man hatte ihm alles beigebracht, doch nicht gesagt, dass er nicht nur einmal, sondern dreimal in dem Becken untertauchen müsse. Hermann tauchte ein, das Wasser war eiskalt, Hermann wollte so schnell wie möglich wieder hinaus. Der Priester war entsetzt: Wird der Israelit rückfällig? Nur mit Nachdruck konnte das Sakrament ordnungsgemäß zu Ende geführt werden. Die versammelte Gemeinde schüttelte sich vor Lachen.

Hermann trat in das Prämonstratenser Stift Cappenberg ein, wie auch sein kleiner Halbbruder. Er lernte Latein, studierte Theologie und empfing die Priesterweihe.

Später finden wir ihn in Scheda, die Zeugnisse sind spärlich, weil das Archiv größtenteils vernichtet ist. Er ist wahrscheinlich als alter Mann nach Köln zurückgekehrt und bald nach 1181 gestorben, wahrscheinlich an einem 6. August. Beigesetzt wurde er aber in Scheda.

Hermann wird neben dem oben erwähnten Priester Eckhard als Heiliger des Prämonstratenserordens verehrt. Beider Gebeine wurden am 23. Juni 1628 in der Kirche zu Scheda durch den Kölner Generalvikar Johannes Gelenius, den Abt Bernhard Teveren von Knechtsteden und den Propst Wilhelm Grüter von Scheda ausgegraben und nach der Margarethenkirche zu Köln gebracht, wo sie später verehrt wurden.

Auf einer Steinplatte auf dem Grab war ein betender Priester abgebildet, in den Gewändern, wie sie bei den Prämonstratensern üblich waren, zu Füßen der Figur ein Judenhut.

Am 25. Februar 1803 wurden alle Klöster aufgehoben. 1817 wurde die Klosterkirche zu Scheda abgebrochen. 1861/62 wurden die beiden Türme zusammen mit der Propstei abgerissen. Neuerdings wird in der Forschung diskutiert, ob Hermann wirklich Propst in Scheda gewesen sei.


... veröffentlicht in der Sommerausgabe 2015, Nr.: 141, Seiten 10 und 11.
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die aktuelle Ausgabe, Heft 149:
23.06.2017
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
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Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
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