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1546 in Ense geboren | Paderborner Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg

Ense-Bremen. Schloss Waterlappe als Wasserburg um 1350 (Neu-Fürstenberg) erbaut, war bis 1633 Stammsitz der Familie von Fürstenberg. Nach der Zerstörung (1633) im Dreißigjährigen Krieg (1618/48) wohnten die von Fürstenbergs abwechselnd auf dem Schnellenberg bei Attendorn, auf dem
Schloss Bilstein und auf der Adelsburg bei Oberhundem. Seit 1718 ist der Wohnsitz in Herdringen. Hier hatte bereits 1618 der Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg für seinen Neffen Friedrich ein Gut mit Schlossanlage gekauft. Das Herrenhaus dieses Schlosses wurde in der Mitte des 19. Jh. durch den Kölner Dombaumeister Ernst-Friedrich Zwirner im englischen Tudorstil errichtet. Bauherr war der zuvor in den Grafenstand erhobene Franz Egon Graf von Fürstenberg (*1818 †1902).


1546 in Ense geboren |
Der Fürstbischof von Paderborn
Dietrich von Fürstenberg

von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

Am 5. Juni 1585, dem Mittwoch vor Pfingsten, wählte das Paderborner Domkapitel den Dompropst von Fürstenberg als Dietrich IV. zum Fürstbischof und damit zum 44. Nachfolger des Hl. Hathumar. Die päpstliche Bestätigung durch Sixtus V. (1585-1590) erfolgte am 7. Oktober 1585 und die kaiserliche durch Rudolf II. (1576-1612) am 7. März 1586.

 
Die Burg Waterlappe in Ense, die heute nach ihrer Zerstörung im Jahre 1633 fast spurlos verschwunden ist, war seit ihrem Bau um 1350 bis in die frühe Neuzeit der wichtigste Sitz der Familie von Fürstenberg – bis die verbündeten Grafen von der Mark und von Arnsberg die namensgebende kurkölnische Vorstenburg über dem Ruhrtal 1343/44 zerstört hatten.

Um 1510/1511 wurde in Waterlappe Friedrich von Fürstenberg geboren. Er legte durch kluge Politik den Grundstein für den Aufstieg der Familie, die in der Reformation 1517 katholisch blieb und bis zum Ende des alten Reiches eng mit der katholischen Kirche verbunden war. Sein Vater war der kurkölnische adlige Rat und Droste der Ämter Waldenburg (am Biggesee), Bilstein und Fredeburg, ebenfalls Friedrich genannt. Der Sohn Friedrich von Fürstenberg trat zum ersten Mal urkundlich in Erscheinung, als sein Vater 1536 anlässlich seiner Heirat mit Anna von Westphalen ihm die Burg bei Ense-Bremen überschrieb. Dieses Ehepaar hatte 10 Kinder, 3 Söhne und 7 Töchter. Der Älteste, wiederum Friedrich (1539-1608) genannt, wurde Domherr in Mainz und Paderborn, weil er kein Interesse hatte, das Familienerbe, zu dem auch eine Menge Schulden gehörte, anzutreten. Der zweite Sohn Caspar (*11. November 1545 auf Burg Waterlappe; †5. März 1618 in Arnsberg) übernahm die Fortführung der Familie. Er war Jurist, kurkölnischer adliger Rat, Droste zu Bilstein, Fredeburg und Waldenburg, seit 1585 Rat des Fürstbischofs von Paderborn, außerdem seit 1588 Kurmainzischer Amtmann zu Fritzlar und Naumburg, Rat der Mainzer Kurfürsten und seit 1613 auch noch Landdrost des kurkölnischen Herzogtums Westfalen.
 
Der dritte Sohn Dietrich (auch Theodor genannt), war für eine geistliche Laufbahn vorgesehen und kam am 7. Oktober 1546 (nach anderen Quellen am 27. September, Kalenderwechsel?) auf der Burg Waterlappe zur Welt. Drei Schwestern traten in den geistlichen Stand: Ottilie (*21. Februar 1548 auf Burg Waterlappe; †7. März 1621) Äbtissin von Oelinghausen und Neuenheerse, Anna (*vor 1568; †29. November 1626; Äbtissin seit 1621), wurde ihre Nachfolgerin in Oelinghausen und Ursula Nonne im Kloster Himmelpforten, starb aber schon mit 18 Jahren. Die anderen vier Schwestern heirateten in den westfälischen Adel ein. Ab 1555 erzog der Humanist und Rektor des Dortmunder Archigymnasiums Friedrich Beurhaus (1536-1609) die drei Söhne, obwohl er Protestant war. Später begleitete Beurhaus die drei Brüder auch zur Universität nach Köln.

Im Alter von 17 Jahren war Dietrich bereits Inhaber der Pfarrei und des Dekanats Wormbach, später kamen noch die Pfarrei Attendorn und das Amt des Propstes vom St. Walburga-Stift in Meschede (1576) hinzu. Als »Inhaber« standen ihm die beträchtlichen Einkünfte (Pfründe) der Ämter zu, Priester war er noch nicht. Außerdem wurde er 1564 Domherr in Paderborn und ein Jahr später auch in Trier, 1577 Dompropst in Paderborn.
 
 
Es war eine wirre Zeit voller Kämpfe zwischen den in der Reformation entstandenen Konfessionen: Katholiken, Lutheraner und Calvinisten. Um die damaligen Verhältnisse in Paderborn zu verstehen, muss man einen Blick auf seinen Vorgänger im Amt Heinrich von Sachsen-Lauenburg (1550-1585) werfen, denn nicht nur die Stadt war damals protestantisch, sondern auch der Bischof und zudem auch noch verheiratet. Er war zwar zum Fürst-Erzbischof von Bremen (1567), zum Fürstbischof von Osnabrück (1574) und Fürstbischof von Paderborn (1577) gewählt worden, aber von den Päpsten Pius V. (1566-1572) und Gregor XIII. (1572- 1585) nicht anerkannt. Noch 1578 war er mit Gattin feierlich in Paderborn eingezogen. Fast wäre er auch noch Fürstbischof von Münster geworden. Er starb am 22. April 1585, dem Palmsonntag, als er nach dem Besuch eines protestantischen Gottesdienstes in Bremervörde so unglücklich vom Pferd fiel, dass er kurz darauf starb. Auch der Kurfürst-Erzbischof von Köln Gebhard Truchsess von Waldburg (1547-1601; Kurfürst und Erzbischof von Köln 1577-1583) hatte am 2. Februar 1583 in Bonn die Stiftsdame Agnes Gräfin von Mansfeld (1551-1637) geheiratet, war zum Calvinismus übergetreten und hatte sein Amt verloren.

In dieser unübersichtlichen Zeit wählte das Paderborner Domkapitel am 5. Juni 1585, dem Mittwoch vor Pfingsten, den Dompropst von Fürstenberg als Dietrich IV. zum Fürstbischof und damit zum 44. Nachfolger des Hl. Hathumar. Die päpstliche Bestätigung durch Sixtus V. (1585-1590) erfolgte am 7. Oktober 1585 und die kaiserliche durch Rudolf II. (1576-1612) am 7. März 1586. Da Dietrich als nun als Reichsfürst nicht mehr Inhaber der verschiedenen Pfründe sein konnte, versuchte man, möglichst viele davon für die Mitglieder der Familie zu erhalten, was lange dauerte und nur teilweise gelang. Am 16. Juli 1586 zog er in feierlichem Zug als neuer weltlicher und geistlicher Herr von Schloss Neuhaus aus in Paderborn ein. Dann ließ er sich bei einem Umritt durch sein Fürstentum in verschiedenen Städten huldigen. Nun hatte er alle Voraussetzungen für sein Amt, aber er war noch kein Priester. Erst 1589 erhielt er an vier aufeinanderfolgenden Tagen vom 27. bis 30. Juli die erforderlichen Weihen zum Subdiakon, Diakon, Priester und Bischof. Letztere wurde im Kloster Böddeken durch den Kölner Weihbischof Laurentius Fabricius vollzogen, wobei der ältere Bruder Friedrich als Mainzer Domherr und zwei Söhne Caspars, Johannes Gottfried und Friedrich, der schon im Alter von 13 Jahren die Domherrenstelle in Trier übernommen hatte, assistierten. Schon 10 Tage nach seiner Wahl führte der neue Fürstbischof den gregorianischen Kalender in Paderborn ein, indem er auf den 16. gleich den 27. Juni 1585 folgen ließ.

Seine Regierungszeit war durch Kämpfe um die Rekatholisierung des Fürstentums und um Unabhängigkeit der Stadt Paderborn vom Fürstbischof und Domkapitel gekennzeichnet, denn dieses und der Adel genossen jede Menge Privilegien. 1588 wurde ein Prozess beim Reichskammergericht um die Gerichtsbarkeit in der Stadt angestrengt, woraus sich der »Kampf um Paderborn« entwickelte, der sich immer mehr zuspitzte, denn die Bürgerschaft forderte unter anderem die Zulassung der protestantischen Konfession. Kaiser Rudolf II. verlangte von den Städten, dem Adel, und den Domherren, dass sie ihren Bischof und Landesfürsten in weltlichen und geistlichen Dingen gehorsam sein sollten. Als Dietrich dann noch Ende 1603 die Ratswahlen beeinflussen wollte, wurde ein entschiedener Gegner Liborius Wichart (*um 1550) am 10. Januar 1604 zum Bürgermeister der Stadt Paderborn gewählt. Mit Hilfe einer Intrige nahm man ihn am 26. April 1604 gefangen. Des Hochverrats angeklagt, stellte man ihn an den Pranger, folterte und verurteilte ihn. Er wurde am 30. April 1604 bei lebendigem Leibe in Anwesenheit des Fürstbischofs gevierteilt, und die Teile und der Kopf hingen bis 1622 der Eroberung Paderborns durch den Tollen Christian von Braunschweig (1599-1626) an den fünf Toren der Stadt. Die Rekatholisierung betrieb er auch durch die Gründung einer von Jesuiten geleiteten Universität am 10. September 1614. Einer der bekanntesten Professoren der Anfangszeit war Friedrich von Spee (1591-1635). Diese Hochschule wurde am 2. April 1615 von Papst Paul V. (1605-1621) durch ein Schreiben und von Kaiser Matthias (1612-1619) durch ein Diplom vom 14. Dezember 1615 mit allen akademischen Rechten ausgestattet. Zwar wurde Schließung der Hochschule per königlich-preußischem Dekret am 18. Oktober 1818 verfügt, welches aber immer umgangen wurde, sodass sie als theologisch-philosophische Hochschule des Erzbistums heute noch existiert und damit die älteste Hochschule Westfalens ist.

Für diese neue Hochschule und auch für das Gymnasium wurden das sog. »Theodorianum« und die Marktkirche errichtet. Außerdem ließ er die Wewelsburg instand setzen und ausbauen, dem Schloss in Neuhaus einen vierten Flügel hinzufügen. Die Kapelle auf dem Fürstenberg ließ er renovieren und kaufte 1614 für seine Familie den Burghof in Soest, das heutige Burghofmuseum, wo sich angeblich der riesige Schatz des Fürstbischofs - Fässer voller Münzen - befunden hat, bis er im 30-Jährigen Krieg (1618-1648) verschwunden sein soll. Weiterhin erwarb er am 4. Mai 1615 das Gut beim alten Forsthaus von Lüttringen für 12.000 Reichsthaler (Rthlr.) was später Neu-Fürstenberg genannt und im 30-Jährigen Krieg zerstört wurde, sodass heute nur noch die Gräben sichtbar sind, und als wichtigstes erstand er das Gut Herdringen am 18. April 1618 für 19.500 Rthlr. für seinen Neffen Friedrich (*1. März 1576 auf Burg Bilstein; †9. August 1646), einem Sohn und Erben seines Bruders Caspar. Dietrich von Fürstenberg starb 1618 am 4. Dezember in Schloss Neuhaus und wurde im Dom zu Paderborn beigesetzt. Sein 17 Meter hohes Grabdenkmal, schon zu Lebzeiten bei dem Bildhauer Heinrich Gröninger in Auftrag gegeben, stellt in barocker Manier biografisch und allegorisch das Selbstverständnis dieses Kirchenfürsten dar. Es stand ursprünglich an der Nordwand des Hochchores und wurde erst 1924 an seinen jetzigen Platz an die Westwand des nördlichen Seitenschiffs versetzt. •


Grabmal des Fürstbischofs Dietrich von Fürstenberg im Paderborner Dom.

... veröffentlicht im Heft 147, Winterausgabe 2016/17, Seiten 10 und 11


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23.07.2017
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
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1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
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Schloss Bilstein und auf der Adelsburg bei Oberhundem. Seit 1718 ist der Wohnsitz in Herdringen. Hier hatte bereits 1618 der Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg für seinen Neffen Friedrich ein Gut mit Schlossanlage gekauft. Das Herrenhaus dieses Schlosses wurde in der Mitte des 19. Jh. durch den Kölner Dombaumeister Ernst-Friedrich Zwirner im englischen Tudorstil errichtet. Bauherr war der zuvor in den Grafenstand erhobene Franz Egon Graf von Fürstenberg (*1818 †1902).


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