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1647 | Der Weihbischof Bernhard Frick bereist als Seelsorger Körbecke, Bremen und Neheim

Im Jahr 1647 |
Der Weihbischof Bernhard Frick bereist als Seelsorger
Körbecke, Bremen und Neheim
Der Kölner Kurfürst und Erzbischof Ferdinand von Bayern (auch Bischof von Münster, Lüttich und Hildesheim) ist ab 1618 ebenfalls Bischof von Paderborn. Da er kein Priester war, benötigte er für geistliche Belange einen Vertreter. Und so bekam der Weihbischof Bernhard Frick 1647 zum Ende des 30jährigen Kriegs (von 1618 bis 1648) den Auftrag, von Paderborn aus das Herzogtum Westfalen als Seelsorger zu bereisen.
von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

 
Der Dreißigjährige Krieg neigte sich seinem Ende zu, da reiste der Paderborner Weihbischof Bernhard Frick als Seelsorger durch das kurkölnische Herzogtum Westfalen. Das Land war entvölkert, Tausende erschlagen, das Vieh geraubt und abgeschlachtet, die Äcker fast vollständig verwüstet, Städte, Dörfer, Schlösser und Höfe verbrannt, Kirchen entweiht und geschändet. »Der Krieg ernährt den Krieg.«, heißt es im Drama »Wallenstein« bei Friedrich von Schiller. Da es keinerlei organisierten Nachschub oder Logistik für die Heere gab, nahmen die sich alles, was sie benötigten, z. T. mit Gewalt von der Bevölkerung. Die Armeen konnten deshalb auch kaum lange an einem Ort bleiben, sondern waren wegen des Mangels an Nachschub gezwungen, ständig weiterzuziehen, weil alles Essbare in kurzer Zeit verbraucht war, zurückblieb ein verwüsteter Landstrich.

In unserer Gegend war das Kloster Himmelpforten von den Hessen am 20. Oktober 1633 in Brand gesetzt worden. Die festen Häuser Oevinghausen, Füchten, Waterlappe und Neu-Fürstenberg waren zerstört und wurden z. T. nicht wieder aufgebaut. Aber zu den durchziehenden Heeren kamen auch noch Wetterkatastrophen: 1619 und 1643 Flut wegen der starken Niederschläge, 1634 unsägliche Kälte; Krankheitsepidemien: 1625, 1631, 1634, 1635 und 1636 grassierte die Pest, 1639 die Rote Ruhr.

Weitere Katastrophen: 1637 und 1646 Großbrände in Werl, 1640 starkes Erdbeben, 1641 hatten die Wölfe so zugenommen, dass sie eine Bedrohung für Mensch und Vieh darstellten, deshalb wurde zu ihrer Bekämpfung aufgerufen. Im gleichen Jahr, am 3. Juli, wurde der Bremer Pastor Petrus Conradi, der vorher Prior im Kloster Wedinghausen gewesen war, aus Versehen von seinem Küster im Turm der Bremer Kirche erschossen.

Dazu flammte 1642 bis 1646 eine neue Welle der Hexenverfolgung in Werl auf. Keine Vorräte, kaum Saatgut, keine Zugtiere zur Bestellung der Äcker, kein Vieh, unbeschreibliches Elend. Zerstörte Brücken, unpassierbare Wege und Raubgesindel machten selbst kleine Reisen zur Strapaze und zum kaum kalkulierbaren Risiko.
 
Aber: Wieso bereiste der Paderborner Weihbischof als Seelsorger die Kölner Kirchenprovinz?

Nachdem 1612 der Erzbischof Ernst von Bayern in Arnsberg gestorben war, wurde sein Neffe Ferdinand von Bayern (*6. 10. 1577; †13. 9. 1650 in Arnsberg), der ihm als Koadjutor zur Seite gestanden hatte und damit faktischer Verwalter des Erzbistums war, zum Erzbischof von Köln gewählt. Seit 1618 war er dann auch als Nachfolger des Fürstbischofs Dietrich von Fürstenberg (*7.10.1546; †4.12.1618) zum Fürstbischof von Paderborn bestellt. Ferdinand war also Landesherr und Bischof in Köln und Paderborn, aber kein Priester, deshalb benötigte er für die geistlichen Belange einen Weihbischof. In Paderborn wurde das nach dem Tode des Vorgängers, des Franziskaners Johannes Pelcking (*16. 9. 1573; †28. 12. 1642), Bernhard Frick aus Sundern-Hachen. Wer war das?

Am Anfang seiner Laufbahn schreibt er sich auch noch »Fricke« wurde um 1600 in (Sundern)–Hachen geboren, mit 14 Jahren kam er nach Paderborn auf das dortige Gymnasium und studierte an der eben gegründeten Jesuiten-Universität Theologie und Philosophie. Vor 1626 empfing er die Priesterweihe, wurde 1628 als erster Weltpriester dort zum Doktor der Theologie (Dr. theol.) promoviert und Kanoniker des Busdorf-Stiftes. Von 1626 – 1631 war er Pfarrer in Siegen, danach wieder in Paderborn an der Marktkirche und ab 1647 als Pfarrer an der Gaukirche und Propst des dortigen Benediktinerklosters sowie Dechant am Busdorfstift, seit 1643 war er außerdem Generalvikar des Bistums.

Der Bischof von Osnabrück Franz Wilhelm von Wartenberg (*1.3.1593; †1.12.1661), ein Vetter des Kölner Erzbischofs Ferdinand, aus einer Nebenlinie des Wittelsbacher Hauses, auch gleichzeitig Bischof von Minden, Verden und Regensburg, war wirklich Priester und Bischof mit den erforderlichen Weihen, er hielt sich in Münster zu den Friedensverhandlungen auf und weihte am 2. 4. 1645, dem Palmsonntag, den Generalvikar seines Vetters zum Weihbischof für das Fürstbistum Paderborn mit dem Titel »Bischof von Cardica«, dem untergegangenen Bistum von »Gardiki« (slav.: Verkleinerungsform von »Grad« = »Burg«), heute »Pelasgia« in Griechenland in dem Bezirk Phthioti. Denn in der katholischen Kirche gehen Bistümer nicht unter, sondern bleiben in der Regel bestehen. Wenn es keinen Inhaber gibt, sind sie vakant.

Weiterhin kann man nur Bischof sein, wenn man Vorsteher einer Diözese ist. Deshalb wird allen Weihbischöfen, die ja auch geweihte Bischöfe sind, nominell ein solches Titularbistum als Eparchie zugewiesen, ohne dass sie dort irgendwelche Befugnisse oder gar Residenzpflichten hätten. Die meisten dieser Bistümer sind aus historischen Gründen nach Städten in Nordafrika und Kleinasien benannt, aber auch auf dem Balkan gibt es mehr als 200 solcher vakanten Bistümer. In Deutschland gibt es nur ein einziges Titularbistum, das 2009 durch Benedikt XVI. wieder errichtete Bistum Chiemsee mit Sitz auf Herrenchiemsee, was zurzeit aber noch vakant ist. Bereits 1215/16 errichtet, war es in der nach-napoleonischen Zeit vom Papst 1817/18 aufgehoben worden.

Es war wegen der unsicheren Zeiten des 30-jährigen Krieges einfacher das Herzogtum Westfalen von Paderborn statt von Köln aus zu bereisen. So erhielt Frick in Bonn am 6.7. 1645 die entsprechende Vollmacht und begann seine Visitationsreise in Arnsberg, wo er vom Landdrosten Friedrich von Fürstenberg (*1.3.1576; † 9.8.1646, Grabmal in der Wedinghauser Klosterkirche), am 26. Juli im Kloster Wedinghausen feierlich empfangen wurde und 1.076 Gläubigen das Sakrament der Firmung spendete. Es ging dann weiter über Hirschberg und Geseke in den Osten des Herzogtums ins Dekanat Medebach, als die Reise wegen »Winters und zunehmender Kriegsgefahr« für das Jahr (1646) unterbrochen wurde.

Hessische und schwedische Truppen unter dem schwedischen Feldmarschall Robert Douglas (*17. 3. 1611; †28. 5. 1662) raubten und plünderten fürchterlich in den Dörfern und kleineren Freiheiten, aber auch in den Städten Arnsberg, Brilon, Rüthen, Belecke und Warstein (12. 5. 1646). 1647 setzte Frick seine Reise in Rüthen (5.5.) fort, zog über Altenrüthen und Kallenhardt nach Warstein (10. 5.), wo er die entweihte Stadtkirche, in der die Blutspritzer der durch die Schweden gefolterten Opfer im Kirchturm auf den Glocken noch zu sehen waren, neu konzilierte. Über Belecke, Suttrop und Mülheim reiste er nach in Körbecke (15.-17. 5.), wo er nicht nur 1.050 Gläubige firmte, sondern auch den Kreuzaltar weihte. Am 18. Mai ist er bereits in Werl, um die nach einem Brand neu erstellte Hospitalkirche zu weihen, am nächsten Tag, einem Sonntag, den Friedhof und 796 Firmungen zu spenden.
 
 
Über Westönnen (Weihe des Hochaltars, 427 Firmungen) führte die Reise nach Bremen, wo er am 22. 5. den Nikolaus-Altar weihte und 656 Firmungen spendete. In seinem Tagebuch wird vermerkt, dass auch die Nonnen des Klosters Himmelpforten nach Bremen gekommen waren. Bei dieser Gelegenheit wird auch die Kollekte zum Wiederaufbau des Klosters zur Sprache gekommen sein, denn die Klostergebäude waren wohl notdürftig wiederhergestellt, es sollte aber noch dauern, bis am 9. Januar 1656 der Abt von Bredelar Absalon Heuck die Gebäude weihen konnte. Die Klosterkirche war möglicherweise nicht so stark zerstört worden, weil die Niederenser Einwohner den Brand nach dem hessischen Überfall gelöscht hatten. Dennoch schrieb der Landesherr Kurfürst-Erzbischof Ferdinand von Bayern am 10. Oktober 1647 eine besondere Kollekte für den Wiederaufbau des Klosters aus.

Bernhard Fricks Reise führte über Büderich, Scheidingen über Werl nach Menden (26.-27. 5., Weihe des Hochaltars, 1.190 Firmungen), dann nach Sümmern über Halingen nach Vosswinkel (29. 5.; Weihe von 2 Altären, 253 Firmungen) und Neheim. An Christi Himmelfahrt (30. 5.) und am Tage danach weihte er dort fünf Altäre (Marien-, Antonius-, Kreuz-, Georgs- und den Hochaltar) und am Abend erteilte er noch 334 Firmungen in Hüsten. Am 1. Juni konsekrierte er den Altar in der Rodentelgen-Kapelle, 145 Firmungen. Am 2. Juni firmte er in Enkhausen 268 Gläubige. Am 3. Juni war er in seiner Heimat Hachen angelangt, wo er die Kapelle und den Altar weihte. Viele Adelige aus Melschede, Sorpe, Reigern und Oelinghausen waren dort erschienen, um sich firmen zu lassen. Nach den Pfingsttagen setzte er seine Reisen fort, die bis 1649 dauern sollten.
Aus seinem Tagebuch kann man entnehmen, dass Frick in 158 Orten 47.199 Firmungen gespendet, 172 Altäre und Glocken für zehn Kirchen konsekriert, vier Kirchen und drei Friedhöfe wieder eingeweiht hat. In der Sunderner Heimatkrippe, in der viele Personen aus dem Ort und seinen Teilen dargestellt sind, bringt er in Pontifikalkleidung als Geschenk ein Reliquienkästchen mit seinem Wappen, das drei Karden (auch fälschlicherweise als Disteln bezeichnet) zeigt. Später findet man Spuren seiner Tätigkeit auch in den Bistümern Osnabrück, Münster und Hildesheim. Er starb am 31. März 1655, dem Ostermittwoch gegen 2 Uhr nachmittags im 55. Jahre und wurde in der Busdorfkirche zu Paderborn beigesetzt. •

... veröffentlicht im Heft 148 / Frühjahr 2017, Seiten 10 und 11.

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die aktuelle Ausgabe, Heft 148:
24.05.2017
Bernhard Frick, Weihbischof
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1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
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