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16. Juli 1816 | Die Heimat wird preußisch

16. Juli 1816 – Die Heimat wird preußisch
Bis zu diesem Datum wohnten die Bewohner der Haar in Hessen.
von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

 
Als die Bewohner der Haar am 15. Juli des Jahres 1816 zu Bett gingen, waren sie voller Sorgen. Seit mehreren Jahren gab es eine große Teuerung. Auch jetzt war keine Besserung abzusehen, die Lebensmittelpreise blieben unglaublich hoch, und die Ernte drohte, vollständig auszufallen, das Gespenst des Hungers ging um. Am Josephstag, den 19. März, war noch einmal sehr viel Schnee gefallen und hatte die Aussaat in der Region deutlich verzögert. Insgesamt war das Jahr bislang völlig verregnet und kalt, viel zu kalt. Heute wissen wir den Grund, es war der gewaltigste jemals registrierte Vulkanausbruch, der mit seinen Aschenwolken den Himmel verdunkelt hatte und das Sonnenlicht behinderte: Der Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa nördlich von Java hatte im April 1815 mit einer gewaltigen Explosion riesige Massen an Staub in die Atmosphäre geschleudert, die nicht nur in unserer Gegend dieses »Jahr ohne Sommer« 1816 bewirkten. In Arnsberg und der gesamten Region war am 1. Mai ein gewaltiges mehrtägiges Gewitter aus Osten herangezogen und hatte mit Hagel und gewaltigen Regengüssen eine wahre Sintflut verursacht, auch in den darauffolgenden elf Monaten regnete es ohne Unterlass. In den Städten sah es nicht besser aus, Neheim z. B. war zum Teil noch Ruine, denn im Jahr 1807 war es bis auf vier Häuser an der Mendener Straße vollständig abgebrannt und sprichwörtlich bettelarm: »Biäddelnaime«.
Politisch war es eine kurze Zeit der Ruhe nach den voraufgegangenen Turbulenzen, Napoleon war nach seiner Rückkehr von der Insel Elba am 18. Juni 1815 bei dem belgischen Dorf Waterloo von den vereinten Kräften der großbritannischen und preußischen Armeen endgültig geschlagen und im Oktober nach Sankt Helena im Südpazifik ins Exil verbannt worden. In Wien hatte ein Kongress, der über die Neuordnung Europas beriet, vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 getagt. Die territorialen Regelungen für Deutschland wurden dabei erst später getroffen, zum Teil schon am folgenden Tag.

So schlossen am 10. Juni 1815 der Kongressbeauftragte des Königs Friedrich Wilhelms III. von Preußen der Fürst von Hardenberg und der Freiherr von Türkheim, Beauftragter des Großherzogs Ludwig I. von Hessen – Darmstadt, einen Vertrag über die Territorien, den der Fürst von Metternich, Beauftragter des Kaisers Franz I. von Österreich mit unterzeichnete. Darin heißt es im 1. Artikel:

»Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen treten seiner Majestät dem Könige von Preußen das Herzogthum Westphalen ab, (…)«. Hingegen erhielt der Großherzog, wie im 2. und 3. Artikel ausgeführt, das Gebiet, das man heute »Rheinhessen« nennt, also die Gebiete um Worms, Frankenthal, Bingen und an der Nahe.

Im 4. Artikel wird dann das Datum der Übergabe auf den 15. Juli 1816 festgelegt, bis dahin soll das Herzogtum Westfalen in hessisch-darmstädtischen Besitz bleiben.
 
 
Seit dem 6. September 1802 hatte – damals noch als Landgraf von Hessen – Darmstadt - Ludwig X. im Vorgriff auf den Reichsdeputionshauptschluss von 1803 begonnen, das seit 1180 kurkölnische Herzogtum Westfalen zu besetzen. Ab 1806 nannte er sich dann Großherzog Ludewig von Hessen-Darmstadt. Ab 1816 fügte er noch »bei Rhein« hinzu.

Der letzte Erzbischof von Köln, der gleichzeitig auch weltlicher Herrscher war, Maximilian Franz von Österreich (*8. Dezember 1756 in Wien, Sohn der Kaiserin Maria Theresia), seit 1780 Koadjutor, seit 1784 Erzbischof und Kurfürst von Köln, gleichzeitig Bischof von Münster und Hochmeister des Deutschen Ordens war 26. Juli 1801 auf Schloss Hetzendorf bei Wien gestorben. Zu seinem Nachfolger war in der Klosterkirche von Wedinghausen zu Arnsberg am 7. Oktober 1801 Anton Viktor von Österreich (*31. August 1779 in Florenz; † 2. April 1835, Enkel der Kaiserin Maria Theresia) von dem nach Westfalen geflohenen Kölner Domkapitel gewählt worden. Bereits am 9. September war er zum Bischof von Münster bestellt worden.

Weil der 1803 erfolgte Reichsdeputationshauptschluss das Ende aller geistlichen Fürstentümer bedeutet hatte, nahm der Habsburger die Wahlen nicht an; denn Köln zum Beispiel war noch nicht einmal mehr Bischofssitz und gehörte seit dem Einzug der französischen Revolutionstruppen am 6. Oktober 1794 zu Frankreich, wurde 1798 auch offizieller Bestandteil der Französischen Republik wie das gesamte linke Rheinufer und dann später auch des Französischen Kaiserreiches.

Napoleon war hier am 13. September 1804 begeistert empfangen worden. Noch 1812 erhielt die Stadt den Ehrentitel einer »Bonne ville de l’Empire français« (Gute Stadt des Französischen Kaiserreiches). Kirchlich gehörte sie damals zum neugegründeten Bistum Aachen, das Napoleon 1802 auf dem linken Niederrhein aus verschiedenen Gebieten errichtet hatte. Aber vom Papst wurde es am 16. Juli 1821 wieder aufgelöst, rechtlich bestand es bis zur letzten Sitzung des Domkapitels am 24./25. März 1825.

Der hessische Landgraf hatte im Oktober 1802 seine neuen Untertanen begrüßt und dabei erklärt, das Herzogtum sei nun »auf ewige Zeiten« hessisch. Er hatte sich aber seinen neuen Untertanen nicht persönlich vorgestellt, sondern ließ sich stellvertretend in Arnsberg und den vier Quartals-Hauptstädten Brilon, Werl, Rüthen und Bilstein huldigen.

Die Hessen brachten gewaltige Umstrukturierungen auf den Weg, die Klöster wurden aufgelöst und entweder in Domänen verwandelt oder verkauft. Was an Inventar, z. B. Bücher oder Handschriften wertvoll erschien, wurde nach Darmstadt geschafft. So befindet sich heute der Hitda-Codex, eine ursprünglich in Meschede später im Kloster Wedinghausen verwahrte, kostbare illuminierte Handschrift, entstanden vor dem Jahr 1000 und dem Walburga-Stift in Meschede von einer Hitda genannten Äbtissin geschenkt, als »Handschrift 1640« in der Universität- und Landesbibliothek von Darmstadt. Das ist nur ein Beispiel.

Zwar waren die westfälischen Teile des Kölner Kurstaates nicht sonderlich gefördert, aber auch weitgehend in Ruhe und damit sich selbst überlassen. Auch das sollte sich ändern. Der Adel und die Oberschicht verloren ihre Vorrechte und Privilegien, die Landstände wurden aufgelöst. Alle mussten Steuern bezahlen, es wurde alles besteuert und das nicht zu knapp, denn Kriege führen, war auch damals schon teuer. Außerdem gab es eine Wehrpflicht. So wurden Westfalen unter die hessischen Fahnen gezogen und kämpften als Soldaten gegen Preußen, in Spanien gegen die Engländer, gegen Russland mit Napoleon, wo unter anderen, die wir leider nicht mehr nennen können, aus unserer Gegend der Höinger Schützenkönig des Jahres 1793 Eberhard Ebel geblieben ist. Noch in der Völkerschlacht von Leipzig standen die Hessen auf Napoleons Seite. Erst danach zogen sie auch gegen Frankreich.

Aber in der hessischen Zeit wurde auch Positives bewirkt, so wurde die Neuorganisation der Verwaltung, des Gerichts- und Gesundheitswesens, des Schulsystems in Angriff genommen. Die aus dem Mittelalter stammende Agrarverfassung, das Kolonatswesen mit seinen Gewinngeldern, Weinkäufen usw., das fast jede Weiterentwicklung in der Landwirtschaft verhindert hatte, wurde abgeschafft, Land- und Forstwirtschaft gefördert und die Gewerbefreiheit, unter dem Protest der traditionellen Zünfte, eingeführt.

In Arnsberg verabschiedete sich - sehr ungern - »(…) Ludewig, von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein etc. etc.« mit einem »Patent«: »In Folge der am Kongresse zu Wien über die Gebiets-Ausgleichungen in Deutschland verhandelten und festgesetzten Beschlüsse haben Wir unser Herzogthum Westphalen (…) an seine Majestät den König von Preußen förmlich abgetreten. (…) Darmstadt, den 8. Juli 1816.«

 
Sein Neffe, Sohn seiner Schwester, der König Friedrich Wilhelm von Preußen erließ ein entsprechendes »Patent« mit der Übernahme der Landeshoheit, das der frisch ernannte Oberpräsident von Westfalen Freiherr von Vincke (*23. Dezember 1774 in Minden; †2. Dezember 1844 in Münster) in Arnsberg am 15. Juli 1816 publizieren ließ. Die Wahl des Regierungssitzes war auf Arnsberg und nicht auf Hamm gefallen. Eine Woche zuvor, am 8. Juli, hatte der hessische Hofkammer-Direktor von Kopp im Arnsberger Rathaus die Geschäfte an den in Münster residierenden Oberpräsidenten übergeben. Der erste Regierungspräsident wurde zum 1. August 1816 ernannt, der Jurist Friedrich von Bernuth (*10. Februar 1757 in Kleve; bis 1775 Ausbildung am Archi-Gymnasium in Soest; † 8. Oktober 1832 in Düsseldorf).

Die von den Preußen neu geschaffenen Kreise sollten eine wichtige Verwaltungsfunktion übernehmen, deshalb wurde im Oktober 1816 die Einteilung vorgestellt. Das alte Amt Werl war zum Kreis Arnsberg geschlagen worden, was sich in der Folge als wenig praktikabel erweisen sollte, daraufhin wurde es ab dem 1. Januar 1819 dem Kreis Soest zugeordnet. Auch kirchlich wurde das Gebiet neu organisiert, denn das Dekanat Werl gelangte ab 1816 zum Bistum Paderborn.

Die alten Grenzen, die zum Teil seit der Soester Fehde 1447 bestanden hatten, fielen weg, zwischen Westönnen und Ostönnen gab es keine Grenze mehr, der Tollpost auf der Haar nördlich von Körbecke war kein Zollposten mehr. Am 15. Juli 1816 gingen die Bewohner der Haar als Hessen schlafen und wachten als Preußen wieder auf. •
 
... veröffentlicht im Heft 145, Sommer 2016, Seiten 10 und 11
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Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
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Soester Fehde, Teil 1/2
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Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
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