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1246 Gründung des Zisterzienserinnen-Klosters »Himmelpforten« im Möhnetal bei Niederense
Die Klosteranlage Himmelpforten, Nordansicht, vor der Zerstörung im Jahr 1943 (Gemälde im Privatbesitz)

1246 Gründung des Zisterzienserinnen-Klosters »Himmelpforten« im Möhnetal bei Niederense
von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

 
Den Anlass zur Klostergründung weiß niemand mehr, sogar das genaue Datum ist umstritten. Es ist nicht einmal sicher, ob alle relevanten Urkunden noch existieren: Die Fakten, so wie sich darstellen: Die Gräfin Adelheid von Blieskastel, die Gemahlin Gottfrieds III. Graf von Arnsberg (* um 1214; † zwischen 1284 und 1287), stiftete im Jahre 1246 unter Beteiligung des Grafen Otto von Tecklenburg und dessen Sohn Heinrich Ländereien in Wiboldinkhusen südlich der Möhne, die sie zuvor erworben hatte, zur Errichtung einer Kirche für Nonnen des Zisterzienser-Ordens.
Der Tecklenburger Graf und sein Sohn übertrugen der Priorin Petronella am 13. Juli 1246 Ländereien. Am 18. Juli des gleichen Jahres bestätigte der Erzbischof von Köln Konrad von Hochstaden die Gründung des Klosters durch die Arnsberger Gräfin Adelheid. Die Vermutung, dass der Graf von Tecklenburg wegen seiner möglichen Beteiligung an der Verschwörung zur Ermordung des Erzbischof Engelbert von Köln (7. November 1215 bei Gevelsberg) eine Sühnestiftung einrichten wollte, wird in der Diskussion um die Klostergründung inzwischen abgelehnt.
 
Der Tecklenburger hat offensichtlich nur einen Teil seines Besitzes zur Gründung hergegeben, den möglicherweise die Gräfin von Arnsberg bezahlt hat. Im päpstlichen Schreiben von Innozenz IV., ausgestellt in Lyon am 22. März 1247, mit dem er das neue Kloster unter seinen Schutz stellte, ist dann seltsamerweise nur vom Grafen Otto und seinem Sohn die Rede. Aber hierin wird auch zum ersten Male der Name des Klosters erwähnt: »Innocentius episcopus servus servorum dei … priorisse et conventui monasterie in Porta celi Cisterciensis ordinis Coloniensis diocesis salutem et apostolicam benedictionem.« d. i.: »Bischof Innozenz, Knecht der Knechte Gottes, der Priorin und dem Konvent in Himmelpforten des Zisterzienser Ordens in der kölnischen Diözese Gruß und apostolischen Segen.«
 
   
Konventgebäude, Westansicht (Gemälde im Privatbesitz)
 
 
Im gleichen Jahr erscheint auch der deutsche Name »Himmelpforten«, als der genannte Graf Gottfried zusammen mit seiner Frau und seinen Söhnen Heinrich und Gottfried am 10. Dezember 1247 die Riesenberg-Mühle (» … molendinum Risenberge dictum … cum agris et omnibus attinentiis suis conventu et ecclesie in Hymelporte …«) mit Äckern und allem Zubehör dem Konvent und der Kirche in Himmelpforten überlässt. Wie sehr viele Klosterkirchen der Zisterzienser war es eine Marienkirche, denn in einer Urkunde des Erzbischofs Konrad von Hochstaden, in der er jedem Unterstützer des Klosterkirchenbaus einen Ablass verspricht, heißt es: » … Himilporte … ecclesiam ad laudem Dei et beate Marie gloriose virginis … ordinis Cysterciensis …« – »Himmelpforten … eine Kirche zum Lobe Gottes und der glückseligen Maria, der glorreichen Jungfrau, … des Zisterzienser Ordens ...«
Als Platz für das Kloster war ursprünglich »Wiboldinkhusen« vorgesehen, aber wegen der Ungunst der Lage wurde es auf die Uferterrasse unmittelbar an die Möhne verlegt. Aus welchem Kloster die ersten Nonnen mit ihrer Priorin Petronella kamen, ist nicht mehr bekannt, erst die dritte Vorsteherin des Konventes (1256) trug den Titel Äbtissin.
Südportal Konventgebäude, Foto Schewen Soest
   
 
Von den weiteren Schicksalen des Klosters bis zur Aufhebung am 15. März 1804, nachdem am 29. Oktober 1802 die Truppen des Landgrafen von Hessen im Vorgriff auf den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 das kurkölnische Herzogtum mit der Grafschaft Arnsberg besetzten, bis hin zu seiner Zerstörung in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 1943 soll hier nicht weiter berichtet werden. Stattdessen sollen einige mehr oder weniger randliche Fragen beantwortet werden:
 
   
Riesenbergmühle, weitaus älter als das Gründungsjahr des Klosters
 
1. Wo lag bzw. liegt Wiboldinkhusen?

Der Name deutet auf einen Hof hin, dessen ursprünglicher Besitzer »Wibold« geheißen haben könnte, d. h.: »Die Häuser, in denen Wibold (männl. Vorname) und seine Leute wohnen«. Wo sich dieser Ort genau befand, ist nicht mehr bekannt. Möglicherweise hängt das »Wiebringer Feld« damit zusammen. So wird eine Flur rechts vom Schlotweg vor dem Anstieg zum Arnsberger Wald in der Gemarkung »Himmelpforten« bezeichnet, was aber nicht heißen muss, dass dort »Wiboldinkhusen« selbst, sondern nur die zugehörige Flur lag.

2. Was sind Zisterzienser?

3. Wer ist Bernhard von Clairvaux, ...


... dem die Nachfolgekirche 1949 in Niederense geweiht ist, und was hat er mit den Zisterziensern zu schaffen. Hat er den Zisterzienser-Orden gestiftet?

 
Die Fragen lassen sich gut zusammen beantworten: Zisterzienser tragen ihren Namen nach dem Kloster Cistercium, dt.: Zisterze, frz.: Cîteaux, dem Mutterkloster aller Zisterzienser in der Gemeinde Saint-Nicolas-lès-Cîteaux in dem Tal des Flusses Saône in Burgund, ca. 25 km südlich von Dijon, der Hauptstadt des Départements Côte-d‘Or. Dieses Kloster wurde nicht von Bernhard, sondern von Robert von Molesme gegründet, der aus einer Adelsfamilie in der Champagne stammte und um 1027 geboren wurde. Nachdem er 1044 zunächst in den Benediktinerorden eingetreten war, nach einem Leben in verschiedenen Klöstern und Funktionen gründete er 1098 das Reformkloster Cîteaux, in dem er zu den Regeln des heiligen Benedikt (Ora et labora – Bete und arbeite) zurückkehren wollte. Er wurde dessen erster Abt.

Später kehrte er nach Molesme, eine seiner früheren Gründungen zurück, wo er am 17. April 1111 starb. Robert ist als Heiligenfigur an folgenden Attributen erkennbar: Habit (Tracht) als Benediktiner oder Zisterzienser mit Abtstab und Regelbuch, mit zwei Kirchenmodellen (Cîteaux und Molesme) oder einem Ring, den er der Legende nach von Maria bekommen haben soll. Gedenktag war zunächst sein Todestag, seit 1965 wird seiner am 26. Januar gedacht zusammen mit zwei weiteren bedeutenden Zisterziensern Stephan Harding (* um 1059 in Meriott [Dorset/England]; † 28. März 1134 im Kloster Cîteaux) und Alberich von Cîteaux (* um 1050 in Frankreich; † 26. Januar 1109 ebenfalls im Kloster Cîteaux).

Bernhard, der um 1090 geboren aus einer adligen Familie aus der Nähe von Dijon stammte, trat mit 30 Verwandten und Freunden ein Jahr nach Roberts Tod 1112 in das Kloster von Cîteaux ein. Aber bereits 1113 wurde er von dort entsandt, in Clairvaux ein neues Kloster zu gründen, das zu seiner Blütezeit von mehr als 300 Mönchen und noch mehr Laienbrüdern (Konversen) bewohnt wurde. Man kann das Leben und Wirken Bernhards kaum in wenigen Worten beschreiben, herausgestellt seien noch seine Predigten, in denen er zu den Kreuzzügen aufrief und auch dem mittlerweile ziemlich heruntergekommenen Rittertum eine neue Grundlage in den Ritterorden zu geben vermochte. So nahmen viele der Orden nicht Grundsätze des mönchischen Lebens der Zisterzienser in ihre Statuten auf, sondern einige gehörten – zumindest eine Zeit lang – zur Ordensgemeinschaft.
 
Der Zweite Kreuzzug (ab 1147), an dem der römisch-deutsche Kaiser Konrad III. und auch der französische König Ludwig VII. teilnahmen, ging wesentlich auf seine Initiative und die Billigung des Papstes Eugen III. zurück. Nach dessen katastrophalem Verlauf durch die völlig unüberlegte Belagerung von Damaskus war das zuvor hohe Ansehen des Mönches aus Clairvaux, der es mehrfach abgelehnt hatte, Bischof in angesehenen Diözesen zu werden, auf dem Tiefpunkt angelangt. Er starb am 20. August 1153 in Clairvaux, an welchem Tag seiner in der katholischen Kirche besonders gedacht wird. Er war der bedeutendste Zisterzienser und wird zu den Kirchenlehrern gezählt. Er wird als Abt dargestellt mit Kreuz und Mariendarstellung oder mit einer Mitra zu seinen Füßen als Zeichen, dass er die Bischofswürde nicht angenommen hat, oder mit einem Bienenkorb, denn sein lateinischer Beiname »mellifluus« heißt »der Honigfließende«, deshalb ist er auch der Patron der Imker. Auch für die deutsch-französische Verständigung, ja für das vereinte Europa gilt er als Patron.

Um noch weitere Irrtümer auszuräumen: Obwohl die Zisterzienser auch »Bernhardiner-Mönche« genannt werden, sind die beiden Alpenpässe, der Große und der Kleine St. Bernhard nicht nach ihm, sondern, nach Bernhard von Menthon (auch von Aosta; † 15. Juni 1081) benannt, der 1050 auf der seit der Antike bekannten Passhöhe des Großen und kurz danach auf dem Kleinen St. Bernhard ein Hospiz gründete, folglich sind auch die Bernhardiner-Hunde nicht nach Bernhard von Clairvaux benannt.
 
 
Der Name des Klosters »Himmelpforten« ist nicht so einzigartig, wie man vielleicht denken könnte, denn in der Uckermark liegt die Klosterruine »Himmelpfort«, bei Würzburg gibt es ein Kloster »Himmelspforten« und an der Elbe bei Stade liegt ebenfalls ein ehemaliges Zisterzienser-Kloster »Himmelpforten«, das als »Christkinddorf« eine gewisse Bekanntheit durch das »Weihnachtspostamt« erlangt hat, um nur einige Beispiele zu nennen.

Heute erinnert außer dem Mahnmal die Angelus-Glocke von 1678 der St. Bernhard-Kirche in Niederense, die jeden Tag dreimal, um 6.00, 12.00 und 18.00 Uhr, läutet, an die Stiftung der Gräfin Adelheid von Arnsberg. Denn das ist die Glocke vom Dachreiter der 1943 in den Möhnefluten untergegangen, ehemaligen, reich ausgestatten Klosterkirche. Zisterzienser-Kirchen hatten meistens keinen Turm, sondern nur einen Dachreiter. Damit verzichteten sie bewusst auf das Symbol der Macht und Herrschaft im Mittelalter – den Turm. •

Das Foto hat Hubert Wiegelmann am 10. November 1918 aufgenommen und zeigt die Reste einer Scheune (Bildmitte, Rechts), die am 2. November 1918 ein Großfeuer zerstört hat. Im Vordergrund (rechtes Gebäude) die Gaststätte Luhmann.


... im Heft 146 auf den Seiten 10 und 11 der Herbstausgabe 2016 veröffentlicht.
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die aktuelle Ausgabe, Heft 148:
28.04.2017
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar
Von Hexen und Ketzern
Wiedenbergkapelle
Niederenser Feldkreuz
100 Jahre Schützenhalle Bremen
Pängel Anton und Deutsches Wirtschaftswunder in Ense
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Alte Gewichte, Maße und Münzen
Delecke: 75 Jahre Bismarckturm
Kutsche 1948 in Niederense verunglückt
Ehemaliges Totenläuten vom Niederenser Spritzenhaus
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Klosteranl. Himmelpforten bis 1943
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