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2. März 1586 | »Der Bremer Lauf«, die Schlacht auf der Haar

2. März 1586 | Der Bremer Lauf
Die Schlacht auf der Haar bei Bremen (Krs. Soest)
von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

Um 4 Uhr morgens gellten die Feuer- und die Sturmglocken in der Stadt, ein roter Feuerschein erhellte die Nacht von Mittwoch, den 26. auf Donnerstag, den 27. Februar 1586 aus Richtung Werl, das Donnern schwerer Büchsen und Kanonen schreckte die Bewohner der Haar auf. Was war geschehen? Die Stadt Werl war überfallen worden. Bei der nördlich der Stadt gelegenen Mühle brannte ein Haus lichterloh, kurz darauf auch an verschiedenen Stellen des am Schloss gelegenen westlichen Stadtteils.
 
Zur Vorgeschichte: Der Erzbischof von Köln Gebhard Truchsess von Waldburg (*10.11.1547; †31.05.1601 in Straßburg) war Protestant geworden und hatte am 2. Februar 1583 in Bonn die schöne Gräfin Agnes von Mansfeld (*1551; †1637), die vorher Stiftsdame in Gerresheim/Düsseldorf gewesen war, geheiratet. Daraufhin war er am 1. April 1583 vom Papst seiner Ämter für verlustig erklärt worden und sein bei der Wahl 1577 unterlegener Rivale Ernst Herzog von Bayern (*17.12.1554; †17.02.1612 in Arnsberg) war am 22. Mai 1583 zum Erzbischof gewählt worden.

Nach dem die Godesburg (Bonn) am 7. Dezember 1583 durch bayerisch-spanische Truppen erobert worden war, konnte sich Gebhard im Rheinland nicht mehr halten und war mit Gattin und Gefolge in die westfälischen Besitzungen des Kurfürstentums nach Werl geflohen, darunter befand sich auch ein Eberhard von der Reck, den er zum Richter in Werl bestellt hatte. Aber auch hier dauerte der Aufenthalt des abtrünnigen Erzbischofs nicht lange, die Landstände erklärten mehrheitlich, katholisch bleiben zu wollen. Da entwichen der abgesetzte Erzbischof (Mitte März 1584) in die Niederlande, die sich gerade im Unabhängigkeitskampf gegen Spanien befanden, und danach (Anfang April) auch der von ihm ernannte Richter.

Der neue Erzbischof Ernst wurde als Landesherr am 5. Juni 1584 beim sagenhaften Birkenbaum bei Holtum im Herzogtum Westfalen willkommen geheißen.
 
Der entlassene Richter bewegte in Neuss den berüchtigten Söldnerführer Martin Schenk von Nideggen (*~1540; †10.08.1589) wahrscheinlich mit zu einem Feldzug, um für seinen abgesetzten Erzbischof das Herzogtum Westfalen zurückzuerobern. Schenk hatte seine Laufbahn in katholisch-spanischen Diensten begonnen, sich aber mit dem Heerführer Alexander Farnese, dem Herzog von Parma (*27.08.1545, †3.12.1592), überworfen und war 1585 dann zur protestantisch-niederländischen Seite übergelaufen, wo er sich bald als erfolgreicher, aber skrupelloser Feldherr hervortat.

Graf Adolf von Neuenahr (*~1554; †10.1589), ebenfalls ein Parteigänger Gebhards, der gleichzeitig auch Bevollmächtigter der Niederlande war, hatte die Stadt Neuss am 10. Mai 1585 überfallen, besetzt und den Hauptmann Hermann Friedrich von Cloedt (*vor 1560 in Nateln/Welver; †26.07.1586; Anm.: Die Schreibweisen des Familiennamens sind sehr verschieden.) als Kommandanten eingesetzt. Am 20. Mai 1585 schlossen der abgesetzte Erzbischof Gebhard von Waldburg, Schenk und der Graf von Neuenahr einen Vertrag, in dem Schenk zum kurfürstlichen Feldmarschall ernannt wurde. Robert Dudley, 1. Earl of Leicester (*24.06.1532; †04.09.1588) stellte mindestens einen Teil der Truppen. Die englische Königin Elisabeth I. hatte ihn 1585 als Kommandeur der englischen Truppen zur Unterstützung der Protestanten im Kampf gegen Spanien in die Niederlande entsandt, wo er zum Generalgouverneur ernannt wurde. Am 25. Februar 1586 brach der Zug von Neuss nach Werl auf. 500 Reiter und ca. 600 Mann Infanterie setzten sich unter dem Befehl von Schenk und Cloedt nach Osten in Marsch.

Der Überfall spielte sich dann wie folgt ab: Ein Haus neben der Mühle an der Stadtmauer im Norden der Stadt war zur Ablenkung der Bürger in Brand gesetzt worden. Als diese nun, um das Feuer zu löschen, die Tore öffneten, schlichen sich einige Kämpfer in die Stadt und steckten weitere Häuser im Westen beim Schloss in Brand. Die allgemeine Verwirrung nutzte das Kriegsvolk nun aus, im Osten über die Stadtmauern zu steigen, die Tore aufzubrechen und die Reiterei in die Stadt einziehen zu lassen. Die Tore wurden besetzt und niemand durfte passieren.
 
Das alles ging so schnell, dass die Bürger, die gerade noch ihre Habe hatten, bergen oder löschen wollen, völlig überrumpelt worden waren. Einige wollten sich ins Schloss retten, aber der Kommandant Johann von Werminghausen ließ außer dem Bürgermeister Gerhard Brandis und dem Richter Dietrich von Lilien niemand hinein, aus Sorge, es könnten sich auch einige von Schenks Leuten darunter befinden. Das Schloss allerdings konnten Schenks Truppen nicht einnehmen, sondern nur die Stadt. Ein Übergabeangebot wurde von der Schlossbesatzung abgelehnt. Werminghausen erbat vom Landdrosten Eberhard von Solms (*11.02.1530; †30.06.1600 in [Warstein]-Hirschberg) Verstärkung und Proviant. In Arnsberg traf die Regierung des Herzogtums Maßnahmen zur Verteidigung.

300 Mann wurden sofort mit Proviant zur Schlossbesatzung nach Werl geschickt, dort konnten aber nur 100 aufgrund der beschränkten Platzverhältnisse aufgenommen werden. Der Landdrost ernannte Christoph von Plettenberg zum Oberst und Kommandeur der Truppe und Raban von Hanxleden zu dessen Lieutenant (Stellvertreter) und erließ ein Aufgebot an den Adel, von denen nur wenige folgten, an die Städte und Dörfer, sich zum Kampf gegen die Eindringlinge an der Burg Waterlappe bei Bremen einzufinden. Als dort immer mehr kriegsmäßig ausgerüstete Westfalen eintrafen, genaue Zahlen sind nicht bekannt, beschlossen Schenk und Cloedt, um der drohenden Umzingelung in der Stadt zu entgehen, einen Entlastungsangriff zu unternehmen. Das war zwar richtig gedacht, hatte aber einen risikoreichen Nachteil, denn der taktische Zug musste bergaufwärts und außerdem in einem unbekannten Gelände durchgeführt werden.

Am Sonntag, den 2. März, erfolgte der Ausfall. Schenk teilte seine Reiterei in drei Abteilungen, von denen eine die nur ca. 60 Mann zählende Reiterei der Westfalen angriff. Diese ritt vor, feuerte ihre Büchsen auf den Feind, wendete die Pferde, um zurückzureiten und neu zu laden, als die völlig kampfunerfahrenen Infanteristen diese Bewegung als Flucht verstanden und anfingen, bald in einem völligen Durcheinander zu fliehen. Die feindlichen Reiter erschlugen so viele, wie sie erreichen konnten.
 

Nur 30 Büchsenschützen aus dem Schloss in Arnsberg hatten sich in einem Hohlweg verschanzt und feuerten gezielt auf Schenks Leute. Der gab ihnen ein Signal, ritt an sie heran, zog seinen Hut und sprach: »Tapferste Männer, ihr habt wie Helden gekämpft, ich muss euch loben; – lasst es jetzt aber genug sein! – Seht doch, die Eurigen sind zum Teile niedergemacht, zum Teile auf der Flucht, was wollt ihr wenigen denn noch? – Ehrenvoll will ich euch aufnehmen und als die tapfersten Krieger behandeln.« Aber einer der Schützen zielte und schoss Schenks Begleiter vom Pferd, der nun versuchte zu entkommen, doch ein Schuss aus einer zweiten Büchse durchschlug den Sattel von hinten und die Kugel blieb in Schenks Oberschenkel stecken.

Am Ende lagen 280 Tote noch für mehrere Tage auf dem Schlachtfeld, ungefähr 600 waren auf der Flucht zur Fährstelle bei Haus Füchten erschlagen worden oder in der Ruhr ertrunken. Wo sie beigesetzt worden sind oder ob vielleicht irgendwo ein Massengrab existiert, ist nicht mehr bekannt. Fast in jedem Dorf des Herzogtums herrschte Trauer, dennoch sind nur wenige Namen der Toten überliefert: Heinrich Guntermann von Plettenberg, der vor seiner Heirat Pastor in Elspe war, Meffart von Broech, Engelbert Richter aus Sümmern; Johann Vogt von Ebbinghof bei Fredeburg berichtet vom Tod seines einzigen Sohnes in der Schlacht und Hermann Vasbach, der selbst daran teilnahm, berichtet von sieben Gefallenen allein aus (Lennestadt-)Hundem. Unterhalb des Haarwegs westlich von Ruhne erinnert heute an einem parallel laufenden Weg ein Gedenkkreuz mit seiner Inschrift an dieses leidvolle Ereignis.

Die Schlacht hatte Schenk zwar gewonnen, aber das stark befestigte Schloss wollte sich nicht ergeben, sondern die Besatzung eröffnete immer wieder das Feuer auf seine Leute. Als dann noch die Nachricht eintraf, ein großer Heerhaufen nähere sich vom Rhein und zöge wohl gegen Werl, verließen Schenk und Cloedt mit ihrer Truppe am 8. März 1586 um 9 Uhr abends die Stadt in Richtung Hamm zum Lippe-Übergang. Zuvor plünderten sie eine Stunde lang die Stadt und nahmen eine große Zahl Geiseln, darunter die Brüder Kleinsorgen, den Bürgermeister Johannes Pape, der bereits krank dann in Dorsten starb, und viele andere Gegner des abgesetzten Erzbischofs Gebhard, die man gegen ein hohes Lösegeld dann wieder frei ließ.

In der Stadt Werl blieben 50 der verwegensten Leute zurück mit dem Auftrag, in der folgenden Nacht möglichst viele Brände in der Stadt zu legen: Die Schlossbesatzung erschlug am nächsten Morgen 20 Mann von ihnen und nahm die anderen 30 gefangen.
 

Eine Folge der Ereignisse waren die Gründungen vieler Schützenvereine in der Gegend, in Menden 1604, Neheim 1607, Arnsberg 1608, Körbecke 1611 usw., man wollte nie mehr militärisch so unvorbereitet sein.

Die weiteren Schicksale der Abenteurer: Hermann Friedrich von Cloedt starb am 26. Juli 1586 in Neuss bei der Rückeroberung durch kurkölnische Truppen. Nach verschiedenen Berichten wurde er erdrosselt oder erhängt. Martin Schenk von Nideggen machte noch eine Weile von sich reden, er erhielt am 23. April 1586 in einer feierlichen Zeremonie den Hosenbandorden, den höchsten englischen Orden, aus der Hand vom niederländischen Generalbevollmächtigten Robert Dudley 1. Earl von Leicester, der ihn bei dieser Gelegenheit zum Ritter schlug und sich vorher schon mehrfach positiv über Schenks Kaltblütigkeit geäußert hatte.

Bei einem missglückten Überfall auf Nimwegen am 10. August 1589 sprang er auf der Flucht wieder in sein Boot, fiel über Bord und, weil er sich wegen seines »schussfesten« Harnischs nicht über Wasser halten konnte, ertrank er jämmerlich wie einige Jahre zuvor die historische Figur für Schillers Drama der Graf von Lavagna Giovanni Luigi de Fieschi genannt Fiesco (*1524/25; †1547). Seine Leiche wurde herausgefischt, geköpft, dann gevierteilt und an den Toren der Stadt aufgehängt.

Als eine Woche später die Protestanten die Stadt einnehmen konnten, wurden die Teile wieder eingesammelt, und Martin Schenk von Nideggen erhielt ein Staatsbegräbnis. Adolf Graf von Neuenahr wurde im Oktober 1589 in Arnheim tödlich verwundet, als eine von ihm selbst hergestellte Petarde, eine Art von Kurzkanone an einem Stiel zum Zerschießen Toren und anderen Befestigungen, nicht wie vorgesehen explodierte.

Für einen Augenblick hatten viele in Europa ihre Aufmerksamkeit auf das Kirchdorf Bremen an der Haar gerichtet und auf die Stadt Werl, von der sich wegen der mangelnden Aufmerksamkeit der Bewohner folgender Spottvers erhalten hat:

»Wenn eyn Wyf an den muren gesetten und hedde gespunnen, Schenk hedde Weerl nymmer gewunnen.«

Übersetzt: Wenn ein Weib hätte an der Mauer gesessen und gesponnen, Schenk hätte Werl niemals gewonnen (erobert).
 
... veröffentlicht in der Frühjahrsausgabe 2016, Heft 144, Seiten 10 und 11.
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